PUTZ 1-2/00
Kultur
Lust an Kunst
Heute vorgestellt: Stückwerk e.V.
Marschmusik nicht gewünscht
Frühlingskonzert
mit Landespolizeiorchester
Seit September 1998 hat das Institut für Musik und Musikpädagogik der Universität Potsdam einen Kooperationsvertrag mit dem Landespolizeiorchester Brandenburg. Beide Partner beschlossen darin, in Musikseminaren, bei künstlerischen Praktika und in Konzerten zusammenzuarbeiten. Jetzt bereiten sich Orchester und Musikstudierende auf ein großes gemeinsames Frühlingskonzert am 10. Mai 2000 vor. Aus diesem Anlass sprach Dr. Thomas Freitag für PUTZ mit dem Ge- schäftsführenden Direktor des Instituts für Musik und Musikpädagogik, Prof. Werner Beidinger.
Preußen, Potsdam, Polizeimusik - warum hat Ihr Institut gerade einen Vertrag mit dem Landespolizeiorchester?
Beidinger: Eben dieses Klischee von assoziierter Marschmusik oder vielleicht Musik auf einem Sportplatz ist es, was weder das Landespolizeiorchester als großes Bläserorchester bedient, noch von uns gewünscht wird. Unsere Kooperation soll zeigen, dass es auch andere Facetten gibt, die gerade einer Institution wie unserer hilfreich sein können. Es besteht also die Absicht, sich gegenseitig anzuregen. Beispielsweise hat das Orchester Erfahrungen in der Ausrichtung von Schülerkonzerten. Gab es seit der Unterzeichnung des Vertrages schon gemeinsame Auftritte? Beidinger: Ja, zu Weihnachten 1998. Inzwischen sind Weihnachtskonzerte unserer Musikstudenten in der Kirche zu Golm schon eine traditionelle Angelegenheit. Das renommierte Ensemble hat beim Programm mitgeholfen, und so gab es eine erste außenwirksame Aktion.
Es kommen also in jedem Falle Bläser unter den Stu
dierenden mit dem Orchester zusammen?
Beidinger: Im genannten
Konzert war es noch ein Nebeneinander, nicht so sehr ein Miteinander. Vor allem in der Ausbildung unserer Studierenden kommen wir gegenseitig in Berührung. Studierende des
Leitet das Institut für Musik und Musikpädagogik der Uni: Prof. Werner Beidinger Foto: Tribukeit
Hauptfaches Chor- und Ensembleleitung hatten so die Möglichkeit, mit der Chorleiterin, Gabriele Tschache, an den Probenort des Orchesters nach Petzow zu kommen. Dort konnte die ungewöhnliche Situation erlebt werden, ein so großes Orchester zu dirigieren. Denn wir sind leider nicht in der Lage, eine solche Dirigierpraxis zu schaffen. Unser erstes gemeinsames Konzert findet nun am 10. Mai statt.
Wird es im Konzert auch Kompositionen von Studierenden geben?
Beidinger: Im Mai steht zeitgenössische Musik im Vordergrund. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass gehobene, konzertante Bläsermusik erklingen kann. Von unserer Seite wird es Musik vor allem in kleinen Kammerbesetzungen, aber auch für das große Orchester geben.
Vielen Dank für das Gespräch.
Für Stefan Lenz bedeutet die Arbeit bei Stückwerk e. V. „sinnvolle Freizeitbeschäftigung, bei der mit hoher Ernsthaftigkeit gearbeitet wird“. Die Momente von „Leidenschaftlichkeit“ und „Ausgleich zum Studium“ hebt Claudia Gerick hervor. Sie kann sich noch genau an den November 1991 erinnern, als der gemeinnützige Theaterverein an die Öffentlichkeit ging. Gerick ist Gründungsmitglied und Studentin der Wirtschaftsund Sozialwissenschaffen an der Universität Potsdam.
Stückwerk e.V., das sind nach Bedarf der jeweiligen Theaterproduktion 15 bis 20 Theaterbegeisterte, Enthusiasten, eine kleine Gruppe, in der jeder jeden kennt und zugleich neue begeisterungsfähige Leute willkommen sind. Auf die hier herrschende offene Atmosphäre legen die Akteure Wert. Denn nur so kann dieses Off- Theater arbeiten. Wird ein neues Vorhaben gestartet, gibt es zahlreiche Probentermine, die sich vor allem vor der Premiere häufen. Seit 1991 hat Stückwerk e.V. pro Jahr eine Produktion auf die Bühne gebracht, darunter Stücke wie „Die Hochzeit“ von Elias Canetti, „Nacht mit Gästen“ (Peter Weiss), „Tanzende Feder am Faden“ (als Puppentheater). 1998/99 wurde „Der Floh“ von Jewgeni Samjatin aufgefuhrt, zu 15 Vorstellungen kamen über 1100 Besucher.
Studierende oder in Lehre und Beruf stehende Mitglieder der Theatergruppe haben an ihrer Arbeit Freude gefunden. Stückwerk e.V. entwickelt künstlerisch-soziale Kreativität. Durch das Probenjahr hindurch wird auf die originäre Inszenierung des Stückes hingearbeitet. Nicht weniger wichtig ist allerdings auch der Weg dorthin. Wenn die Theaterleute Zusammenkommen, dann will ihr Leiter, Dr. Jens- Uwe Sprengel, die Heteroge
nität der Beteiligten er schließen und so steuern, dass das gesamte Umfeld der Insze nierung dienstbar wird.
Sprengels Ausbildungs- und Werdegang schafft für die Ar beit beste Voraussetzungen. Erhalten hat er sie insbeson dere durch sein Studium an der Berliner Hochschule der Künste, das er 1994 als Theaterpädagoge abschloss. Zuvor absolvierte er im übrigen an der Uni Potsdam ein Studium der Mathematik und Physik und promovierte 1992 aut dem Gebiet der Angewandten Mathematik. Sprengel bekennt: „In meinem Denken sind komplexe Lösungsstrate-
Stückwerk wdrend der Aufführung des Stückes ,f)er Selbstmörder“.
Foto:qg.
gien und spontane Kreativität keine Gegensätze. Im Gegenteil. In der naturwissenschaftlichen Ausrichtung emotional- künstlerischer Prozesse können spannende Dramaturgien entwickelt werden.“
Dieses Jahr erarbeitet die Gruppe ein Stück zu einem selbstgewählten Thema. „Geschwisterkinder“ lautet es. Im Herbst 2000 soll die Premiere sein. Stückwerk e.V. hat sein Domizil im Waldschloß in Potsdam-Babelsberg und spielt vornehmlich dort.
Dr. Thomas Freitag/ PÖK
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