Heft 
(1.1.2019) 04
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 4/99

Schlagende Weiber

Ihre Schwiegertochter habesie vor einen rotterigen Hund

außgescholten, vorne angepackt, undt von sich gestoßen,| daß sie rückwarths hinter den Brawpott gefallen, undt bei% eyn Loch auff der Handt bekom­

solchen Umbständen...

men. So klagte die Witwe Magdalena Humpert vor dem Cansteinischen Rügegericht 1718. Im Vorfeld hatte die

Schwiegermutter ihre hochschwangere Schwiegertochter|

mit einer wahren Schimpfkanonade beleidigt, ihr ge­wünscht, sie möge einen Hund gebären und ihr den bloßen Hintern gezeigt. Erst nach dieser ehrenrührigen Gebärde habe sie nicht mehr an sich halten können, gab die Schwie­

gertochter zu Protokoll.

Dieses Beispiel sei recht typisch für die relativ gemäßigte Ge­walttätigkeit von Frauen, sagte Dr. Barbara Krug-Richter von

der Universität Münster auf|

dem Symposium, das am 23. und 24. April in Potsdam statt­fand.

Eingeladen zu dem Treffen

Eriksson, auch die raufenden Männer achtgaben, sich kei­

| nen dauerhaften Schaden zu­

zufügen. In den Fällen, die schließlich vor Gericht gingen, hatten sich die Kontrahenten

meist schon jahrelang immer

wieder gestritten, bis schließ­

| lich

hatten Magnus Eriksson und| | ausreichten.

Professor Jan Peters vom Hi­

storischen Institut der Univer-|

sität Potsdam vor allem Wissen­schaftler und Wissenschaftlerin­nen, die sich mit der Gewalt im Alltag der Menschen der frü­hen Neuzeit beschäftigen. Die Menschen waren im All­tag eher gewalttätiger als heu­te, meint Magnus Eriksson, aber die Auseinandersetzun­gen liefen damals wesentlich ritualisierter ab, so daß im Grunde einer der Streithähne oder eine dritte Person jeder­zeit den Streit abbrechen konnte.

Es fing meist mit harmlosen Beschimpfungen an, steigerte sich: überHundsfot und Hurensohn bis zur Andro­hung von körperlicher Gewalt. Erst nach diesem Vorspiel wur­

de man tätlich, wobei, so:|

die dörflichen Schlich­tungsinstan-zen nicht mehr

Frauen schlugen erstaunlich

| selten zu. Dennoch fand Dr.

Barbara Krug-Richter einige Beispiele in den Protokollen der niederen Gerichtsbarkeit in den Dörfern der Herrschaft Canstein von 1710 bis 1718. Frauen schlugen sich am ehe­sten mit anderen Frauen, meist aus der Familie, wobei es oft um die Schlüsselgewalt zur Speisekammer oder um die Position im Haushalt ging. Überliefert sind auch Schläge­reien um ausstehenden Lohn oder Fälle, in denen eine si­cherlich verzweifelte Frau bei der Pfändung ihrer Besitztü­mer auf den Beamten der Ob­rigkeit losging.

Ganz wie bei Schlägereien un­ter Männern war auch bei Frauen der Kopf der Gegnerin

Vernichtender als alle Prügel kann üble Nachrede oder eine spitze Zunge sein.

das bevorzugte Angriffsziel. Haare wurden büschelweise ausgerissen und Schläge ins Gesicht verteilt. Es gab aber auch wesentliche Unterschie­de, fand Barbara Krug-Richter: Bei Frauen waren die Wortge­fechte im Vorfeld länger und auch fantasievoller und: Es floß in weiblichen Alltagsaus­einandersetzungen nur äußerst selten Blut!

Obwohl die überwiegend schwer körperlich arbeitenden Frauen recht kräftig waren, schlugen sie ihre Opfer nicht grün, blau und schwarz, wie es

Gewaltkultur in der Frühen Neuzeit

Abb.: Repro

von den männlichen Raufbol­den berichtet wird. Sie nutzten auch keine Messer oder Schuß­waffen, auch wenn ihnen die­se durchaus zur Verfügung ge­standen hätten. Hatten Frauen also doch ein bißchen mehr Kultur in ihrer Art der Gewalt­tätigkeit?

Die traditionelle Rolle der Frau sei die der Schlichterin;, betont Eriksson. Und die mei­sten Frauen hätten durchaus gewußt, wie sie jemandem am effizientesten schaden könn­ten, nämlich nach wie vor durch ihre böse Zunge!ar

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