Heft 
(1.1.2019) 01
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Titel

Uni soll Profil schärfen

Wozu ein Leitbild?

Prof. Dr.

Reimund

Gerhard- j Multhaupt,

Professor für Ange- wandte Physik kon­densierter Materie Die Diskussion um das Leit­bild und ihr Ergebnis können uns meines Erachtens dabei helfen, trotz der zunehmenden Einschränkungen und der un­vermeidbaren Routine etwas von der Aufbruchstimmung beizubehalten, die immer noch einer der Vorzüge unserer Uni ist. Aus meiner Sicht wäre es dabei fatal, wenn wir uns nur auf das derzeit Machbare be­schränken und damit eher ein Leidbild als ein Leitbild ent­werfen. Stattdessen sollte das sinnvoll Wünschbare im Vor­dergrund stehen, damit wir nicht etwa ein Fach schließen, für das großer Bedarf besteht und das wenige Monate später durch einen großzügigen Sponsor einen unerwarteten Aufschwung nimmt. Ich hoffe, dass wir uns trauen, eine sinn­volle und großzügige Vision zu entwickeln, auch wenn de­ren Realisierung im Moment sehr schwierig erscheint. Ge­rade die außeruniversitäre For­schungslandschaft um uns herum zeigt uns, was entste­hen kann, wenn beharrlich Vi­sionen umgesetzt werden. Von diesem Beispiel sollte sich die Universität Potsdam noch viel stärker anstecken lassen.

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ic. h f i r r

Der Wissenschaftsrat, das Beratergremium der Bundes­und Länderregierungen zu Fragen von Wissenschaft und Forschung, hat Ende Ja­nuar 2000 die Ergebnisse der im Dezember 1998 er­folgten Begutachtung der Philosophischen Fakultäten I und II, der Juristischen so­wie der Wirtschafts- und So­zialwissenschaftlichen Fakul­tät der Universität Potsdam vorgelegt.

Insgesamt würdigt der Wissen­schaftsrat die Aufbauleistun­gen der erst 1991 gegründeten Universität und bewertet sie in ihrem Ausbaustand weitge­hend positiv. Der Wissen­schaftsrat kritisiert jedoch das Land Brandenburg, das dem Bereich Forschung und Lehre deutlichere Priorität im Rah­men der Landespolitik zuer­kennen müsste. Keinesfalls dürfe der im Hochschulent­wicklungsplan des Landes vor­gesehene Gesamtrahmen für die Hochschulen weiter abge­senkt werden, da sonst eine Unterausstattung in sämtli­chen Fächern drohe. Die Hochschule müsse auch nach 2001 Planungssicherheit erhal­ten, wenn sie berufungsfähig, drittmittelfähig und hand­lungsfähig gehalten werden solle.

An die Hochschule gerichtet, fordert der Wissenschaftsrat die Uni auf, ihr Profil zu schär­fen und attraktiv ausgestattete Schwerpunkte zu schaffen. Zu­gleich gibt der Wissenschafts­rat konkrete Hinweise, wo sie das Studienangebot auf der Grundlage von 190 Professu­ren straffen solle. So fordert das Gutachtergremium eine durchgreifende Reform der Ju­ristischen Fakultät mit dem Ziel, Kapazitäten für interdis­ziplinäre Aktivitäten vor allem im ProfilbereichWirtschaft - Institutionen - Verwaltung freizusetzen. Die Wirtschafts­und Sozialwissenschaftliche Fakultät sollte ihre Kräfte ebenso auf diesen Profilbereich konzentrieren. Den Studien­gang Soziologie empfiehlt der

Wissenschaftsrat einzustellen. Die Fortführung des Studien­ganges Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Rich­tung und des Diplomstudien­ganges Volkswirtschaftslehre soll einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

Ferner spricht sich der Wissen­schaftsrat dafür aus, die Lehrerbildung als eigenen Pro­filbereich zu führen. Die fach­lichen Fundamente des Pots­damer Modells der Lehrerbil­dung sollten aber durch Auf-

Der Wissenschaftsrat spricht sich dafür aus, attraktive Schwerpunkte an der Uni Potsdam zu schaffen.

Foto: Fritze

gäbe einzelner Grundschul­fächer, der Sonderpädagogik und der Beruflichen Bildung gestärkt werden. Die Univer­sität Potsdam wird schließlich weiterhin gebeten zu erwägen, ob eine Vereinigung der bisher zwei Philosophischen Fakultä­ten zu einer Fakultät nicht deutliche Vorteile für die Or­ganisation der Lehrerbildung und für Kooperationsbezie­hungen zwischen der Lingui­stik und den Sprachwissen­schaften mit sich bringen würde.

Positiv bewertet werden darü­ber hinaus die Kognitionswis­senschaften. Daneben erkennt der Wissenschaftsrat Ausbau­potentiale in den Medienwis­senschaften.

Uni-Rektor Prof. Dr. Wolf­

gang Loschelder hat sich in ei­ner ersten Stellungnahme zum Gutachten erfreut über die Unterstützung geäußert, die mit der Stellungnahme der Universität Potsdam zuteil wird:Mit den Evaluierungs­ergebnissen über unsere Fakul täten haben wir nun ein Papier in der Hand, das der Univer­sität sachkundigen Rat für die weitere Entwicklung gibt. Wir werden dieses in unsere erst kürzlich initiierte Diskussion um die Neubestimmung unse­res Selbstverständnisses (Leit­bild) einbringen und ich denke, dass die von einer ex­ternen Expertengruppe er­stellte Stellungnahme für uns eine wichtige Hilfe im Diskus­sionsprozeß um die weitere Entwicklung der Universität Potsdam als Ganzes sein wird.

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Erneute Amtszeit

Bundespräsident Johannes Rau hat Prof. Dr. Helene Harth, Professorin für Ro­manische Literaturwissen­schaft an der Universität Potsdam, für eine erneute dreijährige Amtszeit in den Wissenschaftsrat berufen.

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Neue

Studienstrukturen

Der Wissenschaftsrat hat eine Empfehlung zur Ein­führung neuer Studienstruk­turen und -abschlüsse ver­abschiedet. Er empfiehlt ein mindestens drei- und höch­stens vierjähriges grundstän­diges Studium mit dem be­rufsqualifizierenden Ab­schluß Bakkalaureus oder Bachelor. Daran ansch­ließend können Studienpro­gramme von mindestens ein- und höchstens zweijähriger Dauer folgen, die mit dem Magister oder Mastergrad abschließen. Besonders qua­lifizierte Bachelorabsolven­ten soll die Möglichkeit der direkten Aufnahme in ein Promotionsstudium auf der Grundlage von Aufnahme­verfahren offen stehen.

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