Heft 
(1.1.2019) 05
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PUTZ 5/00

Kultur

Feuerwerk und irrlichtende Gestalten

UNIDRAM 2000 endete zwischen Himmel und Erde

Als am sechsten Festivaltag in der Schiffbauergasse die letzten Raketen und Fontä­nen am Mmitternächtlichen Himmel pfeifend und kra­chend verloschen waren, spürte jeder das, was alle meinen, wenn über die be­sondere UNIDRAM-Atmos­phäre geredet wird.

Das Theater, an diesem Abend schwebend leicht und losgelöst von aller Erdenschwere, ging an den Himmel. Das Publi­kum, noch das Echo des so­eben verklungenen Klezmer­Konzertes von Kroke in den Ohren, ging mit, war wie er­

Alinaproduktionen aus Basel ließ das Wörtchen Scheiße kunstvoll a cappella intonieren und König samt Gefolge zu monströs-dadaistischen Spra­chungeheuern mutieren. Die vier kapriziösen Vetteln des teatre pour le moment aus Bern waren wohl deshalb ein Publikumsrenner, weil sie in ihrer theatralischen Boden­ständigkeit auf anrührende Weise lichte Momente von Menschlichkeit wie von selbst hervorzauberten. Beides waren Höhepunkte. Nicht minder das poetische Narrentheater Puch& Prach von AXE aus St. Petersburg, irrlichtend zwi­

Die Marburger Theaterwerkstatt gastierte mit dem StückUmschlagplatz, Laufschritt, Schwanzparade im Potsdamer Waldschloss. Foto: Katrin Schander

Jeuchtet, staunte und feierte. An diesem Abend, der den Festivalgeist sinnbildlich ver­sprühte, hätte auch Schluss sein können. Der siebente und letzte Festivaltag war Epilog.

Nicht alles geriet so funkelnd und sternenklar. Manches blieb, ästhetisch gesehen, eher auf dem Boden der Tatsachen. Einiges ließ jeglichen Grund vermissen. Angesichts der Pro­grammvielfalt und des künstle­risch hohen Niveaus war das jedoch zu. verkraften. Wer würde angesichts dreier Vor­stellungen pro Abend anderes erwarten als Licht und Schat­ten? Hellsichtiges kam vor al­lem aus der Schweiz und Rus­sland.übbü(nachKönig Ubu von Alfred Jarry) der

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schen Buster Keaton und Da­niil Charms. Verdunkelung zog auf mit NovoG.O. Fronta aus Prag und dem Knam­Theater nahe Wladiwostok. Beider unheilvolle Traum­spiele,Erste Anzeichen von Namensverlust beziehungs­weiseDie Verwandlung nach Franz Kafka, wussten go­golhaft von der Zerstörung zu erzählen, die den Menschen einholt, wenn er sich von über­geordneten Prinzipien verab­schiedet. Mit blackSKYwhite aus Moskau vollendete sich ra­dikal dieses Thema. Für insge­samt drei Stunden(eine pro Vorstellung) tauchte UNIDRAM in vollkommene Finsternis.Imitator Dei kam wie ein Gewitter und ähnelte

einem Fluch, der mit schwe­rem Nebel und Technobom­bast über einen hinweggeht. Artaud ließ grüßen. Folglich spaltete sich das in Scharen an­gerückte Publikum, war ent­weder empört oder überwäl­tigt. Ein Höhepunkt auch dies, wenngleich ein unbequemer. Und dennoch: das Stück, was alles überstrahlte, was extrem provozierte, für Verwirrung sorgte und womit man auch nach Wochen noch nicht fertig wird, fehlte dem diesjährigen Festival. Vielleicht kommt da­her der Eindruck-die Mühen der Ebenen für die Programm­macher seien damit keineswegs vergessen-, dass alles etwas zu glatt lief. Der avantgardistische Blitz schlug nicht ein.

Apropos Publikum. Nicht im­mer gelang es, alle Zuschauer unterzubringen, trotz kurzfti­stiger Zusatzvorstellungen. Dass die Räume nach sieben

Festivaljahren zu klein gewor­den sind, ist ein riesiger Erfolg für die Veranstalter und para­doxer Weise zugleich ihre größtes Problem. Es zu lösen, hätte wohl Folgen für die Ge­samtkonzeption. Vorsicht scheint geboten. Denn verläßt UNIDRAM zugunsten ande­rer, größerer Orte seinen ange­stammten Platz, womöglich festen Boden unter den Füßen. Und nicht zuletzt wohl seinen Charme. Wie sehr

verliert es

beides einander bedingt, ließ sich jeden Abend im Theater­Nacht-Cafe und bei den Par­ties beobachten, nicht zuletzt bei Diskussionsrunden und Workshops. Die neu kreierte Piroggenparty übrigens war ein liebevolles und kulinari­Gesamtkunstwerk

sches und

könnte in dem kommenden

Jahren Kultstatus erreichen. Von daher: auf ein Neues! PUTZ

Musikalische

Thank joufor the music heißt eine musikalische Revue, die Studierende des Institutes für Musik und Musikpädago­gik der Universität Potsdam aufführen. Im Mittelpunkt der Revue stehen die letzten 100 Jahre der populären Musik. Die Premiere ist am 10. Juli 2000 um 10.00 Uhr im Pots­damer Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64. Weitere Aufführungen finden am 1, Juli(Voraufführung) um 17.00 Uhr und am 10., 12. und 14. Juli 2000 jeweils um 19.00 Uhr im Treffpunkt Frei­zeit statt.

Kartenvorbestellungen für die Aufführungen sind telefonisch unter 0331/2896909 mög­lich. Der Eintritt kostet für Er­

Revue

wachsene 5,00 DM, für Kinder 3,00 Uhr.

PUTZ

Musik-Studierende der Uni Pots dam erarbeiteten eine Revue über 100 Jahre Popularmusik.

Foto: Fritze

Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm