PUTZ 3/00
Absolventen
Heiß diskutiert: LER
Überlegungen zu einem Schulfach
Ab diesem Sommersemester kann an der Universität Potsdam das Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde(LER) im Erweiterungsstudiengang studiert werden. Das weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus heftig umstrittene Schulfach ist auch an der Universität schon länger in der Diskussion.
Dies dokumentiert der Tagungsband„Religion in der schulischen Bildung und Erziehung“, der Beiträge einer Tagung vom. Februar 1998 zum Thema„LER und die Religionen“ an der Universität Potsdam und einige andere an der Uni gehaltene Vorträge dazu zusammenfasst. Das Spektrum der Themen ist breit gestreut— vom Judentum über die römische Religion bis hin zu neuen religiösen Bewegungen und Überlegungen zum Verhältnis von Religion und Ethik.
Bei den Diskussionen um LER standen zwei Probleme im Zentrum. Einmal die sehr grundlegende Frage nach der Stellung und Begründung eines Faches im Wertebereich. Zum anderen wurde heftig über Religion als Gegenstand von Unterricht gestritten. LER soll, darin besteht Einigkeit bei allen Autoren, nicht als neues Sinnstiftungsunternehmen verstanden werden, sondern reagiert auf die Situation von Plu
ralismus und persönlicher Überforderung bei der Vielzahl möglicher Lebensent
scheidungen. Es liegt mit dieser personenbezogenen Perspektive gewissermaßen quer zum schulischen Fächerkanon. So sehr sich die Blickrichtung von E und R in LER auch unterscheiden mag, so ist doch der Tenor des Bandes die Vorstellung von einem erfahrungsbezogenen philosophisch und religionswissenschaftlich angeleiteten Unterricht. Dies ist auch der Weg, den die Uni Potsdam mit ihrer Studienordnung LER eingeschlagen hat. Über diese Überlegungen zu einem neuen Schulfach LER
hinaus ist jedoch das zentrale Anliegen des Bandes die Frage nach Vermittlung und Reflexion religiöser Themen in einem allgemeinbildenden, nicht mehr konfessionell gebundenen Unterricht. Wie kann man über Religion in einer schon weitgehend säkularisierten Gesellschaft sprechen, über religiöse Grundlagen unserer Gesellschaft und Kultur nachdenken? Wie mit Vertretern von Religionen im Unterricht umgehen, ohne sie wie„Tiere im Zoo zu bestaunen“, ein Vor: wurf, der LER immer wieder von Seiten der Kirchen dgemacht wurde. Kann oder sollte man Religion(en) im Unterricht simulieren, um sie den Schülern näher zu bringen? Dass andere Religionen uns oft fremd sind, muss nicht notwendigerweise zu Unverständnis oder gar Intoleranz führen, nein: Fremdheitserfahrung, so die These eines Aufsatzes; kann auch dazu führen, die eigenen Traditionen gewissermaßen aus der Distanz in den Blick zu nehmen.
Die Religionswissenschaft tritt in diesem Band selbstbewusst auf, will sie doch zumindest eine der beiden Leitwissenschaften von LER sein. Sie „produziert“ keinen voyeuristischen Blick auf Religion, der Gleichgültigkeit oder Zynismus bei den Schülern hervorruft. Die Autoren versuchen zu zeigen, dass gerade eine Auseinandersetzung mit Religion auf religionswissenschaftlicher Basis zu einem tieferen Ver; ständnis unserer Tradition, aber auch zu einer Auseinandersetzung mit neuen religiösen Formen und mit anderen Religionen führen kann. Eva-Maria Kenngott/Institut für Philosophie
Karl E. Grözinger/Burkhard Gladigow/Hartmut Zinser(Hrsg.), Religion in der schulischen Bildung und Erziehung. LER- Ethik Werte und Normen in einer pluralistischen Gesellschaft, Berlin Verlag, 1999, ISBN 3-8305-0038-6, 44,00 DM
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