Heft 
(1.1.2019) 09
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PUTZ 9/99

Absolventen

Das Arbeitsamt ruft nicht an!

Ehemaliger in Washington bei der Weltbank

Er wurde in Frankenberg bei Chemnitz geboren, studierte in Potsdam Politikwissen­schaft und arbeitet seit ei­nem Jahr bei der Weltbank in Washington. Die Rede ist von demEhemaligen Ralf Leiteritz. Mit dem 28-Jähri­gen unterhielt sich PUTZ­Redakteurin Dr. Barbara Eckardt über seinen Werde­gang, das Leben in der Ferne und seine Empfehlungen an heute Studierende.

PUTZ: Von Frankenberg über Potsdam nach Washington das ist nicht unbedingt ein all­täglicher Lebensweg. Wie kam es dazu?

Leiteritz: Ich habe 1990 mit dem Studium der Politikwis­senschaft in Potsdam begon­nen. Anschließend absolvierte ich an der Johns Hopkins Uni­versity in Bologna und Was­hington ein zweijähriges Auf­baustudiumInternational Re­lations. Zu Beginn meines letzten Semesters arbeitete ich dann bereits als Konsultant bei der Weltbank. In Amerika gibt es an den Universitäten Büros, die sich um die Vermittlung von Jobs für Studierende küm­mern. Viel funktioniert aber auch über Kontakte zu den Ehemaligen. Ich war an ei­ner Tätigkeit im Forschungs­bereich in Washington interes­siert. Deshalb versuchte ich, deutsche Absolventen aufzu­spüren, die in diesem Bereich bereits arbeiteten. Auf diesem Wege erhielt ich das Angebot, nach Abschluß meines Studi­ums als Konsultant bei der Weltbank anzufangen. Das war im Mai 1999.

PUTZ: Das heißt, man muss sich ein persönliches Netzwerk aufbauen.

Leiteritz: Das ist ganz wichtig. Man darf sich nicht scheuen, Menschen anzusprechen, die einen ähnlichen Lebensweg beschritten haben, wie man selbst. Man muß lernen, aktiv zu werden und darf nicht glau­ben, dass das Arbeitsamt anruft und einen Job anbietet. PUTZ: Wie nahm. man Sie denn in Washington auf?

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Keiteritz: Ich habe schon 1994/1995 als Austauschstu­dent der Universität Potsdam an der Duke University ein Auslandsjahr verbracht. Das heißt, mir waren der amerika­nische Studienbetrieb, die dor­tige Kultur und Lebens-weise

Knüpfte schon während des Studi­ums enge Kontakte, um seine Be­rufsvorstellungen zu verwirklichen: Ralf Leiteritz. Foto: privat

nicht unbekannt. Insofern stellte es für mich kein wirklich neues Terrain dar. Die Kolle­gen haben Interesse an meiner Lebensgeschichte, ich erfahre keine Intoleranz.

PUTZ: Welches sind in Was­hington jetzt Ihre Aufgaben­felder?

Leiteritz: Die Mission der Weltbank ist es, Armut zu re­duzieren. Es wurden bisher Projekte gefördert, die auf ein Land fokussiert. sind, so der Bau einer Wasserleitung in Ni­geria oder einer Brücke in Ruanda. Zukünftig sollen je­doch stärker Programme ent­wickelt werden, die mehrere Länder betreffen. Meine Auf­gabe besteht darin, strategi­sche Arbeit für die Weltbank zu leisten. Ich überlege mir zu­sammen mit Kollegen, wo sich die Weltbank strategisch im nächsten Jahrhundert positio­niert.

PUTZ: Ihre Entscheidung, nach dem Studium der Poli­tikwissenschaft in Potsdam ein Aufbaustudium in Amerika aufzunehmen, resultierte ganz sicher! nicht daraus, in. die

Ferne schweifen zu wollen. Warum faßten sie diesen Ent­schluß?

Leiteritz: Ich sah in Deutsch­land für mich keine Berufsper­spektive, die mich befriedigt hätte. Ich wollte keine art­fremde Tätigkeit, also einen Job, der nichts mit meinem Studium zu tun hat, ausüben, wie ich es bei vielen meiner Kommilitonen erlebte. Des­halb bemühte ich mich nach meinem Studium in Potsdam um eine Qualifikationsmög­lichkeit im ökonomischen und juristischen Bereich. Wichtig war mir der Abschluß einer amerikanischen Uni.

PUTZ: Schaut man Ihren Werdegang an, so fällt auf, daß Sie sehr zielgerichtet vorgin­gen. Wie soll es in Zukunft be­ruflich weitergehen?

PUTZ: Mein Vertrag bei der.

Weltbank ist gerade bis Früh­jahr nächsten Jahres verlängert worden. Ich möchte gerne fest bei der Weltbank arbeiten. Mir schwebt vor, an operationellen, praktischen Projekten mitzuar­beiten, um mich auf diesem Gebiet auszutesten und dann mit diesem Hintergrund bei der Weltbank Karriere zu ma­chen.

PUTZ: Gibt es trotz der rä­umlichen Trennung noch Kontakte zur Universität Pots­dam?

Leiteritz: Meine Kontakte be­schränken sich eigentlich auf Verbindungen zu ehemaligen Kommilitonen. Wenn ich nach Deutschland komme, so zwei­mal im Jahr, treffe ich. mich aber auch mit meinen ehemali­gen Professoren aus der Wirt­schafts- und_Sozialwissen­schaftlichen Fakultät.

PUTZ: Wie sollte man Ihrer Meinung nach studieren, um bereits während des Studiums die Grundlagen für einen er­folgreichen Berufseinstieg zu schaffen?

Leiteritz: Man muß wissen, warum man dieses und kein anderes Fach studieren will. Das schließt aus, einMode­fach zu studieren, weil es ge­radein ist. Es ist auch wenig

sinnvoll, ein Studium anzufan­gen, um es an sich zu ge­nießen. Man muß schon später damit auch etwas anfangen wollen. Wenn man sich das klar gemacht hat, kann man sehr viel zielgerichteter denken. Man sollte sich überlegen, wo ist meine Nische, wo habe ich Stärken und Schwächen und sich dann in verschiedenen Be­reichen aus-testen. Praktika im journa-listischen oder Marke­tingbereich sind beispielsweise sehr zu empfehlen. Dann muß man sich ein persönliches Netzwerk aufbauen, und darf sich nicht scheuen, diese Kon­takte zu nutzen, wenn es um die Stellensuche geht.

PUTZ: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Wer Kontakte zu Ralf Leiteritz knüpfen möchte, wende sich an: The World Bank, Corporate Strategy Group, MC8­795B1818 H Street, N. W., Washington, D.C. 20433, USA Tel.: 001-202-473-1773, Fax: 001-202-522-2042, E-mail: rleiteritz@worldbank.org

Berufsplanung

Der Bedarf an Management­Nachwuchskräften ist groß, die Berufschancen sind daher gut. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten für Wirt­schaftsakademiker ist es rat­sam, sich rechtzeitig auf die angestrebten Ziele auszurich­ten. Informationsquellen sind also gefragt. Zum Klassiker entwickelte sich inzwischen der sogenannte Staufenbiel. Das BuchBerufsplanung für den Management-Nach­wuchs erschien gerade in der 20. Auflage. Die Jubiläumsaus­gabe informiert unter anderem über Arbeitsmarkt und Berufs­planung, Selbständigkeit, be­rufsbezogene Studienplanung, sowie Aus- und Weiterbildung. Buch gibt es im Internet unter http: //www.staufenbiel.de. PUTZ

Joerg E. Staufenbiel, Berufs­planung für den Manage­ment-Nachwuchs, Staufen­biel Institut für Studien­und Berufsplanung, Köln 1999, 616 Seiten, 26,80 DM.