STUDIOSI
STATE OF THE ART DER BETRIEBLICHEN PERSONALARBEIT
Exkursion nach Hamburg in die Realität des Wirtschaftslebens
Prof. Dr. Dieter Wagner, der in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät die Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen innehat, bot seinen Studenten der Vorlesungen Organisation und Personal Ende vergangenen Jahres eine einwöchige Exkursion in die Realität des Wirtschaftslebens nach Hamburg an.
Die bunte Truppe aus Volks- und Betriebswirtschaftlern, Soziologen, Germanisten, Slavisten und Psychologen machte sich an einem Montagmorgen mit allen nur erdenklichen Verkehrsmitteln auf den Weg in die Hansestadt. Die gut gelaunten und hochmotivierten Bahnreisenden wurden von Stefan Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Wagner, bereits am Bahnsteig erwartet. Nachdem für eine ansprechende Unterkunft gesorgt war und alle Individualisten sich eingefunden hatten, stand das Studio Hamburg auf dem Programm. RTL-Aktuell- und ran- Studio wurden inspiziert und obwohl Rod Stewart schon nach N.Y abgereist war, spürte man noch ein wenig Hollywood-Glamour. In der anschließenden Diskussion mit dem Personalbteilungsleiter Michael Koller wurden neben aktuellen Entwicklungen der Personalwirtschaft die Problematik der Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie der Trend der Branche zu mehr freien Arbeitsverhältnissen erörtert.
Trotz halbstündigen „Gewaltmarsches" durch kniehohen Neuschnee, erreichte die zwanzigköpfige Gruppe am nächsten Tag pünktlich das 3M-Werk Wilhelmsburg. Personalchef Jürgen Reinhold veranschaulichte plastisch die Präsentationstechniken der amerikanischen Konzernkultur. Jeden Täg eine Innovation und 30 % des Umsatzes aus Produkten, die nicht älter als vier Jahre sind, waren dabei Kerninhalte seines Vortrages. Mit Schutzbrille und Namensschild ausgerüstet, begab man sich in die fast vollautomatisierte Fertigung. Schlagwörter der folgenden Besprechung waren „no ranks no titels", Beitragsbeurteilung statt Leistungs- beurteilung, Innovations-Management und „multi-source-feeback“. Nachdem der geistige Hunger gestillt war, wurde die Einladung zum Mittagessen dankend angenommen.
St. Pauli's Bavaria Brauerei stand als nächster Punkt auf der Tagesordnung. Trotz des immensen Ausstoßes von 150 000 Flaschen pro Stunde bekam man kaum Mitarbeiter in der Produktion zu Gesicht. Bei Bier und Schinken war Personalentwicklung, Leistungsbeurteilung und management by ob- jectives das Thema. Frank Mettken und Rainer Külper schilderten die Funktionsweise und die Problemaspekte der praktischen
Umsetzung der personalwirtschaftlichen Konzepte in der Brauerei.
Im Villenviertel von Hamburg wurde am nächsten 1hg der Zigarettenkonzern Reemtsma besucht. Regelmäßige Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, die moderne Rolle des Betriebsrates, Funktionsweise des Konsens-Managements und innovative Modelle der Vergütung wurden unter anderem erläutert. Überrascht wurde das Auditorium von dem beinahe vollständigen Konsens zwischen Personalcontroller Günter Schmolke und Betriebsrat Claus Fitschen, der als repräsentativ für das Verhältnis von Unternehmensführung und Betriebsrat bei Reemtsma angesehen werden kann. Neben freien Zigaretten wurde auch das Mittagessen großzügig gestiftet. Bei ADIA Interim im Herzen Hamburgs wurde die aktuelle und hochbrisante Entwicklung der Zeitarbeit beleuchtet. Aus erster Hand erfuhr man von Geschäftsführer Eckhard Wiese von bisher noch nicht gekannten Problemen auf dem Arbeitsmarkt, arbeitspolitischen Grundsätzen und Perspektiven des Personalleasings.
Am Donnerstag ging es zu „Herrn Kaiser" von der Hamburg-Mannheimer. Dr. Helmut Brüggmann stellte das Personalentwicklungskonzept des Versicherungs-Konzerns vor. Dabei wurde ersichtlich, daß theoretische Ansätze in der Praxis durchaus Anwendung finden. Nach einem ausgiebigen Mittagessen wurden abschließend die sozialen Einrichtungen der Versicherung wie Kegelbahn, Sporthalle und Schießanlage (!) besichtigt. Last but not least galt es, der Unternehmensberatung Consulectra, einer Tochtergesellschaft der Hamburger Elektrizitätswerke, einen Besuch abzustatten. Klaus Eßer und Fritz Westermann präsentierten ein innovatives, internes Entwicklungsassessment- Center für Führungskräfte. Das Bekennen zu subjektiver Beurteilung, absolute Beurteilungstransparenz sowie ein mehrdimensionales Polaritätsprofil zeichnen diesen neuen Ansatz der Personalauswahl aus. Von der im Anschluß stattfindenden Diskussion profitierten dank kritischer Fragen nicht zuletzt auch die Gastgeber.
Im gemütlichen Hamburger Inn-Lokal „Grö- ninger" war ein gemeinsames Abendessen der abschließende Programmpunkt der Exkursion. Alle Teilnehmer erzählten von gesammelten Eindrücken der Firmenbesuche, der Hafenstadt Hamburg und von vielem mehr. Der gute Kontakt der Studenten zur Arbeitsgruppe Prof. Wagners war hier deutlich zu spüren. So mancher ging in der Folge mit neuen Kräften frisch motiviert ans Werk bzw. in den Studentenalltag, auch wenn die Einstellungschancen, speziell für Wirtschaftswissenschaftler, in allen besuch
ten Betrieben nicht nur vorteilhaft beurteilt wurden. Die einhellig positive Resonanz bei den Studenten motiviert hoffentlich Prof. Dr. Dieter Wagner und seine Mitarbeiter, auch in Zukunft ähnliche Veranstaltungen durchzuführen. Christoph Barth/Stephan Meier
Rentenkonto für Studenten
Zum 1, Januar 1997 hat sich die Anrechnung von Studienzeiten auf das Rentenkonto geändert. Bisher waren maximal sieben Jahre Schul-, Fachschul- oder Hochschulbesuch angerechnungsfähig, nun sind es noch drei Jahre. Verbessert habe der Gesetzgeber, so die Potsdamer BARMER-Chefin Heike Murner, daß die Anrechnungszeit nicht verloren gehe, wenn das Studium vorzeitig beendet werde. Hierdurch sollen insbesondere Härtefälle, wie ein krankheitsbedingter Studienabbruch, vermieden werden. Die reduzierte Anrechnungszeit gilt immer dann, wenn die Rente nach dem Jahr 2000 beginnt. Bei Rentenneuzugängen von 1997 bis 2000 wird sie stufenweise reduziert. Wer eine Lük- ke auf seinem Rentenkonto vermeiden will, kann freiwillige Beiträge nachentrichten, ba.
Mehr Studienanfänger
Studienanfängerzahlen 1965 - 1996 und KMK-Prognose 1996 - 2010 mit Übergangsquote 75% (1) — »
Prognose
daß 75 biw. 85 % der Hochschulzujangsberechtigten laisächfkh eir •die Annahme75%dargesielll. ©HRK
283.100 Studienberechtigte haben sich 1996 erstmalig an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Damit ist die Studienanfängerzahl gegenüber 1995 um 3,5 Prozent gestiegen. Bis zum Jahre 2010 ist mit einem weiteren Wachstum zu rechnen, Vor diesem Hintergrund wandte sich der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Hans- Uwe Erichsen, scharf gegen die Kürzungsund Streichungspolitik im Hochschulbereich, beim Hochschulbau und der Studienförderung, id.
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