Heft 
(1.1.2019) 06
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PUTZ 6/00

Sport

Der Zustand ist noch nicht ideal

Gernot Badtke zum Doping im Sport

Der Doping-Prozess gegen den ehemaligen DDR-Sport­funktionär Manfred Ewald und einen führenden DDR­Mediziner sorgte erst kürz­lich wieder für negative Schlagzeilen zum"Thema Doping im Sport. Beiden wird schließlich Beihilfe zur Körperverletzung vorgewor­fen. Laut Anklage hatten sie die Vergabe von männlichen Hormonen an minderjährige Sportlerinnen gesteuert. In welchem Umfang sich dieser Vorwurf bestätigt, wird das weitere Verfahren zeigen. Doch das Problem selbst ist damit nicht vom Tisch. PUTZ-Redakteurin Petra Görlich befragte dazu Prof. Dr. Gernot Badtke, den Ge­schäftsführenden Leiter des Instituts für Sportmedizin und Prävention der Uni Potsdam.

Doping, nicht nur im Sport, scheint Tradition zu besit­zen. Wo liegen eigentlich seine historischen Quellen? Badtke: Das Wort Doping wurde 1889 erstmals in einem englischen Lexikon erwähnt. Gemeint war damit eine Mi­schung aus Opium und Narko­tika zum Einsatz bei Pferde­rennen. Die Wurzel des Worts kommt jedoch aus einer Ein­geborenensprache, die die Kaf­fern im südöstlichen Afrika be­nutzten. Die Buren nahmen nach ihrer Vertreibung aus Ka­pland und ihrer Ansiedlung in Transvaal das Wortdop auf. Es bezeichnete einen Ilan­desüblichen schweren Schnaps, der bei Kulthandlungen und religiösen Feiern der Kaffern als Stimulans Verwendung fand.

Schon 1913 warnte der deutsche Sportarzt Willner davor, dem Doping weiter­hin gleichgültig gegenüber­zustehen. Er beklagte damals den Missbrauch von Alko­hol, Cola, Kokain, Strychnin und Arsen. Was folgte dar­aus für den Sport?

Badtke: Nun, es verging noch eine lange Zeit, bis Taten folg­

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ten. Und das, obwohl man schon im 19. Jahrhundert den ersten Todesfall durch Medika­menteneinnahme beim Sport dokumentierte. Erst 1955 je­denfalls gab es dann erste Do­pingkontrollen beim Radsport in Italien.

In der heutigen Zeit geht es im Sport wie überall um Geld. Das bestimmt offen­sichtlich zunehmend die Wahl der Mittel. Was aber können Dopingsubstanzen tatsächlich leisten?

Badtke: In aller Regel ist es nicht möglich, Höchstleistun­gen nur durch die Einnahme der Mittel allein zu erreichen. Die Stoffe beeinflussen meist nur einzelne Systeme des Or­ganismus. Konsequentes Trai­ning bleibt also auch beim Sünder unerlässlich. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Tatsache, dass zum Doping im Sport neben bestimmten Sub­stanzen ebenfalls einzelne Me­thoden und Maßnahmen zählen. Dazu gehört beispiels­weise das Blut-Doping.

Leitet das Institut für Sportmedizin und Prävention der Potsdamer Uni: Prof. Dr. Gernot Badtke

Bei der überwiegenden Zahl der auf den Dopinglisten ste­henden Substanzen handelt es sich um Stoffe, die in der Medizin als Medikamente gelten. Das bringt für die Sportler vermutlich handfe­ste Probleme?

Badtke: Das stimmt. Ist ein Sportler darauf angewiesen,

Medikamente zu nehmen, muss er zwangsläufig auf die nicht gelisteten zurückgreifen. Es gibt eine Zusammenstel­lung der erlaubten Präparate vom Deutschen Sportärzte­bund. Sie enthält sechs Pro­zent der in der sogenannten Roten Liste aufgeführten zugelassenen Medikamente. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass nahezu 94 Prozent aller für die Allgemeinheit zu­gelassenen Präparate bei Sport­lern auf die eine oder andere Weise den Dopingmitteln zu­geordnet werden.

Demnach können bei Un­achtsamkeit Verstöße gegen die Regeln schnell passieren. Durch angesagte oder ohne Anmeldung erfolgende Kon­trollen kommen sie ja meist ans Tageslicht. Wie steht es um diese Maßnahmen ei­gentlich?

Badtke: Der Zustand ist noch nicht ideal. Aber es gibt ganz klare Festlegungen. Jeder För­dersportler, der für Deutsch­land startet, hat sich den Kon­trollen zu unterziehen. Und das nicht nur während der Wettkämpfe, sondern auch während des Trainings oder sogar im Urlaub. Für den Ein­zelnen bedeutet dies natürlich eine gewisse Einschränkung seiner persönlichen Freiheit. Was mich an der gegenwärti­gen Praxis jedoch stört, sind die immer wieder auftretenden Indiskretionen bei ersten Ver­dachtsmomenten. Hier sollte mehr Seriosität walten. Vor al­lem plädiere ich für eine gründliche Einzelfallprüfung, bevor Urteile die Runde ma­chen.

Neben der vom Internatio­nalen Olympischen Komitee festgelegten und ständig ak­tualisierten Dopingliste exi­stieren weitere. Worum han­delt es sich?

Badtke: Auch den Verbänden bleibt es überlassen, Doping­Listen zu erstellen. Die werden international abgestimmt. Der Grund für dieses Vorgehen liegt in der Unterschiedlichkeit der Disziplinen. Eine Sub­

stanz, die Aufregung mindert, nutzt beispielsweise dem Schützen. Für den Sprinter ist sie nicht von Interesse.

Jetzt stehen die Olympischen Spiele in Sydney vor der Tür. Erwarten Siesaubere Wettkämpfe?

Badtke: Ja, schon. Es wird saubere Wettkämpfe geben. Dennoch rechne ich mit ver­einzelten Dopingfällen. Die blieben auch bei vergangenen Spielen nicht aus.

Sie werden das Geschehen hautnah miterleben dürfen, Der Deutsche Ruderverband schickt Sie vor Ort. Welche Aufgabe hat man Ihnen übertragen?

Ich werde dort überwiegend chirotherapeutisch und neı raltherapeutisch arbeiten, natürlich auch für Aktive ande­rer Disziplinen.

Vielen Dank für das Ge­spräch.

Bangladesh

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