PUTZ 3/00
Wissenschaft aktuell
Staubteilchen aus Kanada
Mathematiker an EU-Projekt beteiligt
Umweltsündern auf die Spur zu kommen, ist nicht immer einfach. Oft fehlen die Geräte, um beispielsweise Luftverschmutzungen nachzuweisen. Mathematiker
können dazu beitragen, auf
diesem Feld Neues zu entwickeln.
Dr. Christine Böckmann und ihr Team aus dem Institut für Mathematik der Universität Potsdam arbeiten seit 1997 an einem vom_Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt. Die Wissenschaftler wollen der Verteilung kleiner Schwebeteilchen in der Luft, den Aerosolen, auf die Spur kommen. Dafür errichteten sie ein Netz von Stationen. An fünf Orten (Kühlungsborn, Hamburg, Leipzig, München und Garmisch-Partenkirchen) suchten zunächst Physiker nach dem Einfluss der Teilchen auf das Klima. Denn Aerosolpartikel sind ein Schlüsselbestandteil der Atmosphäre. Sie beeinflussen unter anderem deren Strahlungsfeld, den Wasserzyklus und‘die atmosphärische Chemic. Der. Betrieb der Stationen soll dazu beitragen, Defizite im Wissen über die räumliche Verteilung und die. Eigenschaften der Schwebeteilchen zu beseitigen, sagt Christine Böckmann. Sie und ihr Team nehmen nach der Erfassung der Messdaten deren Auswertung unter spezifisch mathematischem Aspekt vor. Anfang Februar dieses Jahres ist das Projekt in eine neue Phase getreten. Es erlangte aufgrund der guten Ergebnisse in Deutschland europäische Dimension. Denn das Projekt gehört zu den vier der 15 bis zum Februar 2000 von der Universität Potsdam bei der Europäischen Kommission eingereichten Vorhaben, die bisher bewilligt wurden.
Die Wissenschaftler bauen nun unter dem Titel„EARLINET“ (Projektkoordinator ist Jens Bösenberg vom Max-Planck
Institut für Meteorologie
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Hamburg) ein Netz von 21 Stationen auf.
Ziel ihrer Anstrengungen ist es, europaweit, die Teilchenbewegung in der Luft zu messen. Solche Bewegungen können natürlichen Ursprungs, beispielsweise bei Vulkanausbrüchen, sein. Aber auch der Mensch erzeugt durch Brände oder Ausstöße aus Industriean
wie
größenverteilung durch das an den Teilchen zurückgestreute und auf einem Detektor wieder aufgefangene Laserlicht indirekt bestimmt“, erläutert Böckmann. Von den Bodenstationen aus sollen unter anderem mikrophysikalische Eigenschaften der Teilchen herausgefunden werden. Deshalb gibt es Untersuchungen zu de
Diese Apparatur nutzen Physiker und Mathematiker, um die Teilchenbewe
gung in der Luft zu untersuchen.
lagen derartige Teilchen, die in der Luft verbleiben und meteorologisch bedingt transportiert werden. ‚Dem. Team gelang es, Waldbrandteilchen aus Kanada in der Nähe Berlins zu sichten, zu messen und mikrophysikalische Eigenschaften zu bestimmen.
Sogenannte optische Daten gewinnen die Wissenschaftler mit Hilfe eines optischen Radars, dem Lidar. Der Name Lidar leitet sich von„light detection and ranging“(Erkennen und Sondieren mit Licht) ab. Aus mathematischer Sicht handelt es sich um ein nichtlineares inverses schlecht gestelltes Streuproblem.„Invers“ bedeutet,„dass man die Aerosol
Foto: Wiegner
ren Form, zur chemischen Zusammensetzung oder zum Radius. So hat die Oberfläche der Teilchen Einfluss auf die katalytische Wirkung zum Beispiel auf den Ozonabbau.
Christine Böckmann sucht bei der Datenauswertung nach neuen Wegen. Es geht ihr dabei um die Entwicklung spezieller mathematischer hybrider Techniken zur Lösung dieser schlecht gestellten inversen Probleme. Diese Algorithmen wendet sie dann auf die Messdaten an. Noch sind die theoretischen und technischen Voraussetzungen nicht soweit vorangeschritten, Umweltsünder wesentlich effektiver als bisher
finden zu können. B.E.
Alles im Griff?
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