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Campus
Fit für den Wettbewerb
Geowissenschaftler setzen auf Interdisziplinarität
Die menschliche Gemeinschaft scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Gibt es keine Kriege, sorgen Naturkatastrophen für Unheil. Ob schwere Erdbeben, ausbrechende Vulkane, Hochwasser, schlimme Bergstürze oder rasche Klimawechsel, die Folgen sind oftmals verheerend. Bei der Bewältigung der mit jenen Ereignissen verbundenen theoretischen Problemstellungen sind heute stärker denn je Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gefragt. Insbesondere aber müssen Geologen, Geophysiker und Mineralogen Antworten auf drängende Fragen der Zeit finden. Ausgebildet werden sie in Deutschland an zahlreichen Universitäten klassischen Zuschnitts, so auch in Potsdam.
Doch in der brandenburgi- schen Landeshauptstadt geht man dabei einen anderen Weg als üblich. Es gibt eine gemeinsame geowissenschaftli- che Grundausbildung, die die Mathematik ebenso beinhaltet wie die Physik. Am Ende des sich anschließenden Hauptstudiums erhalten die Studierenden je nach gewählter Schwerpunktsetzung den Abschluss als Diplom-Geologe, -Mineraloge oder -Geophysiker. „Diese Konstellation ist in Deutschland fast einmalig. Nur Jena bietet Ähnliches“, betont Prof. Dr. Frank Scherbaum vom Uni-Institut für Geowissenschaften.
Grund für derartigen „Eigensinn“ seien Entwicklungen, die sich heute in der Praxis klar abzeichneten. So könne zum Beispiel ein zu untersuchendes Detail aus der Gebirgsbildung längst nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern nur im Kontext aller drei Disziplinen. Das erfordere eine breite Grundausbildung und die Vernetzung der einzelnen Gebiete in der Lehre.
Neueinschreibungen
steigen
Nutznießer derart angelegten
Studiums sind die Studierenden. Und die kommen zunehmend an das Institut. Allein zum jetzigen Wintersemester haben sich 75 junge Leute neu eingeschrieben. Seit 1997 (20 Immatrikulierte) bedeute dies nach Ansicht Scherbaums einen nahezu explosionsartigen Anstieg des Zuspruchs. „Wenn das anhält, muss die Uni reagieren“, schätzt Prof. Roland Oberhänsli, Dekan der
Mathematisch-Naturwissen- schaftlichen Fakultät, die Lage ein. Noch allerdings sei es nicht soweit.
Fachleute mit Weitblick
Dass die Abiturienten verstärkt nach Potsdam-Golm kommen, ist kein Zufall. Das hier vermittelte Breitenwissen reizt. Daran wollen auch künftig die Mitarbeiter des Lehrkörpers nicht rütteln. Ihr Anliegen: keine Spezialisten um jeden Preis, sondern Fachleute mit
Weitblick. Eine Konsequenz aus den rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. „Heute müssen Absolventen viel Flexibilität mitbringen, um im Wettbewerb bestehen zu können“, unterstreicht Oberhänsli in diesem Zusammenhang. Ihre späteren Einsatzfelder stellen vor allem umweltrelevante Bereiche, auch Behörden, Energiefirmen, Versicherungen, Forschungseinrich
tungen oder Unis dar. Je nach Arbeitsgebiet befassen sie sich dann beispielsweise mit der Aufspürung von Ressourcen des Wassers, der Energie, dem Schutz vor Hochwasser, der Sicherung von Deponien, der Entstehung von Gebirgen und Ozeanbecken, Entwicklungsvorgängen der Erde unter paläo-ökologischen Gesichtspunkten sowie vielem anderen.
Nicht nur graue Theorie
Bevor es aber soweit ist, gilt es,
außer theoretischem Wissen auch praktische Kenntnisse zu erwerben. Dabei helfen zwei Kartierkurse nach dem zweiten und vierten Semester, die neben anderen Geländeübungen wie Praktika in der vorlesungsfreien Zeit laufen. Verbunden sind sie häufig mit weiten Reisen. „Es sind jedesmal 800 km, bis man einen vernünftigen Stein sieht“, stellt Oberhänsli fest. Das Aufnehmen von Gesteinen, Kartieren von Deformationsstrukturen sei im Bran- denburgischen nicht möglich. Die kleinen Gruppen fahren in die Alpen oder das Vorland der Pyrenäen, Fortgeschrittene begeben sich nach Skandinavien, wo es die nächsten größeren, gut exponierten Aufschlüsse gibt.
Doch nicht nur in den Kursen, Praktika und Exkursionen schnuppern die Studenten Pra- xisluff. Beteiligt sind sie ebenfalls an zahlreichen Forschungsvorhaben des Instituts. „Sie arbeiten an allen Projek ten, egal ob im Pamirgebirge, auf Vulkanen oder in den Anden aktiv mit“, bestätigt Prof. Manfred Strecker.
Chancen des Standorts nutzen
Sowohl bei den Forschungsprojekten als auch in der Lehre und bei Diplomarbeiten setzt das Institut auf Kooperation mit anderen Einrichtungen. Auf festen Füßen steht deshalb die Zusammenarbeit mit dem GeoForschungsZentrum Potsdam, dem Alfred-Wegener-In- stitut für Polar- und Meeresforschung (Potsdam), der Freien Universität Berlin oder dem an die Humboldt-Universität zu Berlin angegliederten Museum für Naturkunde. Unter den Instituts-Mitarbeitern herrscht Einigkeit über den Vorteil dieser Rahmenbedingungen. „Ich hoffe, dass die Studenten auch wirklich die Chancen des Standortes nutzen, ihre Ausbildung so interdisziplinär wie möglich organisieren. Der Berlin-Potsdamer Raum schafft dafür alle Möglichkeiten“, sagt Strecker dazu fast beschwörend. Doch das muß er gar nicht. Seine „Schützlinge“ haben die Gunst der Stunde längst begriffen. P.G.
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Der Merapi gekört zu den aktivsten und risikoreichsten Vulkanen der Erde. Das Institut für Geowissenschaften ist an seiner Überwachung im Rahmen eines deutsch-indonesischen Gemeinschaftsvorhabens beteiligt.
Foto: Ohrnberger
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