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PUTZ 1-2/00
Kreativ in der Verwaltung
Im Gespräch mit einem „Ehemaligen"
Der Amtsleiter für zentrales Controlling, Organisationsund Informationsservice und Chef der Verwaltungsreform in der Potsdamer Stadtverwaltung ist ein „Ehemaliger“.
Der 44-jährige Dr. Reiner Pokorny, der diese Aufgaben zu bewältigen hat, studierte von 1976 bis 1980 Sport und Geographie an der Pädagogischen Hochschule , Potsdam und promovierte 1986 in der Wirtschafts- und Sozialgeographie. Das folgende Gespräch führte PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt mit Reiner Pokorny.
jMehr Leistung mit weniger Mitarbeitern: Das ist das Ziel der Rathausreform in Potsdam. Sie sind der Mann, der das richten soll. Können Sie noch ruhig schlafen? Pokorny: Mein Auftrag be- I steht darin, die Reform zu organisieren und neue Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Parallel dazu muss die Stadt ein Haushaltskonsolidierungsprogramm umsetzen, das eine jährliche Einsparung von circa 18 Millionen DM Personalkosten vorsieht. Dies ist nur möglich, wenn es uns gelingt, Stellen abzubauen. Oftmals wird dieser Stellenabbau im Rahmen der Haushaltskonsolidierung mit der Verwaltungsreform gleichgesetzt. Die Verwaltungsreform fuhrt dazu, Prozesse zu effektivieren, mehr Bürgernähe zu gewährleisten. Daraus ergibt sich die Ver- schlankung von Hierarchiestufen und Verantwortungsübertragung an die Stellen, die die Dienstleistung erstellen. Natürlich werden dabei Stellen eingespart, aber die Einsparungen ergeben sich im Wesentlichen durch die Effektivierung der Verwaltungsprozesse. Der Personalabbau wird sozial verträglich gestaltet. Betriebsbedingte Kündigungen stehen nicht auf der Tagesordnung. Deshalb kann ich auch schlafen.
Sie sind Geograph. Sie könnten in ferne Länder reisen, in
der Forschung arbeiten oder lehren. Warum sitzen Sie jetzt in einem Rathaus als Amtsleiter?
Pokorny: Weil die Aufgabe spannend ist. Man kann in einer Verwaltung nur an sehr wenigen Stellen kreativ sein. An einer solchen Stelle sitze ich. Wenn man die Verwaltung neu strukturiert, nach neuen Ideen sucht, kann man das,
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Genießt das Vertrauen seiner Vorgesetzten und kann deshalb kreativ arbeiten: Dr. Reiner Pokorny.
Foto: Fritze
und es macht mir Spaß. Wir sind zum Beispiel dabei, ein Controllingsystem zu installieren. Dazu gehört, ein Informationssystem aufzubauen, also Informationen zu bündeln, zu selektieren, in Kennziffern umzuwandeln, so dass Führungskräffe damit arbeiten können. Das ist keine stupide Verwaltungsarbeit. An ähnlichen Projekten arbeitete ich als Geograph im Bereich der Stadtentwicklung.
Sie sind 1991 von der Uni weggegangen. War die Tätigkeit nicht mehr kreativ genug?
Pokorny: Ich bin fast zehn Jahre an der Hochschule gewesen. Nach der Wende wollte ich feststellen, was ich als promovierter Geograph auf dem Arbeitsmarkt wert bin. Ich habe an der Hochschule viel auf dem Gebiet der Wirtschaffs- und Sozialgeographie, Stadtforschung, Siedlungsent
wicklung gearbeitet. Als ich eine Ausschreibung des Amtsleiters für Statistik, Stadtforschung und Wahlen in der Stadtverwaltung Potsdam las, bewarb ich mich. Natürlich interessierte mich vornehmlich das Gebiet der Stadtforschung. Ich wusste damals allerdings nicht einmal, was ein Amt ist. Das bekam ich sehr schnell mit, jetzt habe ich 46 Mitarbeiter, die in den Bereichen Organisation, EDV, Kostenleistungsrechnung, Statistik und Stadtforschung arbeiten.
Trotz Ihrer sehr zeitraubenden Tätigkeit als Amtsleiter sind Sie noch eng mit der Uni Potsdam verbunden. Pokorny: Dort habe ich einen Lehrauftrag für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Ich bin nach wie vor an den wissenschaftlichen Dingen der Geographie sehr interessiert. Deshalb habe ich bis heute enge Kontakte zum Bereich Sozial- und Kulturgeographie der Potsdamer Uni. Ich betreue aber auch Geographie-Studenten, die in der Stadtverwaltung ihr Praktikum absolvieren oder die ihre Diplomarbeit im Rahmen der Stadtforschung schreiben. Sie analysieren demographische und wirtschaftliche Prozesse und ihre Auswirkungen auf die Stadt oder untersuchen Stadt-Umland-Be- ziehungen. Sie lernen bei mir auch Anwendungen von Softwaren, so beispielsweise geographische Informationssysteme.
Potsdam ist im Bewusstsein der Potsdamer und ihrer Gäste noch nicht in dem Maße
als Universitäts- und Wissenschaftsstadt verankert, wie wir es uns wünschen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Pokorny: Man spürt noch
nicht, dass Potsdam eine Studentenstadt ist, das sehe ich auch so. Es hat etwas mit der Größe der Stadt und der Universität zu tun, mit Verhaltensweisen der Studierenden, aber auch mit Möglichkeiten Potsdams, den Studenten ein Podium der Öffentlichkeit zu geben. Ich denke, dass die verschiedenen Uni-Standorte, die Bindung an große Wohnheime mit dazu führen, dass die Studenten nicht in Größenordnungen wahrgenommen werden. Ich gehe aber davon aus, dass ein Besucher der Universität das studentische Treiben wahrnimmt.
Es wäre deshalb doch sehr wünschenswert, wenn es im Zentrum der Stadt ein studentisches Kulturzentrum gäbe.
Pokorny: Studenten können Innenstädte beleben, wenn sie dafür geeignete Einrichtungen und Bewegungsräume finden. Dafür sind Gespräche zwischen Verantwortlichen der Stadt und der Universität notwendig, um mögliche vorhandene Potentiale auszunutzen oder neue zu erschließen. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass Innenstadträume für alle Potsdamer und ihre Gäste da sind und damit eine hohe Vielfältigkeit in der strukturellen Gestaltung verlangen. Vielen Dank für das Gespräch.
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