Wissenschaft aktuell
PUTZ 4/99
Schlagende Weiber
Ihre Schwiegertochter habe„sie vor einen rotterigen Hund
außgescholten, vorne angepackt, undt von sich gestoßen,| daß sie rückwarths hinter den Brawpott gefallen, undt bei% eyn Loch auff der Handt bekom
solchen Umbständen...
men“. So klagte die Witwe Magdalena Humpert vor dem Cansteinischen Rügegericht 1718. Im Vorfeld hatte die
Schwiegermutter ihre hochschwangere Schwiegertochter|
mit einer wahren Schimpfkanonade beleidigt, ihr gewünscht, sie möge einen Hund gebären und ihr den bloßen Hintern gezeigt. Erst nach dieser ehrenrührigen Gebärde habe sie nicht mehr an sich halten können, gab die Schwie
gertochter zu Protokoll.
Dieses Beispiel sei recht typisch für die relativ gemäßigte Gewalttätigkeit von Frauen, sagte Dr. Barbara Krug-Richter von
der Universität Münster auf|
dem Symposium, das am 23. und 24. April in Potsdam stattfand.
Eingeladen zu dem Treffen
Eriksson, auch die raufenden Männer achtgaben, sich kei
| nen dauerhaften Schaden zu
zufügen. In den Fällen, die schließlich vor Gericht gingen, hatten sich die Kontrahenten
meist schon jahrelang immer
wieder gestritten, bis schließ
| lich
hatten Magnus Eriksson und| | ausreichten.
Professor Jan Peters vom Hi
storischen Institut der Univer-|
sität Potsdam vor allem Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich mit der Gewalt im Alltag der Menschen der frühen Neuzeit beschäftigen. „Die Menschen waren im Alltag eher gewalttätiger als heute“, meint Magnus Eriksson, aber die Auseinandersetzungen liefen damals wesentlich ritualisierter ab, so daß im Grunde einer der Streithähne oder eine dritte Person jederzeit den Streit‘ abbrechen konnte.
Es fing meist mit harmlosen Beschimpfungen an, steigerte sich: über„Hundsfot“ und „Hurensohn“ bis zur Androhung von körperlicher Gewalt. Erst nach diesem Vorspiel wur
de man tätlich, wobei, so:|
die dörflichen Schlichtungsinstan-zen nicht mehr
Frauen schlugen erstaunlich
| selten zu. Dennoch fand Dr.
Barbara Krug-Richter einige Beispiele in den Protokollen der niederen Gerichtsbarkeit in den Dörfern der Herrschaft Canstein von 1710 bis 1718. Frauen schlugen sich am ehesten mit anderen Frauen, meist aus der Familie, wobei es oft um die Schlüsselgewalt zur Speisekammer oder um die Position im Haushalt ging. Überliefert sind auch Schlägereien um ausstehenden Lohn oder Fälle, in denen eine sicherlich verzweifelte Frau bei der Pfändung ihrer Besitztümer auf den Beamten der Obrigkeit losging.
Ganz wie bei Schlägereien unter Männern war auch bei Frauen der Kopf der Gegnerin
Vernichtender als alle Prügel kann üble Nachrede oder eine spitze Zunge sein.
das bevorzugte Angriffsziel. Haare wurden büschelweise ausgerissen und Schläge ins Gesicht verteilt. Es gab aber auch wesentliche Unterschiede, fand Barbara Krug-Richter: Bei Frauen waren die Wortgefechte im Vorfeld länger und auch fantasievoller— und: Es floß in weiblichen Alltagsauseinandersetzungen nur äußerst selten Blut!
Obwohl die überwiegend schwer körperlich arbeitenden Frauen recht kräftig waren, schlugen sie ihre Opfer nicht grün, blau und schwarz, wie es
Gewaltkultur in der Frühen Neuzeit
Abb.: Repro
von den männlichen Raufbolden berichtet wird. Sie nutzten auch keine Messer oder Schußwaffen, auch wenn ihnen diese durchaus zur Verfügung gestanden hätten. Hatten Frauen also doch ein‘ bißchen mehr Kultur in ihrer Art der Gewalttätigkeit?
Die traditionelle Rolle der Frau sei die der Schlichterin;, betont Eriksson. Und die meisten Frauen hätten durchaus gewußt, wie sie jemandem am effizientesten schaden könnten, nämlich nach wie vor durch ihre böse Zunge!‘ar
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