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Bevor die Gelenke rosten
Die Zeit, da Rentner sich einfach aufs Abstellgleis schieben lassen, scheint zunehmend vorbei. Viele von ihnen ergreifen nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit ganz bewußt die Initiative. Sie reisen nach Tunesien oder Mallorca, in alle Teile der Welt. Für diese veränderte Lebenssituation aber braucht es Fitneß- eine Aufgabe auch der Sportmediziner.
Experten widmen sich heute verstärkt Fragen sportlicher Belastbarkeit im Alter. Dabei allerdings spielt die Anzahl vorhandener Lebensjahre zunächst nur eine untergeordnete Rolle.„Alter— das ist ein subjektiver Ermessensspielraum“, meint dazu Gernot Badtke aus dem Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam. Und den gelte es optimal auszufüllen.
Der: menschliche: Körper schließlich folgt eigenen Gesetzen. Im Laufe der Zeit engt sich ein jedes seiner Systeme, ob Verdauung, Herz- Kreislauf oder anderes, in seiner Funktions
> den Inhalt zu verstehen. Auch dies ist ein Hinweis auf ein nachlassendes Arbeitsgedächtnis. Vermutlich, so Kliegl, werden vor allem Bereiche im Frontalhirn beim Altern schwächer, wo auch das Arbeitsgedächtnis lokalisiert ist. Das Langzeitgedächtnis dagegen, welches vorwiegend in den seitlichen Schläfenlappen der Hirnrinde verortet wird, scheint weniger vom Alterungsprozeß betroffen. Allerdings macht Älteren das Einprägen neuer Sachverhalte mehr Mühe, weil bestimmte Rezeptoren nicht mehr so empfänglich sind und öfter stimuliert werden müssen. Defizite in diesem Bereich scheinen vor allem den Hippocampus zu betreffen.
Strategien gegen den Abbau Ganz offensichtlich aber gelingt es vielen älteren Menschen, den biologischen Abbau ihrer Fähig
breite ein.„Unsere Biologie“, erklärt der Wissenschaftler,„ist so konstruiert, daß der Organismus die Beziehungen zur inneren und äußeren Umwelt mit einem möglichst geringen Aufwand an Energie zu regulieren versucht“. Dem drohenden Einrosten müsse deshalb rechtzeitig Einhalt geboten werden.
Dabei kommt es den Wissenschaftlern weniger auf das Erreichen von Spitzenleistungen an als vielmehr um kontinuierliche, angemessene Bewegung der Männer und Frauen. Das Spektrum angeratener Aktivitäten reicht weit.„Besonders eignen sich zum Beispiel das Radfahren, Schwimmen, Walking, der Skilanglauf“, so Badtke. Von Sportarten mit Rasanzkomponenten, Schnellkraftdisziplinen rät er hingegen dringend ab. „Das Gewebe macht das nicht mehr mit“, warnt der Sportmediziner. Unnötige Verletzungen seien die Folge:; Im Vordergrund müsse die Entwicklung von Ausdauer und Koordination stehen, Voraussetzung, um den Anforderungen im Alltag
Seniorensport auf dem Vormarsch
Wissenschaft aktuell
Seniorensportgruppen verzeichnen allerorts Zulauf. In den Übungen geht es vor allem um die Verbesserung von Koordination und Ausdauer.
gerecht zu werden. Feste Formeln der Dosierung gibt es dabei nicht. Die Wahl der Belastungshöhe richtet sich unter anderem nach Leistungsfähigkeit, Trainingserfahrung, Gesundheitsstatus, Gewicht oder Körperbau. So unterschiedlich hier die Kriterien auch sein mögen, in einem zeigen sich die Fachleute einig: Alter ist keine Entschuldigung für Inaktivität. Jene Auffassung
Foto: Fritze
unterstrich im übrigen erst kürzlich eine gemeinsame wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltung des Instituts für Sportmedizin und Prävention der Potsdamer Uni und des Landesverbandes Brandenburg der Gesellschaft für Sportmedizin e.V. zum gleichen Thema. Ihr Titel lautete„Sportliche Belastbarkeit im Alter und Kinesiologische Untersuchungsverfahren“. P.G.
keiten hervorragend zu kompensieren. Diese faszinierende Fähigkeit versuchen Krampe und Kliegl in Kooperation mit der Florida State University zu verstehen. Untersuchungen von älteren Schachspielern lassen vermuten, daß diese weniger Züge gründlich durchdenken als ihre jüngeren Kollegen. Aus der Vielzahl der möglichen Züge wählen sie jedoch genau diejenigen aus, die tatsächlich der Mühe wert sind. Eine solche Strategie, die die Erfahrung
nutzt, wenden vermutlich die meisten älteren Menschen unbewußt an, ob beim Autofahren, beim Lesen oder bei anderen Tätigkeiten. Auch bewußt angewandte Techniken(Gedächtnistraining, Gehirngymnastik) können wirkungsvoll sein, schreiben Kliegl und Philipp in einem Übersichtsartikel. Die geistige Kapazität solle aber genau für die Punkte trainiert werden, wo der Verfall als besonders schmerzlich empfunden wird, rät Kliegl, denn der
Leistungszuwachs sei stark an die trainierten Aufgaben gebunden und kostet meistens viel Zeit, vergleichbar vielleicht dem Erwerb einer neuen Fremdsprache. Seine persönliche Strategie gegen das schlechte Namensgedächtnis verrät Prof. Kliegl am Ende auch: Beim Kennenlernen achtet er jetzt immer darauf, den Namen des neuen Gesprächspartners mehrmals zu wiederholen. ar
Teilnehmer gesucht: Rüstige ältere Erwachsene (ab 65 Jahre), die an Untersuchungen gegen ein bescheidenes Entgelt teilnehmen möchten, können sich bei Petra Grüttner in der Potsdamer Forschungsstelle des Instituts für Psychologie in der Gutenbergstr. 67 melden(Tel. 0331-2755080, Fax 0331-2755057).
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