PUTZ 6/00
Campus
Wirtschaft wird
profitieren
Eine Antwort auf Wilma Simon
Es stellt sich nach der Lektüre des Interviews mit der Finanzministerin Wilma Simon in der letzten PUTZ-Ausgabe die rhetorische Frage, ob man bedauern soll, dass Wilma Simon nicht über die Informationen aus der ersten Legislaturperiode des Landes Brandenburg verfügt, oder ob man sich freuen soll, dass sie damals noch nicht dabei war. Die von ihr bemängelte fehlende Kooperation mit Berlin hat natürlich stattgefunden. Brandenburg hat dank dieser Kooperation auf eine ganze Reihe kostspieliger Hochschuleinrichtungen verzichten können, die an sich zu der normalen Hochschulausstattung eines Landes gehören, weil sie in Berlin aus
Foto: Archiv
Hinrich Enderlein
reichend vorgehalten werden: Medizinische Fakultät mit Uni-Klinikum, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Pharmazie, Agrarwissenschaften und viele andere teure_naturwissenschaftliche und technische Spezialwissenschaften. Berlin hat zudem seine Studentenzahlen in Größenordnungen heruntergefahren, die Brandenburg gar nicht ausgleichen kann, auch nicht mit 12.000 Potsdamer Studierenden.
Weil Brandenburg mit Hochschulen unterversorgt war (keine Universität), hatten wir die Chance, eine extrem kostengünstige Hochschullandschaft aufzubauen, die den Be
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dürfnissen des Landes entspricht. Kleine Hochschulen, fünf auf die Wirtschaft bezogene Fachhochschulen(fehlende Kapazitäten in Berlin), die Viadrina(Polen— Osteuropabezug), BTU Cottbus (Umwelttechnologie) und so weiter. Potsdam war ein „Muss“, schon wegen der außeruniversitären Institute und der Lehrerbildung. Ohne die Uni Potsdam gäbe es die Institute auf dem Telegrafenberg nicht, es gäbe keine MaxPlanck-, Fraunhofer- und Blaue-Liste-Institute in Golm und anderswo. Aber zum Nulltarif gibt es das natürlich nicht. Brandenburg hat zehn Jahre lang weit weniger Mittel für seine Hochschulen ausgegeben als jedes andere Bundesland. Wenn unsere Verschuldung von zu hohen Ausgaben für die Hochschulen herrührte, müssten Länder wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen längst bankrott sein. Und die sind nicht einmal ein Maßstab bei der notwendigen Prioritätensetzung für die Wissenschaftsausgaben. Im übrigen wird Brandenburg auch bei einem vollen Ausbau seiner Hochschullandschaft dafür weniger Mittel aufwenden müssen als andere Bundesländer. Aber der Wirtschaftsstandort wird davon profitieren. Drei brandenburgische Wirtschaftsminister aus drei verschiedenen Parteien haben immer als ersten Standortvorteil für Brandenburg die Wissenschaftslandschaft genannt. Wenn die Finanzierung dafür nicht aufgebracht wird— dabei sollten wir wenigstens in die Nähe der Ausgaben anderer ostdeutscher Länder kommen— wird Wilma Simon auch in weiteren zehn Jahren den Haushalt des Landes nur zu 50 Prozent aus eigenen Einnahmen finanzieren können. Oder anders: Hoffentlich dann nicht mehr Wilma Simon.
Hinrich Enderlein/
Aufbauminister a.D.
Workshop an Uni
Transformationsprozesse in Mittel- und Osteuropa in den vergangenen Jahren beschäftigten kürzlich Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler
aus Russland, Polen und Deutschland. Sie trafen sich zu einem zweitägigen
internationalen Workshop an der Universität Potsdam. Zum Thema„So
zioökonomischer Wandel in Transformationsländern— Reformen auf dem Prüfstand“ Inden die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam und die Friedrich-Ebert-Stiftung zu ihrer Tagung ei
PUTZ/Foto: Tribukeit
Länderfusion
„Gemeinsam Einsam: Die Region Berlin-Brandenburg“ lautet der Titel einer am 15. Juli 2000 im Uni-Komplex Griebnitzsee(Raum 2.32) ab 10.00 Uhr stattfindenden Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung-Brandenburg, des Bereiches„Politische Theorie“, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam sowie der studentischen Projektgruppe„Fusion“. In dem Workshop soll aus verschiedenen Blickwinkeln der Frage nach einem gemeinsamen Bundesland nachgegangen werden. Im zweiten Teil des Workshops wird man sich mit den konkreten Rahmenbedingungen in Brandenburg beschäftigen. Des Weiteren erfolgt ein Rückblick auf die Ursachen des Scheiterns der Abstimmung zur Länderfusion 1996.
PUTZ
Existenzgründung
Im Wintersemester 2000/0 bietet die Universität Potsdai mit d
in Zusammenarbeit Fachhochschule Potsdam€
Lehrprogramm für Existenz
gründer an. Dieses Program! startet mit einem Assessemen?Center, das sich mit. der‘persönlichen Eignung als Ex stenzgründer beschäftigt.} folgt ein 2-tägiger Workshop,
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der den Teilnehmern einen ersten Überblick verschafft. Dieser wird in einem semesterbegleitenden Basic-Kurs vertieft. Weiterer Bestandteil des Programmes ist ein von Dieter Wagner, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen an der Uni, entwickeltes Planspiel. Weitere Informationen bei: Alexander Böhne in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät unter Tel.: 0331/977 —3517. PUTZ
Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm