Heft 
(1.1.2019) 02
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KULTUR

EIN BRUDERMORD*

Den ersten Uni-Theatertag des neu en Jahres veranstal- tete im Januar das ReferatJSltur. Die Poa^HFUll'TIli» tergruppe DeGater '87, die alljährlich auch das osteu­ropäisch-deutsche Theaterfestival für universitäre und freie Gruppen, UNIDRAM, orgahisiert, zeigte im Wald­schloß ihrej^fctuelle ProduktionEin Brudermord nach der gleichnamigen Erzählung von Ranz Kafka.

'J^T.P./Foto: Henry Klix

bleibt nichts anderes als das Werk"

Im Januar 1997 wäre der Schrift­steller Franz Fühmann 75 Jahre

alt geworden. Aus diesem Anlaß ist im Kulturhaus Altes Rathaus in Potsdam noch bis zum 2. März 1997 die Ausstellung Es bleibt nichts anderes als das Werk zu sehen. Diese Dokumentation Fühmann- schen Schaffens, die dem Zusammenhang zwischen Leben und Schreiben, Erfahrung und Literatur nachgeht, wurde von der Stif­tung Archiv der Akademie der Künste zu­sammengestellt. Die Akademie bewahrt auch den Nachlaß des 1984 verstorbenen Dichters. Korrespondenzen, Manuskripte, Photographien und anderes werden durch Informationstafeln zu Leben und Werk des Autors sowie durch Bücher aus seiner 20.000 Bände umfassenden Bibliothek er­gänzt. Plastiken, Graphiken und Gemälde jener Künstler, die sein Werk begleiteten, vervollständigen die Exposition. Im Rahmen der Fühmann-Ehrungen veranstaltete das In­stitut für Germanistik der Universität Pots­dam Ende Februar 1997 eine dreitägige wis­senschaftliche Konferenz zum ThemaJeder hat seinen Fühmann. Zugänge zu Poetologie und Werk. Die Ausstellung ist täglich außer montags von lObis 18 Uhr geöffnet. DerEin- tritt kostet 4 - DM, ermäßigt 2,- DM. A.E.

WAS WILLST DU DENN IN RIO?

Zu einer überraschenden und satirischen Reise durch vier DDR-Schlager-Jahrzehnte lädt das Hans Otto Theater unter dem MottoWas willst du denn in Rio? ein. Schauspieler und Sänger (auf unserem Foto v.l.n.r.: Esther Linkenbach, Rita Feldmeier und Sabine Amhold) agieren mit Spaß, Witz und Ironie, interpretieren Titel auch einmal anders als üblich, erfinden Figuren, Handlungen und Geschichten.

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Weitere Aufführungen sind am 13., 19. und 31. März 1997jeweils um 19.30 Uhr im Theaterhaus, Am Alten Markt, zu sehen. Kartenbestellungen können telefomsch unter 0331/2800693 erfolgen.

E.TJ Foto: Thomas Aurin

Stichwort: Schreibreform

97 Jahre lang durfte manSchiffahrt nur mit zweif schreiben. Mit Inkrafttreten der neu­en Rechtschreibregeln am 1.8.1998 ändert sich das. Um den Übergang zu erleichtern, hat die Kölner Postversicherung eine Bro­schüre herausgegeben.Nicht verunsi­chern lassen - die neuen Regeln" ist gegen einen Verrechnungsscheck über 5,- DM Schutzgebühr je Exemplar erhältlich bei: Kölner Postversicherung, Stichwort:Die neuen Regeln", Pohligstr. 3,50969 Köln, ade

BUCHTIPS

STANDARDWERK WIEDER AUFGELEGT

Bis heute stellt die elfbändigeGeschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart von Heinrich Graetz (er­schienen 1853 bis 1875) ein Standardwerk dar. Wer sich mit jüdischer Geschichte be­faßt, vor allem auch Studenten sei es emp­fohlen, kommt daran nicht vorbei. Es stammt aus der Feder des wohl ersten mo­dernen jüdischen Historikers von internatio­naler Bedeutung. Im Dezember 1996 hat der arani-Verlag einen Reprint der Ausgabe zur letzten Hand herausgebracht, versehen mit einem Vorwort des israelischen Histo­rikers Reuven Michael. Damit wird eine Lücke auf dem Buchmarkt geschlossen, denn die komplette Ausgabe war so gut wie nicht mehr greifbar. Seit 1986 war lediglich die dreibändige Volksausgabe in einer Tüschenbuchausgabe auf dem Markt. Heinrich Graetz (1817-1891) war in weiten Tfeilen Autodidakt. Er unterrichtete über Jahr­zehnte in Breslau am Jüdisch-Theologischen Seminar und an der Universität. Von 1869- 1887 gab er dieMonatsschrift für Geschich­te und Wissenschaft des Judentums heraus. Graetz verfügte über universales Wissen, war zahlreicher neuer und alter Sprachen mächtig und brachte sein Temperament auch in seine Lehre und seine Schriften ein. Er hatte nicht wenige Gegner auf allen Sei­ten. Den Orthodoxen war er zu historisch, den Historikern zu wenig historisch, und Treitschke warf ihm eine nationaljüdische Einstellung vor, die beweise, daß in Deutsch­land kein Platz für Juden sei.

Graetz ging es mit seiner Geschichte der Juden um ein Geschichtswerk für den Fach­mann und für breite Kreise. Um diesem An­spruch gerecht zu werden, arbeitete er mit bibliographischen Anmerkungen undNo­ten", in denen er Themen historisch vertief­te. Und da er sich auch als Schriftsteller ver­stand, schrieb er alles andere als eine trok- kene historische Abhandlung. In den Mittel­punkt der elf Bände stellte er die Institutionen der jüdischen Gemeinschaft, Verfolgung und Leiden in der Fremde sowie die jüdi­sche Literatur- und Ideengeschichte. Daß sein Werk nicht alles erfaßte und nicht frei von Irrtümern war, wird niemanden verwun­dern. Doch nach wie vor gelten die Worte von Leo Baeck, daß sich Graetz hier und da geirrt haben mag, aber dennoch das Eigent­liche und Entscheidende in jeder Epoche erkannt habe, weil er fähig gewesen sei, das Ganze zu erfassen. Regine Derdack

Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Ge­genwart. Mit einem Vorwort von Reuven Michael, arani-Verlag, 11 Bände in 13 Tei­len, Berlin 1996, 6744 Seiten, 1480,- DM.

PUTZ 2/97

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