PUTZ 9/99
Absolventen
Das Arbeitsamt ruft nicht an!
„Ehemaliger“ in Washington bei der Weltbank
Er wurde in Frankenberg bei Chemnitz geboren, studierte in Potsdam Politikwissenschaft und arbeitet seit einem Jahr bei der Weltbank in Washington. Die Rede ist von dem„Ehemaligen“ Ralf Leiteritz. Mit dem 28-Jährigen unterhielt sich PUTZRedakteurin Dr. Barbara Eckardt über seinen Werdegang, das Leben in der Ferne und seine Empfehlungen an heute Studierende.
PUTZ: Von Frankenberg über Potsdam nach Washington— das ist nicht unbedingt ein alltäglicher Lebensweg. Wie kam es dazu?
Leiteritz: Ich habe 1990 mit dem Studium der Politikwissenschaft in Potsdam begonnen. Anschließend absolvierte ich an der Johns Hopkins University in Bologna und Washington ein zweijähriges Aufbaustudium„International Relations”. Zu Beginn meines letzten Semesters arbeitete ich dann bereits als Konsultant bei der Weltbank. In Amerika gibt es an den Universitäten Büros, die sich um die Vermittlung von Jobs für Studierende kümmern. Viel funktioniert aber auch über Kontakte zu den „Ehemaligen”. Ich war an einer Tätigkeit im Forschungsbereich in Washington interessiert. Deshalb versuchte ich, deutsche Absolventen aufzuspüren, die in diesem Bereich bereits arbeiteten. Auf diesem Wege erhielt ich das Angebot, nach Abschluß meines Studiums als Konsultant bei der Weltbank anzufangen. Das war im Mai 1999.
PUTZ: Das heißt, man muss sich ein persönliches Netzwerk aufbauen.
Leiteritz: Das ist ganz wichtig. Man darf sich nicht scheuen, Menschen anzusprechen, die einen ähnlichen Lebensweg beschritten haben, wie man selbst. Man muß lernen, aktiv zu werden und darf nicht glauben, dass das Arbeitsamt anruft und einen Job anbietet. PUTZ: Wie nahm. man Sie denn in Washington auf?
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Keiteritz: Ich habe schon 1994/1995 als Austauschstudent der Universität Potsdam an der Duke University ein Auslandsjahr verbracht. Das heißt, mir waren der amerikanische Studienbetrieb, die dortige Kultur und Lebens-weise
Knüpfte schon während des Studiums enge Kontakte, um seine Berufsvorstellungen zu verwirklichen: Ralf Leiteritz. Foto: privat
nicht unbekannt. Insofern stellte es für mich kein wirklich neues Terrain dar. Die Kollegen haben Interesse an meiner Lebensgeschichte, ich erfahre keine Intoleranz.
PUTZ: Welches sind in Washington jetzt Ihre Aufgabenfelder?
Leiteritz: Die Mission der Weltbank ist es, Armut zu reduzieren. Es wurden bisher Projekte gefördert, die auf ein Land fokussiert. sind, so der Bau einer Wasserleitung in Nigeria oder einer Brücke in Ruanda. Zukünftig sollen jedoch stärker Programme entwickelt werden, die mehrere Länder betreffen. Meine Aufgabe besteht darin, strategische Arbeit für die Weltbank zu leisten. Ich überlege mir zusammen mit Kollegen, wo sich die Weltbank strategisch im nächsten Jahrhundert positioniert.
PUTZ: Ihre Entscheidung, nach dem Studium der Politikwissenschaft in Potsdam ein Aufbaustudium in Amerika aufzunehmen, resultierte ganz sicher‘! nicht daraus, in. die
Ferne schweifen zu wollen. Warum faßten sie diesen Entschluß?
Leiteritz: Ich sah in Deutschland für mich keine Berufsperspektive, die mich befriedigt hätte. Ich wollte keine artfremde Tätigkeit, also einen Job, der nichts mit meinem Studium zu tun hat, ausüben, wie ich es bei vielen meiner Kommilitonen erlebte. Deshalb bemühte ich mich nach meinem Studium in Potsdam um eine Qualifikationsmöglichkeit im ökonomischen und juristischen Bereich. Wichtig war‘ mir der Abschluß einer amerikanischen Uni.
PUTZ: Schaut man Ihren Werdegang an, so fällt auf, daß Sie sehr zielgerichtet vorgingen. Wie soll es in Zukunft beruflich weitergehen?
PUTZ: Mein Vertrag bei der.
Weltbank ist gerade bis Frühjahr nächsten Jahres verlängert worden. Ich möchte gerne fest bei der Weltbank arbeiten. Mir schwebt vor, an operationellen, praktischen Projekten mitzuarbeiten, um mich auf diesem Gebiet auszutesten und dann mit diesem Hintergrund bei der Weltbank Karriere zu machen.
PUTZ: Gibt es trotz der räumlichen Trennung noch Kontakte zur Universität Potsdam?
Leiteritz: Meine Kontakte beschränken sich eigentlich auf Verbindungen zu ehemaligen Kommilitonen. Wenn ich nach Deutschland komme, so zweimal im Jahr, treffe ich. mich aber auch mit meinen ehemaligen Professoren aus der Wirtschafts- und_Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
PUTZ: Wie sollte man Ihrer Meinung nach studieren, um bereits während des Studiums die Grundlagen für einen erfolgreichen Berufseinstieg zu schaffen?
Leiteritz: Man muß wissen, warum man dieses und kein anderes Fach studieren will. Das schließt aus, ein„Modefach” zu studieren, weil es gerade„in” ist. Es ist auch wenig
sinnvoll, ein Studium anzufangen, um es an sich zu genießen. Man muß schon später damit auch etwas anfangen wollen. Wenn man sich das klar gemacht hat, kann man sehr viel zielgerichteter denken. Man sollte sich überlegen, wo ist meine Nische, wo habe ich Stärken und Schwächen und sich dann in verschiedenen Bereichen aus-testen. Praktika im journa-listischen oder Marketingbereich sind beispielsweise sehr zu empfehlen. Dann muß man sich ein persönliches Netzwerk aufbauen, und darf sich nicht scheuen, diese Kontakte zu nutzen, wenn es um die Stellensuche geht.
PUTZ: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Wer Kontakte zu Ralf Leiteritz knüpfen möchte, wende sich an: The World Bank, Corporate Strategy Group, MC8795B1818 H Street, N. W., Washington, D.C. 20433, USA Tel.: 001-202-473-1773, Fax: 001-202-522-2042, E-mail: rleiteritz@worldbank.org
Berufsplanung
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Joerg E. Staufenbiel, Berufsplanung für den Management-Nachwuchs, Staufenbiel Institut für Studienund Berufsplanung, Köln 1999, 616 Seiten, 26,80 DM.