Absolventen
PUTZ 7/00
...und natürlich Sprachen lernen
Im Gespräch mit einem“Ehemaligen”
Mit einem abgeschlossenen Grundstudium in den Fächern Sport, Englisch und Geschichte an der Universität Freiburg im Breisgau zog es Tilo Friedmann 1995 an die Universität Potsdam. Die Spezialisierung auf dem Gebiet des Sportmanagements ermöglichte es ihm nach erfolgreicher Beendigung seines Studiums 1998 über den Weg eines dreimonatigen Praktikums eine feste Anstellung in einem der begehrten Büros der belgischen Hauptstadt zu bekommen. In der“Schaltzentrale der europäischen Politik” arbeitet der“Ehemalige” jetzt als Referent des EU-Büros des deutschen Sports. Mit Tilo Friedmann sprach für PUTZ Ronald Huster.
Wie muss man sich Ihre Arbeit im EU-Büro des deutschen Sports in Brüssel vorstellen?
Friedmann: Das EU-Büro wurde 1993 ‚auf Initiative des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees, in Brüssel Unsere Hauptaufgabe ist es, die Interessen des organisierten Sports gegenüber den Institutionen der Europäischen Union zu vertreten. Man muss sich das so. vorstellen: Das“Produkt” eines Lobby-Büros sind Informationen. Deshalb stehen wir in ständigem Kontakt mit den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den Beamten der Kommission und Kollegen aus anderen Büros. Je früher man von einem Gesetzentwurf oder einer Initiative erfährt, umso mehr Zeit bleibt für uns, darauf zu reagieren. Wir beraten dann unsere Kooperationspartner mittlerweile sind dies sieben Nationale Dachsportverbände sowie die Vereinigung des Europäischen Olympischen KoMitees- in all ihren“europäischen Anliegen”. Wir möchten natürlich möglichst frühzeitig den jeweils zuständigen EntScheidungsträgern verdeutlichen, welche Auswirkungen eine neue Gesetzgebung oder Politik auf die rund 70.000 Sportvereine in Europa haben
eingerichtet.
wird. Wir beraten auch vor Ort, beispielsweise den Landessportbund Brandenburg über Förderprogramme der EU oder darüber, wie sich der Sport in diese einbringen kann.
Das EU-Büro definiert sich also als eine Art Verbraucherzentrale des organisierten Sports. Können Sie Ihr Tätigkeitsfeld an einem aktuellen Beispiel konkretisieren?
Friedmann: Wir nennen rangig Ansprechpartner aus den EU-Institutionen, vermitteln
VOor
gelegentlich aber auch bei konkreten“Hilferufen”. So konnten wir einem deutschen
Tauchlehrer, der seit Jahren auf den griechischen Inseln arbeitet, weiterhelfen, als die örtlichen Behörden ihm—- und anderen EU-Bürgern— plötzlich eine
_.
Wechselte von der Universität Freiburg
Brüssel: Tilo Friedmann.
unerfindlichen und
Lizenz aus Gründen verweigerten somit seine berufliche Existenz in Frage gestellt wurde. Mit unseren Informationen über entsprechende Richtlinien der EU hat sich der Tauchlehrer dann nochmals an die Behörden und die Vertretung der Europäischen Kommission in Griechenland gewandt. Das «Missverständnis” war in diesem Fall dann schnell aufgeklärt und die Lizenz ausgestellt.
Sie wollten nach Beendigung des Grundstudiums in
Freiburg die Ausbildung an einer anderen Universität fortsetzen. Warum haben Sie sich gerade für die Universität Potsdam mittem im Brandenburgischen entschieden?
Friedmann: Ich wollte an eine “Ost-Uni” und zudem als Schwerpunkte Betriebswirtschaftslehre und Jura studieren. Diese Kombination bot neben Potsdam auch die Uni in Leipzig an.(Beide hatte ich mir angeschaut. Das Uni-Institut in Potsdam war mir auf Anhieb sympathischer. Zudem nahm sich Dr. Detlef Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdamer Institut, im Gegensatz zu seinent Leipziger, Kollegen für meine Beratung wirklich Zeit. Das gefiel mir sofort.
nach Potsdam und arbeitet nun in Foto: privat
Das Fehlen praxisrelevanter Aspekte im Studium wird von vielen Studierenden bemängelt. Wo sollten Ihrer Meinung nach die Studierenden selbst. ansetzen, um das Veränderungen herbeizuführen?
Friedmann: Sich nur darüber zu beklagen, hilft nicht weiter. Die Studenten sollten sich mit den Dozenten über mögliche Alternativen beraten, konstruktive Vorschläge einbringen, Personen einbinden, die theoretischen Schwerpunkte des Studiengangs tagtäglich in
ihrem Job umsetzen. Bewegt sich trotzdem nichts und bietet ein andere Uni bessere Perspektiven: Mut haben und wechseln! Unabhängig davon, sind es wirklich die altbekannten Dinge, die meist weiterhelfen: Interesse zeisen über äden “Tellerrand” hinausschauen, offen sein für andere Menschen und Meinungen und natürlich Sprachen lernen!
Sie sind jetzt in Brüssel. Haben Sie trotzdem noch Kontakte zur Universität Potsdam?
Friedmann: Zu einigen, die ich damals in Potsdam kennengelerntähabe Szibt es auch heute noch regelmäßigen Kontakt. Ich bin des öfteren in Berlin, da ist der Weg auf einen Burger und ein Bier ins“Hafthorn” nicht weit. Bereits zu meiner Zeit gab es seitens des Sportinstituts Überlegungen, einen“Ehemaligen-Club” aufzubauen. Bislang ist es aber wohl bei den Plänen geblieben. Das finde ich schade.
Vielen Dank für das Gespräch.
Tilo Friedmann ist erreichbar im EU-Büro des deutschen Sports 89, ave. Cortenbergh, B - 1000 Brüssel,); E-Mail: friedmann@eu-sportsoffice.org
Karriereführer
Welche Bildungsmöglichkeiten die neuen Medien bieten und wie der Arbeitsmarkt für Computer-Fachleute heute eigentlich aussieht, beschreibt der neue Karriereführer Special Informationstechnologie. Der Ratgeber für Hochschulabsolventen hat das Schwerpunktthema“EDucation: Lernen‘ mit. der Maus”. Im. Heft gibt es auch einen aktuellen Service.
PUTZ
Karriereführer Special Informationstechnologie, Ausgabe 1/2000, Dietrich Schirmer
Verlag, Köln 2000, 160 Seiten, 18 DM, ISBN 3931400-29-8
13