PUTZ 4/99
Kultur
Neues aus Ost und West 6. Osteuropäisch-Deutsches Theaterfestival UNIDRAM'99
Einen Monat später als gewohnt ist Potsdam wieder internationaler Schauplatz für freies und universitäres Theater. Die UNIDRAM- Woche ‘99, die die freie Theatergruppe„DeGater‘87“ und die Universität Potsdam in Kooperation mit verschiedenen anderen städtischen Kultureinrichtungen veranstalten, gibt wieder insgesamt fünfzehn Ensembles aus Osteuropa, aus Deutschland sowie aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz und Belgiens Gelegenheit, an verschiedenen Orten der Stadt ihre Aufführungen zu präsentieren.
Mit Blick nach Osteuropa haben die Organisatoren Schwerpunkte gesetzt: mehrere russische und polnische Gruppen sowie jeweils eine Compagnie aus Ungarn, aus Slowenien und Montenegro garantieren nicht nur künstlerisch-ästhetische, sondern auch kulturelle Vielfältigkeit. Einmal mehr versucht das Theatertreffen, aus über 130 Bewerbungen eine Vielzahl theatralischer Wirklichkeiten und Perspektiven jenseits etablierter Strukturen zu filtern und einen Querschnitt gegenwartsbezogenen Theaters aufzuzeigen; es sucht dabei wie immer nach aufregenden Kontrasten und setzt gewollt Brü
Filmvorstellungen
Die von den Fachschaften Geschichte, Germanistik und Anglistik der Universität Potsdam begonnene Semester-Film- und Vortragsreihe im Filmmuseum sicht für den Juni zwei Veranstaltungen vor. Dabei handelt es sich um„Prosperos books“ (Regie Peter Greenaway, 1991) am 1.6.’99 und„Berlin Alexanderplatz“(Regie Phil Jurtzi, 1931) am 15.6.°99. Beginn: 19.30 Uhr. Die einführenden Vorträge halten Prof. Dr. Peter Drexler beziehungsweise Dr. Elke Lösel, beide Universität Potsdam. PUTZ
Michael Vogel& Hajo Schüler(Essen) präsentieren„Ristorante I mmortale
— oder vom provisorischen Leben“.
che. Mehr noch als in den UNI
DRAM-Jahren zuvor lassen sich viele der Inszenierungen des
| diesjährigen Programms formal
inhaltlich nicht eindeutig festlegen. Ihren besonderen Reiz gewinnen sie vor allem dadurch, daß sie unterschiedlichste theatralische Konventionen, Stile und Genres miteinander vermischen. Ein Großteil der Vorstellungen bewegt sich daher wie
| der im Grenzbereich von Thea
ter, Tanz und Performance— ein konzeptioneller Ansatz, der vor allem die beiden letzten Festivaljahre prägte und den die Veranstalter mit neuem Spektrum gezielt weiter verfolgen.
Ohne das konventionelle Sprechtheater auszuklammern, wird nonverbalen beziehungsweise außersprachlichen Ausdrucks- und Darstellungsformen verstärkt Raum gegeben: Pantomime, Maskentheater, Tanz- und Bewegungstheater sowie gestische Performance akzentuieren den Anspruch,
Foto: zg.
Körperlichkeit und physische Präsenz als Ausdruck einer universellen Theatersprache wahrzunehmen.
Das Programm von UNIDRAM ‘99 wird komplett durch Workshops, durch tägliche Diskussionsrunden am Nachmittag, das Theater-Nachtcafe mit regelmäßiger Live-Musik, durch Parties sowie durch die Fotoausstellung „6 Jahre UNIDRAM“* intder Wilhelmgalerie. Und es hat auch in diesem Jahr sein„special“: das nächtliche Platzkonzert der rumänischen Blaskapelle„Fanfare Ciocarlias‘ am 8. Juni‘99. um 21.00 Uhr auf dem Alten Markt. Die Musik der Gäste genießt seit Kousturica’s Film„Underground“ mittlerweile in ganz Europa große Popularität. Das vollständige Programm von Unidram liegt in den zentralen Einrichtungen der Stadt aus und ist im WWW unter: http:// www.uni-potsdam.de/u/ unidram/ unidram.htm zu finden. Mitusch
Türler-Cartoon-Wettbewerb 1999
Die einen sehen in ihm die anregendste und spannendste Art, ihr karges Semesterbudget aufzustocken, die anderen eine Chance, ihr Talent einer breiteren Öffentlichkeit kundzutun: Der Türler-Cartoon-Wettbewerb ist seit seinem Start 1994 unter Berliner und Potsdamer Hochschülern zu einer beliebten Tradition geworden. Allein 1998 beteiligten sich an diesem
Wettbewerb 77 Studenten mit 175 Arbeiten. Die Ausschreibungsfrist endet in diesem Jahr am 11. Juni. Das Thema lautet wieder„Berliner Zeitzeich(n)en— Berlin im Wandel der Zeit“. Teilnahmebedingungen gibt es bei der Agentur cmi (Tel. 030,/3278030). Fragen zum Wettbewerb beantwortet Nela Stark unter Ruf 030/ 327808-23. PUTZ
Stefan und der Dirk
„Schwarze Grütze” mit neuer CD
Im sprachlich-musikalischen Originalduktus von Serge) Prokofieffs Märchen„Peter und der Wolf“ geht das Intro der neuen CD von„Schwarze Grütze“ scheinbar harmlos an. Ange
| kündigt werden nicht Peter und
der Wolf, sondern„Stefan und der Dirk“, Mitspieler sind die „Großmutter“, eine„Seemannsbraut“ und der häßlichste Mensch der Welt“. Nach dem Satz„Eines morgens öffnete Stefan die Gartentür und trat hinaus auf die große grüne Bühne“ fahren Stefan Klucke und Dirk Pursche, Musikstudenten an der Universität Potsdam, ihr fetziges, makaberwitziges Lied- und Sketcheprogramm ab. Die Grenze christlich-humanistischer Empfindung—“Der häßlichste Mensch der Welt“,„Die Erschöpfung des Menschen“— wird erreicht, nie überschritten. Die CD ist ein Live-Mitschnitt des inzwischen landauf, landab tourenden Duos, neuerdings erweitert um Dietmar Haupt am Fender-Piano.
Die Produktion erscheint sehr gelungen, ausgewogen in den Anteilen Musik und Zwischentext, treffsicher in allen Pointen, musikalisch überzeugend. Weil die Lieder sehr genau gearbeitet und hoch wirksam sind, gelingt es den beiden, sich selbst auch immer wieder zurückzunehmen. Das gilt auch trotz der Rückversicherungen ins Publikum,„ihr kennt doch alle das Gefühl, wenn...“. Intelligent, spitzbübisch und oft mit verblüffenden Wendungen werden Glanz und Elend partnerschaftlicher Beziehungen, die Not des Älterwerdens, Liebesfreud und -leid besungen. Der musikalische Zitatenschatz kommt von den Comedian Harmonists, den Beatles und Stones, Wenke
| Myhre und Peter Maffey. Die
zweite Schwarze-Grütze-CD offenbart, daß Pursche, Klucke und Haupt das Kind in sich wachhalten und so ganz nicht erwachsen werden wollen. Mit dem„Weihnachtsmann“-Lied ist im übrigen ein Hit gelungen.
Dr. Thomas Freitag, PÖK
29