Heft 
(1.1.2019) 01
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Titel

PUTZ 1-2/00

Dr. Uta Sandig, In­stitut für Germanistik Es ist derzeit in Mode ge- kommen, dass Institu­tionen sich ein Leitbild geben. Was Mode ist, muss nicht notwendiger­weise läppisch sein. Für unsere Universität, die in gewisser Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt ist, macht es Sinn, einen Diskurs darüber zu führen, wie sie zu unverwechselbaren Zü­gen kommt, anders gesagt: auf welche Weise Bewahrenswertes aufgehoben und innovative Potentiale gestärkt werden können. Unabdingbar ist, dass sich alle Statusgruppen mit ih-

Monika Stein,

Gleichstel­lungsbeauf­tragte

Ich verbinde mit der Leit­bilddiskus­sion auch, dass die Universität Potsdam die Herstellung von Chancengleichheit für Frauen und Männer als Leitbild über­nimmt und eine Gleichstel­lungspolitik betreibt, die dem Grundsatz verpflichtet ist, dass Qualitätsverbesserung ohne

Manfred Görtema- ker, Profes­sor für Neuere Ge­schichte I Eine Leit­

bilddiskus­sion über die Zukunft unserer Universität ist längst überfällig. Wenn wir an­gesichts drastischer Spar­zwänge ein Mindestmaß an Entscheidungsfreiheit zurück­gewinnen wollen, anstatt wei­terhin phantasielos in allen Be­reichen linear zu kürzen, brau­chen wir eine klare Vorstellung über Schwerpunkte und Prio­ritäten. Dabei müssen wir uns der Tatsache bewusst sein, dass die Potsdamer Universität im Verhältnis zu den mächtigen Berliner Konkurrenten auf

rer Sicht der Dinge in den Dis­kurs einbringen.

Als Vertreterin des akademi­schen Mittelbaus wird es mir besonders am Herzen liegen, die Vorzüge eines hohen En­gagements im Bereich der Lehre und Studentenbetreu­ung zu thematisieren. Das Credo einer hochschuldidak- tisch fundierten Vermittlungs­kompetenz, verbunden mit ei­ner respektablen Beteiligung an Forschungsvorhaben, wie es von der Mehrheit der akademi­schen Mitarbeiter hochgehal­ten wird, hat dieser Uni einen Sympathiebonus eingebracht, der ausbaufähig und -würdig ist. Als ein besonderes Be­währungsfeld für dieses Credo sehe ich die lehrerbildenden Studiengänge an.

Frauenförderung nicht mach­bar ist.

Ziel der Gleichstellungspolitik an der Universität muss es sein, Chancengleichheit als Quer­schnittsaufgabe und durchgän­giges Leitprinzip in möglichst allen Aufgabenbereichen als handlungsleitendes Prinzip durchzusetzen. Eine Univer­sität mit dem LeitbildChan­cengleichheitist für mich dann auch eine moderne Uni­versität, in der es möglich und erwünscht ist, dass Frauen auf allen universitären Ebenen ak­tive Mitgestalterinnen sind.

Dauer nur dann eine Chance hat, erfolgreich als eigenstän­dige Einrichtung zu bestehen, wenn sie sich durch ein beson­ders attraktives Profil auszeich­net, das nur aus Leistung und Originalität erwächst. Exzel­lenz in der Forschung und in­novative Studiengänge in der Lehre - bei einem Höchstmaß an institutioneller Flexibilität durch Zusammenarbeit mit außeruniversitären Zentren und neue Finanzierungsmög­lichkeiten - sind die beste Ga­rantie für Zukunftsfähigkeit. Allerdings darf die Kehrseite dabei nicht verschwiegen wer­den: Eine nüchterne Bestands­aufnahme und der Wille zur Schwerpunktsetzung erfordert auch den Mut zu Streichungen in Bereichen, die den Maßstä­ben nicht genügen.

Joachim Gessinger,

Professor für Ge­

schichte der deutschen Sprache Klein & fein sollte sie sein. Was den ersten Teil dieses Leitbildes anlangt, hat ihn die Landesregierung dankens­werterweise schon ohne uns und zukunftssicher umgesetzt. Bleibtfein, das man be­kanntlich nicht dadurch wird, dass man sich dafür hält. Wenn wir also mehr wollen als den Primat der Kleinheit zu errin­gen, sollten wir uns den Kon­text anschauen, in dem unser HausUniversität Potsdam steht: Eine dichte Kulturland­schaft, in die gleich mehrere Traditionen deutscher Ge­schichte eingeschrieben sind, eine Konzentration von alten und neuen außeruniversitären Forschungseinrichtungen im engeren Umfeld und der me- tropolitane Verflechtungsraum Berlin-Brandenburg. Das Haus soll zugleich Brüche über­bauen, die aus den unter­schiedlichen Entwicklungen in der jüngeren deutschen Ge­schichte herrühren. Wer über diese Bedingungen nachdenkt, wird zum Ergebnis kommen, dass einige der gehandelten Konzepte unpassend, nicht zu­kunftssicher oder auch nur ängstlich sind: Ob Verschlan- kung (Exzellenz-Zentren), Eindickung auf eine lehrerbil­dende Anstalt oder Ausdün­nung zum Berlin-komple­mentären Lückenfuller - all diese Reduktionskonzepte stel­len Kernelemente zur Disposi­tion, die sich in den zum Kli­schee verkommenen klassi-

Frank Rich- arz, Student P h i l o s o - phie, Öf­fentliches Recht,

Volkswirt­schaftslehre,

O-Ton im Deutschlandfunk, gesendet am 13. Januar 2000 Ich glaube, dass das eine Scheindebatte werden wird, dass von offizieller Seite mit

sehen und modernen Leitbil­dern - Universitas litterarum und Inter-/Transdiszipli-na- rität - dennoch finden.

Ein kleines Haus macht man dadurch groß, dass man Türen und Fenster öffnet, will sagen: Wenn es uns gelingt, die Viel­falt und Qualität von Lehre und Forschung, die sich vor unserer Haustür findet, herein­zuholen, braucht uns um un­sere Kleinheit nicht bange zu sein. Vernetzung auf diszi­plinärer Ebene also, gemein­same, auf die unterschiedlichen Schwerpunkte abgestimmte Studienangebote, Studi­

engänge und Forschungspro­jekte mit anderen Hochschu­len. Damit dies nicht unter der Hand als Spar- oder Auflösung betrieben werden kann, braucht es Planungssicherheit in Brandenburg und Berlin und hinreichend weit gefasste staatliche Rahmenvereinbarun­gen und Handlungsmöglich­keiten der Hochschulen. Die Attraktivität des HausesUni­versität Potsdam setzt auf eine hinreichende fachliche Breite, in der gerade auch die kleinen Fächer Kerne hoch- schulinterner und hochschulti- bergreifender Kooperation und Vernetzung bilden, setzt darauf, dass die kulturhistori­sche Sättigung der Region in das Profil des Lehr- und For­schungsangebots eingebaut wird und dass mit eigenständi­gen Forschungsperspektiven und mit den Absolventen der Universität das Gesamtbild ei­ner wissenschaftlich hoch an­gereicherten Region entschei­dend bestimmt wird. Daraus könnte dann am Ende zwar kein zweitessans soucis wer­den, aber immerhin ein offenes nouveau palais des Sciences.

dieser Leitbilddiskussion dem Ganzen nur ein besserer Touch gegeben werden soll, nämlich, dass man in Wirklichkeit in den Hochschulen spart und kein Konzept hat und durch straf­fere Leitungsstrukturen und Entmachtung der Studieren­den es schaffen will, dass die Studierenden sich nicht so sehr aufregen darüber, dass sie im­mer weniger die Möglichkeit haben, wirklich Zugang zu Bil­dung zu haben.

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