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(1.1.2019) 01
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PUTZ 1-2/00

Campus

Bald vertragliche Bindungen

Potsdam und Kairo kooperieren

Seit Anfang 1999 arbeiten die Wirtschafts- und Sozial- wissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam und die Sadat-Academy for Ma­nagement Sciences in Kairo im Rahmen des vierjährigen ProgrammsFörderung von Partnerschaften mit Hoch­schulen in Entwicklungslän­dern des Deutschen Akade­mischen Austauschdienstes (DAAD) eng zusammen.

Der Aufnahme in dieses bun­desweit gefragte Programm war seit 1996 ein Professoren- und Dozentenaustausch zur Förderung von Forschung und Lehre vorangegangen. Pro­jektverantwortlicher von Pots­damer Seite ist Prof. Dr. Har­ald Fuhr, Professor für Inter­nationale Politik.

Es ist vorgesehen, die Koope­ration auch auf andere Fakultä­ten und Bereiche der Univer­sität Potsdam auszudehnen. Die Einbeziehung von Profes­soren der Juristischen Fakultät und die Mitarbeit von An­gehörigen der Zentralen Ein­richtung für Informationsver­arbeitung und Kommunika­tion (ZEIK) sind dafür der Be­ginn.

Beide Kooperationspartner vereinbarten im Frühjahr 1999 in Potsdam konkrete Schritte. Die künftige Zusammenarbeit

in den Bereichen von For­schung und Lehre soll unter anderem auf folgenden Gebie­ten erfolgen: Professorenaus­tausch, gemeinsame Sympo­sien und Sommerkurse, Stu­denten und Promovendenaus- tausch, Praktikumsvermittlung und im Bereich Kommunikati­onstechnik. Kooperiert wird ebenso im Weiterbildungsstu­diengangMaster of Public Management.

Höhepunkt der Zusammenar­beit 1999 war zweifellos die gemeinsame Konferenz zum ThemaModernizing the Pu­blic Sector in the Era of Glo- balization, die Anfang De­zember in Kairo stattfand. Dort ging es um Möglichkei­ten, Probleme und Grenzen der Modernisierung des öf­fentlichen Sektors in Ägypten. Besonderen Stellenwert hatte dabei der komparative Aspekt: Die Erfahrungen osteuropäi­scher Demokratien und vor al­lem jene Ostdeutschlands nach der Vereinigung auf dem Ge­biet der Verwaltungsreform, der Schaffüng einer neuen Ver­waltungskultur und der Priva­tisierung waren für die ägypti­sche Seite von Interesse.

Zu den 300 Konferenzteilneh­mern gehörten nicht nur Ver­treter internationaler Organi­sationen, sondern vor allem

Praktiker aus der ägyptischen Verwaltung, so aus zahlreichen zentralen Einrichtungen, Mi­nisterien, Gouvernoraten, Ver­bänden und Unternehmen. Die Modernisierung des öf­

fentlichen Sektors wird für Ägypten einer der Haupt­schwerpunkte der Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten sein.

Im Jahr 2000 wird die wissen­schaftliche Diskussion im Rah­

men der Kooperation fortge­setzt. Im Sommer soll ein ge­meinsamer Workshop Um­weltmanagement in Potsdam stattfinden, ein Thema, an dem die ägyptische Seite angesichts der starken Umweltbelastung großes Interesse hat. Der Be­such des Potsdamer Rektors in Kairo im Frühjahr und die ge­plante Unterzeichnung eines

Foto: privat Kooperationsvertrages könn­ten der Zusammenarbeit einen weiteren positiven Inhalt ver­leihen.

Dr. Renate Schmidt, Wirtschafts- und Sozial- wissenschaftliche Fakultät

Der Besuch von Wissenschaftlern der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftli­chen Fakultät in Kairo trug dazu bei, weitere Projekte für die Zusammen­arbeit mit der Sadat-Academy for Management Sciences zu initiieren.

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Die dunkle Seite des Gedenkens

Mit dem Gedenken tun sich die Deutschen schwer. Für die Schulklassen, Jugendgruppen und Brigaden in der DDR war der Besuch ehemaliger Konzentrationslager eineso­zialistische Pflichtübung, die nicht der Erinnerung und stil­len Trauer diente, sondern, eingebaut in dieIdeologie des antifaschistischen Über­baus, der moralischen Festi­gung des Staates nützte.

Die Westdeutschen rasten an den Autobahn-Ausfahrten Bergen-Belsen und Dachau vorbei und hatten sich zwi­

schen Fantasialand und Mc­Donalds mit den Mahnmalen alsfakultativem Angebot po­litischer Bildung arrangiert. Bei Besucherzahlen auf niedri­gem Niveau.

Mit diesem Rückblick leitet Jürgen Dittberner sein Buch Schwierigkeiten mit dem Ge­denken. Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein. Für ihn war es die Situation, in der er 1990 als Staatssekretär für die Gedenkstätten in Brandenburg damit beauftragt wurde, das Gedenken im vereinigten

Deutschland neu zu ordnen. Dem Wessi in Potsdam eröff- nete sich einweites Feld voller Erkenntnisse, Überra­schungen, Freundlich- und Widerlichkeiten, das er bis 1997 beackerte. Die Bran­denburger hatten Angst, dass die BRDihre Mahnmale ge­nausoplatt machen würden wieihre Kombinate und Behörden; die Opfer der NS- Diktatur stritten mit den Op­fern des Stalinismus (die an den selben Orten einsaßen) über den wahrhaftigeren An­spruch an den Lagern; und eine professionelle Gedenks­zene richtete sich ein.

Das Gedenken ist vor allem ein privater Akt der Opfer und ih­rer Angehörigen, resümiert

Dittberner. Trotz allen Streites lohne sich allein deshalb die staatliche Mühe um die alten Orte des Grauens. Dass ein La­gerbesuch an der praktischen Politik in Deutschland etwas ändert, bezweifelt Dittberner. Sein Buch bietet einen oft ernüchternden Blick hinter die Kulissen des Trauerns. Es dämpft überzogene Erwartun­gen genauso wie überzogene Befürchtungen. mf

Schwierigkeiten mit dem Ge­denken. Auseinandersetzung mit der nationalsozialisti­schen Vergangenheit. Von Jürgen Dittberner. 230 Sei­ten. 34,80 Mark. ISBN 3- 531-13406-X. Westdeut­scher Verlag, Wiesbaden 1999.

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