PUTZ 7/00
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Wenn alle Brünnlein fließen...
Wassertreppe erhält neues Antlitz
Die Bundesgartenschau 2001 wirft ihre Schatten voraus. Sie fallen unter anderem in den Botanischen Garten der Universität Potsdam. Da sich die Einrichtung zur Schau glänzend präsentieren will, wird fleißig Hand angelegt.
Eine Sanierung soll zum Beispiel die im Paradiesgarten liegende Wassertreppe erhalten. Dort plätschert es schon lange nicht
italienischen Garten
IVz aus der Renaissance und der
architektur dieser Zeit.
Skulpturen aufwendig
An’ der Treppe hat seither‘ der Zahn der Zeit genagt. Wann genau ihre Sprudel eigentlich versiegten ist unklar. Jetzt jedenfalls ‚wollen die Experten zunächst die schadhaften Stellen an den Stufen und in: den
Jetzt im Herbst beginnen die Arbeiten an der im Paradiesgarten liegenden
Wassertreppe. Zur Buga 2001 soll sie wieder in Betrieb gehen.
mehr. Astrid Fritsche, Kunsthistorikerin bei der Sriftung Preußische Schlösser und Gärten, hat genaue Vorstellungen über das künftige Aussehen jenes steinernen Zeugnisses vergangener Zeit.
Ludwig Ferdinand Hesse errichtete es um 1842. Die Inspiration dazu stammt offensichtlich, wie alles unter der Regentschaft Friedrich Wilhelm
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Foto: Fritze
Randbereichen beseitigen. Eine Überholung erfahren dabei auch die zerfallenen Ziegelsteintreppen beiderseits des Wasserfalls.
Zudem stehen aufwendige skulpturelle Arbeiten an. So sollen. zwei: Steelen.‘ mit
Kapitellen in Gestalt männlicher Köpfe wieder hergestellt werden.“Wenn wir das bis zur Buga schaffen wollen, müssen wir uns schr anstrengen”, hält‘sich
Fritsche allerdings eher bedeckt. Optimistisch zeigt sie sich dagegen bei der Rekonstruktion des albanischen Gitters und des mit einem Löwenkopf versehenen Pfeilers, auf dem ein größerer Wasserspeier zu bewundern sein wird. Eine neu zu schaffende steinerne Vase komplettiert das spätere| Gesamtbild.“Die Vorlagen”, so Fritsche dazu; “sind so detailliert, dass man mit Beispielen aus der Zeit dem Original sehr nahe kommt”.
Rekonstruktion mit
Ausnahme
Bei der Realisierung des Vorhabens hat man sich viel vorgenommen. Ganz im alten Glanz erstrahlt die Wassertreppe dennoch nicht wieder. Grund dafür sind die Vasen im Mauerbereich. Sie stammen erst aus der Zeit um 1900. Zuvor jedoch hatte Friedrich Wilhelm IV. zu besonderen Anlässen hier gläserne Vasen aufstellen lassen.“An der Stelle weichen wir vom ursprünglichen Zustand ab und bleiben bei der überlieferten Form“, gibt die Kunsthistorikerin zu.
Nach der Instandset-zung der Treppe nimmt das kühle Nass den Weg von der Potsdamer Moschee hinein in den Park. Das entspricht alter Tradition. Denn schon seit 1842/43 werden die Wasserspiele im Park Sanssouci von dem Pumpwerk gespeist. Um die Bepflanzung des gartenarchitektonischen Kleinods kümmern sich die Botaniker der Uni. Sie planen, den Besuchern mit prachtvoll blühenden Zwerggehölzen Genuss fürs Auge zu bieten. Doch damit alle Planungen tatsächlich klappen, müssen. Gelder‘fließen. Vom Freundeskreis des Botanischen Gartens kommen 40.000 DM. Den Löwenanteil an der Verwirklichung des Projekts trägt jedoch die Schlösserstiftung.
P.G:
Wandel und Neubeginn
Dass es durchaus möglich ist, Verhältnisse und Akteure von ideologischen Überzeichnungen zu befreien und neu zu beur teilen, zeigen die Autoren des Bandes“Zur Geschichte. der Botanik in Berlin und Potsdam”.
Sie nutzten für die Realisierung ihres Anliegens Dokumente und Zeitzeugnisse insbesondere der Nachkriegs- und Aufbaujahre und Zeit des Krieges. Schwerpunkte der Beiträge von 23 Biologen aus Ost und West bilden unter anderem die Wurzeln und Zweige der Botanik in Berlin und Potsdam und das Wirken herausragender Vertreter der Nachkriegszeit. Es geht des Weiteren um die Erneuerung der Naturwissenschaften in Berlin nach 1945, die Etablierung neuer Forschungs: richtungen wie der Pflanzenbiochemie,-ökologie und-soziologie, der Stadtökologie und um die Entwicklung von Regionalfloristik und Natur schutz.
aus’ der Kalten
Im Mittelpunkt des Buches stehen die Landes- bzw. Pädagogische Hochschule und ihr‘ Botanisches Institut im Potsdam. Entwickelte es sich doch in den 50-er Jahren zu einem der Zentren der Botanik in Deutschländ. Die Visionen und Konflikte der Aufbaujahre spiegeln sich prägnant im Wirken Prof. Dr. Wolfgans Müller-Stolls wider. Er begrün dete das Botanische Institut und den Botanischen Garten in Sanssouci. Aufgrund seines Öffentlichen Protestes gegen den Bau der Mauer 1961 verlor er sein Lehramt.
Die Autoren nehmen den 90. Geburtstag von Müller-Stoll zum Anlass,“ihm diesen Band als postume Reverenz vor einem herausragenden Botaniker und verehrten akademischen Lehrer zu widmen”.
B.E.
Frank Kössler, Ekkehard Höxtermann(Herausgeber) Zur Geschichte der Botanik in Berlin und Potsdam. Wandel und Neubeginn nach 1945 Berlin 1999, ISBN 3-929134 28-4, 82,50 DM.