PUTZ 1-2/00
Titel
Uni soll Profil schärfen
Wozu ein Leitbild?
Prof. Dr.
Reimund
Gerhard- j ■ Multhaupt,
Professor für Ange- wandte Physik kondensierter Materie Die Diskussion um das Leitbild und ihr Ergebnis können uns meines Erachtens dabei helfen, trotz der zunehmenden Einschränkungen und der unvermeidbaren Routine etwas von der Aufbruchstimmung beizubehalten, die immer noch einer der Vorzüge unserer Uni ist. Aus meiner Sicht wäre es dabei fatal, wenn wir uns nur auf das derzeit Machbare beschränken und damit eher ein Leidbild als ein Leitbild entwerfen. Stattdessen sollte das sinnvoll Wünschbare im Vordergrund stehen, damit wir nicht etwa ein Fach schließen, für das großer Bedarf besteht und das wenige Monate später durch einen großzügigen Sponsor einen unerwarteten Aufschwung nimmt. Ich hoffe, dass wir uns trauen, eine sinnvolle und großzügige Vision zu entwickeln, auch wenn deren Realisierung im Moment sehr schwierig erscheint. Gerade die außeruniversitäre Forschungslandschaft um uns herum zeigt uns, was entstehen kann, wenn beharrlich Visionen umgesetzt werden. Von diesem Beispiel sollte sich die Universität Potsdam noch viel stärker anstecken lassen.
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ic. h f i r r
Der Wissenschaftsrat, das Beratergremium der Bundesund Länderregierungen zu Fragen von Wissenschaft und Forschung, hat Ende Januar 2000 die Ergebnisse der im Dezember 1998 erfolgten Begutachtung der Philosophischen Fakultäten I und II, der Juristischen sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam vorgelegt.
Insgesamt würdigt der Wissenschaftsrat die Aufbauleistungen der erst 1991 gegründeten Universität und bewertet sie in ihrem Ausbaustand weitgehend positiv. Der Wissenschaftsrat kritisiert jedoch das Land Brandenburg, das dem Bereich Forschung und Lehre deutlichere Priorität im Rahmen der Landespolitik zuerkennen müsste. Keinesfalls dürfe der im Hochschulentwicklungsplan des Landes vorgesehene Gesamtrahmen für die Hochschulen weiter abgesenkt werden, da sonst eine Unterausstattung in sämtlichen Fächern drohe. Die Hochschule müsse auch nach 2001 Planungssicherheit erhalten, wenn sie berufungsfähig, drittmittelfähig und handlungsfähig gehalten werden solle.
An die Hochschule gerichtet, fordert der Wissenschaftsrat die Uni auf, ihr Profil zu schärfen und attraktiv ausgestattete Schwerpunkte zu schaffen. Zugleich gibt der Wissenschaftsrat konkrete Hinweise, wo sie das Studienangebot auf der Grundlage von 190 Professuren straffen solle. So fordert das Gutachtergremium eine durchgreifende Reform der Juristischen Fakultät mit dem Ziel, Kapazitäten für interdisziplinäre Aktivitäten vor allem im Profilbereich „Wirtschaft - Institutionen - Verwaltung“ freizusetzen. Die Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliche Fakultät sollte ihre Kräfte ebenso auf diesen Profilbereich konzentrieren. Den Studiengang Soziologie empfiehlt der
Wissenschaftsrat einzustellen. Die Fortführung des Studienganges Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung und des Diplomstudienganges Volkswirtschaftslehre soll einer kritischen Prüfung unterzogen werden.
Ferner spricht sich der Wissenschaftsrat dafür aus, die Lehrerbildung als eigenen Profilbereich zu führen. Die fachlichen Fundamente des Potsdamer Modells der Lehrerbildung sollten aber durch Auf-
Der Wissenschaftsrat spricht sich dafür aus, attraktive Schwerpunkte an der Uni Potsdam zu schaffen.
Foto: Fritze
gäbe einzelner Grundschulfächer, der Sonderpädagogik und der Beruflichen Bildung gestärkt werden. Die Universität Potsdam wird schließlich weiterhin gebeten zu erwägen, ob eine Vereinigung der bisher zwei Philosophischen Fakultäten zu einer Fakultät nicht deutliche Vorteile für die Organisation der Lehrerbildung und für Kooperationsbeziehungen zwischen der Linguistik und den Sprachwissenschaften mit sich bringen würde.
Positiv bewertet werden darüber hinaus die Kognitionswissenschaften. Daneben erkennt der Wissenschaftsrat Ausbaupotentiale in den Medienwissenschaften.
Uni-Rektor Prof. Dr. Wolf
gang Loschelder hat sich in einer ersten Stellungnahme zum Gutachten erfreut über die Unterstützung geäußert, die mit der Stellungnahme der Universität Potsdam zuteil wird: „Mit den Evaluierungsergebnissen über unsere Fakul täten haben wir nun ein Papier in der Hand, das der Universität sachkundigen Rat für die weitere Entwicklung gibt. Wir werden dieses in unsere erst kürzlich initiierte Diskussion um die Neubestimmung unseres Selbstverständnisses (Leitbild) einbringen und ich denke, dass die von einer externen Expertengruppe erstellte Stellungnahme für uns eine wichtige Hilfe im Diskussionsprozeß um die weitere Entwicklung der Universität Potsdam als Ganzes sein wird.“
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Erneute Amtszeit
Bundespräsident Johannes Rau hat Prof. Dr. Helene Harth, Professorin für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität Potsdam, für eine erneute dreijährige Amtszeit in den Wissenschaftsrat berufen.
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Neue
Studienstrukturen
Der Wissenschaftsrat hat eine Empfehlung zur Einführung neuer Studienstrukturen und -abschlüsse verabschiedet. Er empfiehlt ein mindestens drei- und höchstens vierjähriges grundständiges Studium mit dem berufsqualifizierenden Abschluß Bakkalaureus oder Bachelor. Daran anschließend können Studienprogramme von mindestens ein- und höchstens zweijähriger Dauer folgen, die mit dem Magister oder Mastergrad abschließen. Besonders qualifizierte Bachelorabsolventen soll die Möglichkeit der direkten Aufnahme in ein Promotionsstudium auf der Grundlage von Aufnahmeverfahren offen stehen.
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