Heft 
(1.1.2019) 01
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PUTZ 1-2/00

Kultur

Lust an Kunst

Heute vorgestellt: Stückwerk e.V.

Marschmusik nicht gewünscht

Frühlingskonzert

mit Landespolizeiorchester

Seit September 1998 hat das Institut für Musik und Mu­sikpädagogik der Universität Potsdam einen Kooperati­onsvertrag mit dem Landes­polizeiorchester Branden­burg. Beide Partner be­schlossen darin, in Musikse­minaren, bei künstlerischen Praktika und in Konzerten zusammenzuarbeiten. Jetzt bereiten sich Orchester und Musikstudierende auf ein großes gemeinsames Früh­lingskonzert am 10. Mai 2000 vor. Aus diesem Anlass sprach Dr. Thomas Freitag für PUTZ mit dem Ge- schäftsführenden Direktor des Instituts für Musik und Musikpädagogik, Prof. Wer­ner Beidinger.

Preußen, Potsdam, Polizei­musik - warum hat Ihr In­stitut gerade einen Vertrag mit dem Landespolizeiorche­ster?

Beidinger: Eben dieses Kli­schee von assoziierter Marsch­musik oder vielleicht Musik auf einem Sportplatz ist es, was weder das Landespolizeiorche­ster als großes Bläserorchester bedient, noch von uns ge­wünscht wird. Unsere Koope­ration soll zeigen, dass es auch andere Facetten gibt, die ge­rade einer Institution wie un­serer hilfreich sein können. Es besteht also die Absicht, sich gegenseitig anzuregen. Bei­spielsweise hat das Orchester Erfahrungen in der Ausrich­tung von Schülerkonzerten. Gab es seit der Unterzeich­nung des Vertrages schon ge­meinsame Auftritte? Beidinger: Ja, zu Weihnachten 1998. Inzwischen sind Weih­nachtskonzerte unserer Musik­studenten in der Kirche zu Golm schon eine traditionelle Angelegenheit. Das renom­mierte Ensemble hat beim Programm mitgeholfen, und so gab es eine erste außenwirk­same Aktion.

Es kommen also in jedem Falle Bläser unter den Stu­

dierenden mit dem Orche­ster zusammen?

Beidinger: Im genannten

Konzert war es noch ein Ne­beneinander, nicht so sehr ein Miteinander. Vor allem in der Ausbildung unserer Studieren­den kommen wir gegenseitig in Berührung. Studierende des

Leitet das Institut für Musik und Musikpädagogik der Uni: Prof. Werner Beidinger Foto: Tribukeit

Hauptfaches Chor- und En­sembleleitung hatten so die Möglichkeit, mit der Chorlei­terin, Gabriele Tschache, an den Probenort des Orchesters nach Petzow zu kommen. Dort konnte die ungewöhnli­che Situation erlebt werden, ein so großes Orchester zu di­rigieren. Denn wir sind leider nicht in der Lage, eine solche Dirigierpraxis zu schaffen. Un­ser erstes gemeinsames Kon­zert findet nun am 10. Mai statt.

Wird es im Konzert auch Kompositionen von Studie­renden geben?

Beidinger: Im Mai steht zeit­genössische Musik im Vorder­grund. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass gehobene, konzertante Bläsermusik er­klingen kann. Von unserer Seite wird es Musik vor allem in kleinen Kammerbesetzun­gen, aber auch für das große Orchester geben.

Vielen Dank für das Ge­spräch.

Für Stefan Lenz bedeutet die Arbeit bei Stückwerk e. V. sinnvolle Freizeitbeschäfti­gung, bei der mit hoher Ernsthaftigkeit gearbeitet wird. Die Momente von Leidenschaftlichkeit und Ausgleich zum Studium hebt Claudia Gerick hervor. Sie kann sich noch genau an den November 1991 erin­nern, als der gemeinnützige Theaterverein an die Öffent­lichkeit ging. Gerick ist Gründungsmitglied und Studentin der Wirtschafts­und Sozialwissenschaffen an der Universität Potsdam.

Stückwerk e.V., das sind nach Bedarf der jeweiligen Theater­produktion 15 bis 20 Theater­begeisterte, Enthusiasten, eine kleine Gruppe, in der jeder je­den kennt und zugleich neue begeisterungsfähige Leute willkommen sind. Auf die hier herrschende offene Atmos­phäre legen die Akteure Wert. Denn nur so kann dieses Off- Theater arbeiten. Wird ein neues Vorhaben gestartet, gibt es zahlreiche Probentermine, die sich vor allem vor der Pre­miere häufen. Seit 1991 hat Stückwerk e.V. pro Jahr eine Produktion auf die Bühne ge­bracht, darunter Stücke wie Die Hochzeit von Elias Ca­netti,Nacht mit Gästen (Pe­ter Weiss),Tanzende Feder am Faden (als Puppenthea­ter). 1998/99 wurdeDer Floh von Jewgeni Samjatin aufgefuhrt, zu 15 Vorstellun­gen kamen über 1100 Besu­cher.

Studierende oder in Lehre und Beruf stehende Mitglieder der Theatergruppe haben an ihrer Arbeit Freude gefunden. Stückwerk e.V. entwickelt künstlerisch-soziale Kreativität. Durch das Probenjahr hin­durch wird auf die originäre Inszenierung des Stückes hin­gearbeitet. Nicht weniger wichtig ist allerdings auch der Weg dorthin. Wenn die Thea­terleute Zusammenkommen, dann will ihr Leiter, Dr. Jens- Uwe Sprengel, die Heteroge­

nität der Beteiligten er schließen und so steuern, dass das gesamte Umfeld der Insze nierung dienstbar wird.

Sprengels Ausbildungs- und Werdegang schafft für die Ar beit beste Voraussetzungen. Erhalten hat er sie insbeson dere durch sein Studium an der Berliner Hochschule der Künste, das er 1994 als Thea­terpädagoge abschloss. Zuvor absolvierte er im übrigen an der Uni Potsdam ein Studium der Mathematik und Physik und promovierte 1992 aut dem Gebiet der Angewandten Mathematik. Sprengel be­kennt:In meinem Denken sind komplexe Lösungsstrate-

Stückwerk wdrend der Aufführung des Stückes ,f)er Selbstmörder.

Foto:qg.

gien und spontane Kreativität keine Gegensätze. Im Gegen­teil. In der naturwissenschaftli­chen Ausrichtung emotional- künstlerischer Prozesse kön­nen spannende Dramaturgien entwickelt werden.

Dieses Jahr erarbeitet die Gruppe ein Stück zu einem selbstgewählten Thema.Ge­schwisterkinder lautet es. Im Herbst 2000 soll die Premiere sein. Stückwerk e.V. hat sein Domizil im Waldschloß in Potsdam-Babelsberg und spielt vornehmlich dort.

Dr. Thomas Freitag/ PÖK

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