PUTZ 6/00
Sport
„Der Zustand ist noch nicht ideal”
Gernot Badtke zum Doping im Sport
Der Doping-Prozess gegen den ehemaligen DDR-Sportfunktionär Manfred Ewald und einen führenden DDRMediziner sorgte erst kürzlich wieder für negative Schlagzeilen zum"Thema Doping im Sport. Beiden wird schließlich Beihilfe zur Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage hatten sie die Vergabe von männlichen Hormonen an minderjährige Sportlerinnen gesteuert. In welchem Umfang sich dieser Vorwurf bestätigt, wird das weitere Verfahren zeigen. Doch das Problem selbst ist damit nicht vom Tisch. PUTZ-Redakteurin Petra Görlich befragte dazu Prof. Dr. Gernot Badtke, den Geschäftsführenden Leiter des Instituts für Sportmedizin und Prävention der Uni Potsdam.
Doping, nicht nur im Sport, scheint Tradition zu besitzen. Wo liegen eigentlich seine historischen Quellen? Badtke: Das Wort Doping wurde 1889 erstmals in einem englischen Lexikon erwähnt. Gemeint war damit eine Mischung aus Opium und Narkotika zum Einsatz bei Pferderennen. Die Wurzel des Worts kommt jedoch aus einer Eingeborenensprache, die die Kaffern im südöstlichen Afrika benutzten. Die Buren nahmen nach ihrer Vertreibung aus Kapland und ihrer Ansiedlung in Transvaal das Wort„dop“ auf. Es bezeichnete einen Ilandesüblichen schweren Schnaps, der bei Kulthandlungen und religiösen Feiern der Kaffern als Stimulans Verwendung fand.
Schon 1913 warnte der deutsche Sportarzt Willner davor, dem Doping weiterhin gleichgültig gegenüberzustehen. Er beklagte damals den Missbrauch von Alkohol, Cola, Kokain, Strychnin und Arsen. Was folgte daraus für den Sport?
Badtke: Nun, es verging noch eine lange Zeit, bis Taten folg
22
ten. Und das, obwohl man schon im 19. Jahrhundert den ersten Todesfall durch Medikamenteneinnahme beim Sport dokumentierte. Erst 1955 jedenfalls gab es dann erste Dopingkontrollen beim Radsport in Italien.
In der heutigen Zeit geht es im Sport wie überall um Geld. Das bestimmt offensichtlich zunehmend die Wahl der Mittel. Was aber können Dopingsubstanzen tatsächlich leisten?
Badtke: In aller Regel ist es nicht möglich, Höchstleistungen nur durch die Einnahme der Mittel allein zu erreichen. Die Stoffe beeinflussen meist nur einzelne Systeme des Organismus. Konsequentes Training bleibt also auch beim Sünder unerlässlich. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Tatsache, dass zum Doping im Sport neben bestimmten Substanzen ebenfalls einzelne Methoden und Maßnahmen zählen. Dazu gehört beispielsweise das Blut-Doping.
Leitet das Institut für Sportmedizin und Prävention der Potsdamer Uni: Prof. Dr. Gernot Badtke
Bei der überwiegenden Zahl der auf den Dopinglisten stehenden Substanzen handelt es sich um Stoffe, die in der Medizin als Medikamente gelten. Das bringt für die Sportler vermutlich handfeste Probleme?
Badtke: Das stimmt. Ist ein Sportler darauf angewiesen,
Medikamente zu nehmen, muss er zwangsläufig auf die nicht gelisteten zurückgreifen. Es gibt eine Zusammenstellung der erlaubten Präparate vom Deutschen Sportärztebund. Sie enthält sechs Prozent der in der sogenannten „Roten Liste“ aufgeführten zugelassenen Medikamente. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass nahezu 94 Prozent aller für die Allgemeinheit zugelassenen Präparate bei Sportlern auf die eine oder andere Weise den Dopingmitteln zugeordnet werden.
Demnach können bei Unachtsamkeit Verstöße gegen die Regeln schnell passieren. Durch angesagte oder ohne Anmeldung erfolgende Kontrollen kommen sie ja meist ans Tageslicht. Wie steht es um diese Maßnahmen eigentlich?
Badtke: Der Zustand ist noch nicht ideal. Aber es gibt ganz klare Festlegungen. Jeder Fördersportler, der für Deutschland startet, hat sich den Kontrollen zu unterziehen. Und das nicht nur während der Wettkämpfe, sondern auch während des Trainings oder sogar im Urlaub. Für den Einzelnen bedeutet dies natürlich eine gewisse Einschränkung seiner persönlichen Freiheit. Was mich an der gegenwärtigen Praxis jedoch stört, sind die immer wieder auftretenden Indiskretionen bei ersten Verdachtsmomenten. Hier sollte mehr Seriosität walten. Vor allem plädiere ich für eine gründliche Einzelfallprüfung, bevor Urteile die Runde machen.
Neben der vom Internationalen Olympischen Komitee festgelegten und ständig aktualisierten Dopingliste existieren weitere. Worum handelt es sich?
Badtke: Auch den Verbänden bleibt es überlassen, DopingListen zu erstellen. Die werden international abgestimmt. Der Grund für dieses Vorgehen liegt in der Unterschiedlichkeit der Disziplinen. Eine Sub
stanz, die Aufregung mindert, nutzt beispielsweise dem Schützen. Für den Sprinter ist sie nicht von Interesse.
Jetzt stehen die Olympischen Spiele in Sydney vor der Tür. Erwarten Sie„saubere“ Wettkämpfe?
Badtke: Ja, schon. Es wird saubere Wettkämpfe geben. Dennoch rechne ich mit vereinzelten Dopingfällen. Die blieben auch bei vergangenen Spielen nicht aus.
Sie werden das Geschehen hautnah miterleben dürfen, Der Deutsche Ruderverband schickt Sie vor Ort. Welche Aufgabe hat man Ihnen übertragen?
Ich werde dort überwiegend chirotherapeutisch und neı raltherapeutisch arbeiten, natürlich auch für Aktive anderer Disziplinen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Bangladesh
Land für Landlose
Zwei Drittel der Männer arbeiten in Bangladesh als Tagelöhner auf den Feldern der Reichen. Das Staatsland, auf das laut Geset:
nur die Landlosen Anspruch ha
ben, hat sich oft genug die reiche Elite mit gefälschten Papieren angeeignet.
Für die Rechte der Landlosen setzt sich unser Projektpartne: Samata ein: Mit Landbesetzungen und Gerichtsprozessen hat er inzwischen rund 1.400 Familien zu Staatsland verholfen. Samata bietet neben Krediten auch| Alphabetisierungs- und betriebswirtschaftliche Kurse an und verbessert gezielt die Situation der Frauen.
„Brot für die Welt“ unterstützt Samata und andere engagierte Partner in den Notregionen unserer Einen Welt. Unterstützen Sie uns- auch hierbei. Mit Ihrer Spende. Danke.
Postfach 101142
70010 Stuttgart ro 500 500-500\ 7) we Postbank Köln ar ae
BLZ 370 100 50«x