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(1.1.2019) 03
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Bevor die Gelenke rosten

Die Zeit, da Rentner sich ein­fach aufs Abstellgleis schieben lassen, scheint zunehmend vor­bei. Viele von ihnen ergreifen nach dem Ende ihrer Berufstä­tigkeit ganz bewußt die Initia­tive. Sie reisen nach Tunesien oder Mallorca, in alle Teile der Welt. Für diese veränderte Le­benssituation aber braucht es Fitneß- eine Aufgabe auch der Sportmediziner.

Experten widmen sich heute verstärkt Fragen sportlicher Be­lastbarkeit im Alter. Dabei aller­dings spielt die Anzahl vorhan­dener Lebensjahre zunächst nur eine untergeordnete Rolle.Al­ter das ist ein subjektiver Er­messensspielraum, meint dazu Gernot Badtke aus dem Institut für Sportmedizin und Präventi­on der Universität Potsdam. Und den gelte es optimal auszu­füllen.

Der: menschliche: Körper schließlich folgt eigenen Geset­zen. Im Laufe der Zeit engt sich ein jedes seiner Systeme, ob Ver­dauung, Herz- Kreislauf oder anderes, in seiner Funktions­

> den Inhalt zu verstehen. Auch dies ist ein Hinweis auf ein nachlassendes Arbeitsgedächt­nis. Vermutlich, so Kliegl, wer­den vor allem Bereiche im Frontalhirn beim Altern schwä­cher, wo auch das Arbeitsge­dächtnis lokalisiert ist. Das Langzeitgedächtnis dagegen, welches vorwiegend in den seit­lichen Schläfenlappen der Hirn­rinde verortet wird, scheint we­niger vom Alterungsprozeß be­troffen. Allerdings macht Älte­ren das Einprägen neuer Sach­verhalte mehr Mühe, weil be­stimmte Rezeptoren nicht mehr so empfänglich sind und öfter stimuliert werden müssen. De­fizite in diesem Bereich scheinen vor allem den Hippocampus zu betreffen.

Strategien gegen den Abbau Ganz offensichtlich aber gelingt es vielen älteren Menschen, den biologischen Abbau ihrer Fähig­

breite ein.Unsere Biologie, erklärt der Wissenschaftler,ist so konstruiert, daß der Organis­mus die Beziehungen zur inne­ren und äußeren Umwelt mit einem möglichst geringen Auf­wand an Energie zu regulieren versucht. Dem drohenden Ein­rosten müsse deshalb rechtzeitig Einhalt geboten werden.

Dabei kommt es den Wissen­schaftlern weniger auf das Errei­chen von Spitzenleistungen an als vielmehr um kontinuierliche, angemessene Bewegung der Männer und Frauen. Das Spek­trum angeratener Aktivitäten reicht weit.Besonders eignen sich zum Beispiel das Radfah­ren, Schwimmen, Walking, der Skilanglauf, so Badtke. Von Sportarten mit Rasanzkompo­nenten, Schnellkraftdisziplinen rät er hingegen dringend ab. Das Gewebe macht das nicht mehr mit, warnt der Sportme­diziner. Unnötige Verletzungen seien die Folge:; Im Vorder­grund müsse die Entwicklung von Ausdauer und Koordinati­on stehen, Voraussetzung, um den Anforderungen im Alltag

Seniorensport auf dem Vormarsch

Wissenschaft aktuell

Seniorensportgruppen verzeichnen allerorts Zulauf. In den Übungen geht es vor allem um die Verbesserung von Koordination und Ausdauer.

gerecht zu werden. Feste For­meln der Dosierung gibt es da­bei nicht. Die Wahl der Belastungshöhe richtet sich un­ter anderem nach Leistungsfä­higkeit, Trainingserfahrung, Gesundheitsstatus, Gewicht oder Körperbau. So unter­schiedlich hier die Kriterien auch sein mögen, in einem zei­gen sich die Fachleute einig: Alter ist keine Entschuldigung für Inaktivität. Jene Auffassung

Foto: Fritze

unterstrich im übrigen erst kürzlich eine gemeinsame wis­senschaftliche Fortbildungsver­anstaltung des Instituts für Sportmedizin und Prävention der Potsdamer Uni und des Landesverbandes Brandenburg der Gesellschaft für Sportmedi­zin e.V. zum gleichen Thema. Ihr Titel lauteteSportliche Be­lastbarkeit im Alter und Kinesio­logische Untersuchungsverfah­ren. P.G.

keiten hervorragend zu kom­pensieren. Diese faszinierende Fähigkeit versuchen Krampe und Kliegl in Kooperation mit der Florida State University zu verstehen. Untersuchungen von älteren Schachspielern lassen vermuten, daß diese weniger Züge gründlich durchdenken als ihre jüngeren Kollegen. Aus der Vielzahl der möglichen Züge wählen sie jedoch genau diejenigen aus, die tatsächlich der Mühe wert sind. Eine solche Strategie, die die Erfahrung

nutzt, wenden vermutlich die meisten älteren Menschen un­bewußt an, ob beim Autofah­ren, beim Lesen oder bei ande­ren Tätigkeiten. Auch bewußt angewandte Techniken(Ge­dächtnistraining, Gehirngym­nastik) können wirkungsvoll sein, schreiben Kliegl und Phil­ipp in einem Übersichtsartikel. Die geistige Kapazität solle aber genau für die Punkte trainiert werden, wo der Verfall als be­sonders schmerzlich empfunden wird, rät Kliegl, denn der

Leistungszuwachs sei stark an die trainierten Aufgaben gebun­den und kostet meistens viel Zeit, vergleichbar vielleicht dem Erwerb einer neuen Fremdspra­che. Seine persönliche Strategie gegen das schlechte Namens­gedächtnis verrät Prof. Kliegl am Ende auch: Beim Kennen­lernen achtet er jetzt immer dar­auf, den Namen des neuen Ge­sprächspartners mehrmals zu wiederholen. ar

Teilnehmer gesucht: Rüstige ältere Erwachsene (ab 65 Jahre), die an Untersuchungen gegen ein bescheidenes Entgelt teilnehmen möchten, können sich bei Petra Grüttner in der Potsdamer Forschungsstelle des Instituts für Psychologie in der Gutenbergstr. 67 melden(Tel. 0331-2755080, Fax 0331-2755057).

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