Heft 
(1.1.2019) 07
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 7/99

Aus der Katastrophe lernen

Erdbeben in der Türkei von Potsdamern untersucht

Gleich am Morgen des 17. August 1999, nachdem das schwere Erdbeben bei der türkischen Hafenstadt Izmit bekanntgegeben wurde, brach eine Gruppe von Pots­damer Geowissenschaftlern derDeutschen Task Force Erdbeben in das Einsatzge­biet in Nordanatolien auf. Die Seismologen, Hydrogeo­logen und Geodäten schlu­gen ihre Einsatzzentrale im Dorf Taskesti, unmittelbar bei der weitgehend zerstör­ten Stadt Adapazari in der Nähe von Izmit, auf.

Die Wissenschaftler begannen mit der Einrichtung von neun­zehn zusätzlichen seismischen Stationen, um den Wirkungs­mechanimus des Erdbebens zu analysieren.Durch die Mes­sung der Nachbeben, mit Hil­fe von Grundwasseruntersu­chungen und durch Untersu­chung der Gebäudeschäden er­halten wir Informationen, die zum Schutz vor katastrophalen Beben in der Türkei und welt­

weit nutzbar gemacht werden können, sagt Prof. Dr. Jochen Zschau, Vorsitzender des Deutschen Task Force Komi­tees dazu. Zschau ist Direktor am GeoForschungsZentrum Potsdam(GFZ) für den Be­reichPhysik des Erdkörpers und Desasterforschung und lehrt an der Universität Pots­dam. Die Potsdamer Wissen­schaftler arbeiteten auch bei diesem Einsatz eng mit türki­schen Erdbebenexperten aus Istanbul und Ankara zusam­men. Sie haben jedoch auch bereits vor der Katastrophe von Izmit das gefährdete Ge­biet untersucht(Siehe PUTZ 7/98, Seite 17). Denn seit Menschengedenken wird die Türkei von starken Erdbeben erschüttert. Allein in diesem Jahrhundert gab es schon elf Erdbeben entlang des Nordat­lantischen Grabens mit einer Stärke über 6,7 auf der Rich­ter-Skala. Das Beben von Izmit hatte eine Stärke von 7,6. Tatsächlich ist die tektonische Kage' ‚denkbar prekär:' Der

Nordanatolische Graben ver­läuft 1500 Kilometer entlang des Schwarzen Meeres und en­det im am dichtesten besiedel­ten Ballungsraum der Türkei um Istanbul. Hier leben 16 Millionen Menschen, die gut die Hälfte des Bruttosozialpro­dukts des ganzen Landes er­wirtschaften. Entsprechend viele Industriebetriebe haben sich auf dem unsicheren Boden angesiedelt, die im Ernstfall durch Brand oder Freisetzen gefährlicher Substanzen zu Ka­tastrophen führen können. Je­den Moment könnte im Prin­zip das nächste Beben kom­men. Ziel der Potsdamer Geo­wissenschaftler ist es daher auch, in Zukunft die Frühwar­nung zu verbessern. Zwischen der Messung einer Erschütte­rung und der Warnung bleibt allerdings extrem wenig Zeit, aber schon wenige Sekunden könnten genügen, um bei­spielsweise eine Pipeline zuzu­drehen. Langfristig vorhersa­gen lassen sich Erdbeben auch heute nicht, sicher sind sich die

Experten erst, wenn die Seis­mometer ausschlagen. Insge­samt führte die von der UNE­SCO unterstützte Task Force­Gruppe 3,5 Tonnen an wissen­schaftlichem Gerät mit sich. Das Deutsche Task Force Ko­mitee Erdbeben hat seinen Sitz am GFZ Potsdam und ist ein Beitrag von deutscher Seite zur Internationalen Dekade für Katastrophenvorbeugung der UNO. ar

Hilfe für Erdbebenopfer

Mit dem Erdbeben vom 17. August 1999 erlebte die Tür­kei eine der größten Katastro­phen des Jahrhunderts. Um das Leid etwas lindern zu hel­fen, spendeten Mitarbeiter aus dem Dezernat für akademische und studentische Angelegen­heiten der Uni bereits im Au­gust 243,00 DM für die Erd­bebenopfer.

Wer auch finanzielle Unter­stützung geben möchte, kann Geld unter anderem auf fol­gendes Konto überweisen: DRK-SpendenkontoErdbeben bei der Deutschen Bank Bonn, Kontonummer: 414141, Bankleit­zahl: 38070059. PUTZ

Nur der Medaillenspiegel zählte Sporthistoriker analysierten DDR-Leistungssport

Auf den ersten Blick war es fast ein Wunder: 1976 und 1988 übertraf die DDR mit ihren 17 Millionen Einwoh­nern in der olympischen Sommer-Medaillenbilanz die USA und wurde zum Hauptkonkurrenten der So­wjetunion. Daß dies aller­dings durchaus nicht zufällig passierte, sondern handfeste Ursachen hatte, belegen Er­gebnisse eines am Institut für Sportwissenschaft der Uni Potsdam angesiedelten Forschungsauftrages zur Aufarbeitung der Geschich­te des DDR-Sports. We­sentlich am Zustandekom­men des Fazits beteiligt ist Prof. Dr. Hans Joachim Teichler aus der brandenbur­gischen Alma mater.

Es ist uns wichtig zu betonen, daß monokausale Begründun­gen(zum Beispiel Doping) für die Bestimmung jenes Erfolges des DDR-Sports nicht ausrei­chen, sagt er.Wir plädieren dafür, die politische und struk­turelle Dimension stärker zu gewichten. Und hier präsen­tieren Teichler und seine Mit­arbeiter eine Menge Fakten. Von ihnen zusammengetra­gene Statistiken belegen einen enormen Personal- und Mittel­einsatz in unterschiedlichen Bereichen des Leistungssports. So standen unter anderem den 588 Clubsportlern im SC Karl­Marx-Stadt 226 sportliche und sogenannte technische wie po­litische Mitarbeiter gegenüber. In der SG-Dynamo Potsdam arbeiteten gar mehr Rudertrai­

Das müßte doch zu schaffen sein!

Obwohl in der DDR der wettkamp­forientierte Leistungssport den Vor­zug erhielt, existierten dennoch eine Reihe von breitensportlichen Grup­pen, Bewegungen und Aktivitäten. Dazu gehörte die Initiative um das Sportabzeichen der DDR, für die dieses Plakat warb. Abb.: Repro

ner als heute im gesamten Be­reich des Deutschen Ruderver­bandes. Als spezifisch bezeich­nen die Wissenschaftler neben der Lenkung des Sports durch die Partei dessen Einteilung in

besonders zu fördernde oder nicht ausdrücklich zu unter­stützende Disziplinen.Wenn man im Schwimmen 89 Me­daillen gewinnen kann, so Teichler die damalige Rech­nung nachvollziehend,macht es betriebswirtschaftlich keinen Sinn, 30 Prozent der knappen Schwimmhallenfläche den Wasserballern zu opfern, die nur eine Medaille gewinnen können. Unter den Erfolgs-Faktoren des damaligen Leistungssport­systems heben die Experten beispielsweise die Arbeit in den 1700 bis 1800 Trainingszen­tren, ein außerordentlich ef­fektives Auslese- und Förder­programm im Nachwuchsbe­reich oder den Aufbau von Kinder- und Jugendsportschu­len mit Internaten seit Ende der 50er Jahre hervor. Auch wissen sie um den Anteil der Sportwissenschaft,-medizin, Fortsetzung Seite 24

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