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(1.1.2019) 01
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PUTZ 1-2/00

Kreativ in der Verwaltung

Im Gespräch mit einemEhemaligen"

Der Amtsleiter für zentrales Controlling, Organisations­und Informationsservice und Chef der Verwaltungs­reform in der Potsdamer Stadtverwaltung ist ein Ehemaliger.

Der 44-jährige Dr. Reiner Pokorny, der diese Aufgaben zu bewältigen hat, studierte von 1976 bis 1980 Sport und Geographie an der Pädagogischen Hochschule , Potsdam und promovierte 1986 in der Wirtschafts- und Sozialgeographie. Das fol­gende Gespräch führte PUTZ-Redakteurin Dr. Bar­bara Eckardt mit Reiner Po­korny.

jMehr Leistung mit weniger Mitarbeitern: Das ist das Ziel der Rathausreform in Potsdam. Sie sind der Mann, der das richten soll. Können Sie noch ruhig schlafen? Pokorny: Mein Auftrag be- I steht darin, die Reform zu or­ganisieren und neue Verwal­tungsstrukturen zu schaffen. Parallel dazu muss die Stadt ein Haushaltskonsolidierungs­programm umsetzen, das eine jährliche Einsparung von circa 18 Millionen DM Personalko­sten vorsieht. Dies ist nur möglich, wenn es uns gelingt, Stellen abzubauen. Oftmals wird dieser Stellenabbau im Rahmen der Haushaltskonsoli­dierung mit der Verwaltungs­reform gleichgesetzt. Die Ver­waltungsreform fuhrt dazu, Prozesse zu effektivieren, mehr Bürgernähe zu gewährleisten. Daraus ergibt sich die Ver- schlankung von Hierarchiestu­fen und Verantwortungsüber­tragung an die Stellen, die die Dienstleistung erstellen. Natürlich werden dabei Stellen eingespart, aber die Einsparun­gen ergeben sich im Wesentli­chen durch die Effektivierung der Verwaltungsprozesse. Der Personalabbau wird sozial ver­träglich gestaltet. Betriebsbe­dingte Kündigungen stehen nicht auf der Tagesordnung. Deshalb kann ich auch schla­fen.

Sie sind Geograph. Sie könn­ten in ferne Länder reisen, in

der Forschung arbeiten oder lehren. Warum sitzen Sie jetzt in einem Rathaus als Amtsleiter?

Pokorny: Weil die Aufgabe spannend ist. Man kann in ei­ner Verwaltung nur an sehr wenigen Stellen kreativ sein. An einer solchen Stelle sitze ich. Wenn man die Verwaltung neu strukturiert, nach neuen Ideen sucht, kann man das,

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Genießt das Vertrauen seiner Vorge­setzten und kann deshalb kreativ arbeiten: Dr. Reiner Pokorny.

Foto: Fritze

und es macht mir Spaß. Wir sind zum Beispiel dabei, ein Controllingsystem zu installie­ren. Dazu gehört, ein Infor­mationssystem aufzubauen, also Informationen zu bün­deln, zu selektieren, in Kenn­ziffern umzuwandeln, so dass Führungskräffe damit arbeiten können. Das ist keine stupide Verwaltungsarbeit. An ähnli­chen Projekten arbeitete ich als Geograph im Bereich der Stadtentwicklung.

Sie sind 1991 von der Uni weggegangen. War die Tätig­keit nicht mehr kreativ ge­nug?

Pokorny: Ich bin fast zehn Jahre an der Hochschule ge­wesen. Nach der Wende wollte ich feststellen, was ich als pro­movierter Geograph auf dem Arbeitsmarkt wert bin. Ich habe an der Hochschule viel auf dem Gebiet der Wirt­schaffs- und Sozialgeographie, Stadtforschung, Siedlungsent­

wicklung gearbeitet. Als ich eine Ausschreibung des Amts­leiters für Statistik, Stadtfor­schung und Wahlen in der Stadtverwaltung Potsdam las, bewarb ich mich. Natürlich in­teressierte mich vornehmlich das Gebiet der Stadtforschung. Ich wusste damals allerdings nicht einmal, was ein Amt ist. Das bekam ich sehr schnell mit, jetzt habe ich 46 Mitar­beiter, die in den Bereichen Organisation, EDV, Kostenlei­stungsrechnung, Statistik und Stadtforschung arbeiten.

Trotz Ihrer sehr zeitrauben­den Tätigkeit als Amtsleiter sind Sie noch eng mit der Uni Potsdam verbunden. Pokorny: Dort habe ich einen Lehrauftrag für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Ich bin nach wie vor an den wissen­schaftlichen Dingen der Geo­graphie sehr interessiert. Des­halb habe ich bis heute enge Kontakte zum Bereich Sozial- und Kulturgeographie der Potsdamer Uni. Ich betreue aber auch Geographie-Studen­ten, die in der Stadtverwaltung ihr Praktikum absolvieren oder die ihre Diplomarbeit im Rah­men der Stadtforschung schreiben. Sie analysieren de­mographische und wirtschaftli­che Prozesse und ihre Auswir­kungen auf die Stadt oder un­tersuchen Stadt-Umland-Be- ziehungen. Sie lernen bei mir auch Anwendungen von Soft­waren, so beispielsweise geo­graphische Informationssy­steme.

Potsdam ist im Bewusstsein der Potsdamer und ihrer Gä­ste noch nicht in dem Maße

als Universitäts- und Wissen­schaftsstadt verankert, wie wir es uns wünschen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Pokorny: Man spürt noch

nicht, dass Potsdam eine Stu­dentenstadt ist, das sehe ich auch so. Es hat etwas mit der Größe der Stadt und der Uni­versität zu tun, mit Verhaltens­weisen der Studierenden, aber auch mit Möglichkeiten Pots­dams, den Studenten ein Po­dium der Öffentlichkeit zu ge­ben. Ich denke, dass die ver­schiedenen Uni-Standorte, die Bindung an große Wohnheime mit dazu führen, dass die Stu­denten nicht in Größenord­nungen wahrgenommen wer­den. Ich gehe aber davon aus, dass ein Besucher der Univer­sität das studentische Treiben wahrnimmt.

Es wäre deshalb doch sehr wünschenswert, wenn es im Zentrum der Stadt ein stu­dentisches Kulturzentrum gäbe.

Pokorny: Studenten können Innenstädte beleben, wenn sie dafür geeignete Einrichtungen und Bewegungsräume finden. Dafür sind Gespräche zwi­schen Verantwortlichen der Stadt und der Universität not­wendig, um mögliche vorhan­dene Potentiale auszunutzen oder neue zu erschließen. Man sollte aber auch nicht verges­sen, dass Innenstadträume für alle Potsdamer und ihre Gäste da sind und damit eine hohe Vielfältigkeit in der strukturel­len Gestaltung verlangen. Vielen Dank für das Ge­spräch.

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