PUTZ 5/00
Kultur
Feuerwerk und irrlichtende Gestalten
UNIDRAM 2000 endete zwischen Himmel und Erde
Als am sechsten Festivaltag in der Schiffbauergasse die letzten Raketen und Fontänen am Mmitternächtlichen Himmel pfeifend und krachend verloschen waren, spürte jeder das, was alle meinen, wenn über die besondere UNIDRAM-Atmosphäre geredet wird.
Das Theater, an diesem Abend schwebend leicht und losgelöst von aller Erdenschwere, ging an den Himmel. Das Publikum, noch das Echo des soeben verklungenen KlezmerKonzertes von Kroke in den Ohren, ging mit, war wie er
Alinaproduktionen aus Basel ließ das Wörtchen Scheiße‘ kunstvoll a cappella intonieren und König samt Gefolge zu monströs-dadaistischen Sprachungeheuern mutieren. Die vier kapriziösen Vetteln des „teatre pour le moment“ aus Bern waren wohl deshalb ein Publikumsrenner, weil sie in ihrer theatralischen Bodenständigkeit auf anrührende Weise lichte Momente von Menschlichkeit wie von selbst hervorzauberten. Beides waren Höhepunkte. Nicht minder das poetische Narrentheater „Puch& Prach“ von AXE aus St. Petersburg, irrlichtend zwi
Die Marburger Theaterwerkstatt gastierte mit dem Stück„Umschlagplatz, Laufschritt, Schwanzparade“ im Potsdamer Waldschloss. Foto: Katrin Schander
Jeuchtet, staunte und feierte. An diesem Abend, der den Festivalgeist sinnbildlich versprühte, hätte auch Schluss sein können. Der siebente und letzte Festivaltag war Epilog.
Nicht alles geriet so funkelnd und sternenklar. Manches blieb, ästhetisch gesehen, eher auf dem Boden der Tatsachen. Einiges ließ jeglichen Grund vermissen. Angesichts der Programmvielfalt und des künstlerisch hohen Niveaus war das jedoch zu. verkraften. Wer würde angesichts dreier Vorstellungen pro Abend anderes erwarten als Licht und Schatten? Hellsichtiges kam vor allem aus der Schweiz und Russland.„übbü“(nach„König Ubu“ von Alfred Jarry) der
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schen Buster Keaton und Daniil Charms. Verdunkelung zog auf mit NovoG.O. Fronta aus‘ Prag und dem KnamTheater nahe Wladiwostok. Beider unheilvolle Traumspiele,„Erste Anzeichen von Namensverlust“ beziehungsweise„Die Verwandlung“ nach Franz Kafka, wussten gogolhaft von der Zerstörung zu erzählen, die den Menschen einholt, wenn er sich von übergeordneten Prinzipien verabschiedet. Mit blackSKYwhite aus Moskau vollendete sich radikal dieses Thema. Für insgesamt drei Stunden(eine pro Vorstellung) tauchte UNIDRAM in vollkommene Finsternis.„Imitator Dei“ kam wie ein Gewitter und ähnelte
einem Fluch, der mit schwerem Nebel und Technobombast über einen hinweggeht. Artaud ließ grüßen. Folglich spaltete sich das in Scharen angerückte Publikum, war entweder empört oder überwältigt. Ein Höhepunkt auch dies, wenngleich ein unbequemer. Und dennoch: das Stück, was alles überstrahlte, was extrem provozierte, für Verwirrung sorgte und womit man auch nach Wochen noch nicht fertig wird, fehlte dem diesjährigen Festival. Vielleicht kommt daher der Eindruck-die Mühen der Ebenen für die Programmmacher seien damit keineswegs vergessen-, dass alles etwas zu glatt lief. Der avantgardistische Blitz schlug nicht ein.
Apropos Publikum. Nicht immer gelang es, alle Zuschauer unterzubringen, trotz kurzftistiger Zusatzvorstellungen. Dass die Räume nach sieben
Festivaljahren zu klein geworden sind, ist ein riesiger Erfolg für die Veranstalter und paradoxer Weise zugleich ihre größtes Problem. Es zu lösen, hätte wohl Folgen für die Gesamtkonzeption. Vorsicht scheint geboten. Denn verläßt UNIDRAM zugunsten anderer, größerer Orte seinen angestammten Platz, womöglich festen Boden unter den Füßen. Und nicht zuletzt wohl seinen Charme. Wie sehr
verliert es
beides einander bedingt, ließ sich jeden Abend im TheaterNacht-Cafe und bei den Parties beobachten, nicht zuletzt bei Diskussionsrunden und Workshops. Die neu kreierte Piroggenparty übrigens war ein liebevolles und kulinariGesamtkunstwerk
sches und
könnte in dem kommenden
Jahren Kultstatus erreichen. Von daher: auf ein Neues! PUTZ
Musikalische
„Thank jou‘for the music“ heißt eine musikalische Revue, die Studierende des Institutes für Musik und Musikpädagogik der Universität Potsdam aufführen. Im Mittelpunkt der Revue stehen die letzten 100 Jahre der populären Musik. Die Premiere ist am 10. Juli 2000 um 10.00 Uhr im Potsdamer Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64. Weitere Aufführungen finden am 1, Juli(Voraufführung) um 17.00 Uhr und am 10., 12. und 14. Juli 2000 jeweils um 19.00 Uhr im Treffpunkt Freizeit statt.
Kartenvorbestellungen für die Aufführungen sind telefonisch unter 0331/2896909 möglich. Der Eintritt kostet für Er
Revue
wachsene 5,00 DM, für Kinder 3,00 Uhr.
PUTZ
Musik-Studierende der Uni Pots dam erarbeiteten eine Revue über 100 Jahre Popularmusik.
Foto: Fritze
Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm