Heft 
(1.1.2019) 07
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Forschung

PUTZ 7/00

Kaum spürbarer Wandel

Westeuropäische Parlamentarierinnen in traditionellen

Ausschüssen

In den letzten Jahren steigerte sich der Frauenanteil in vielen westeuropäischen Parlamen­ten mehr oder weniger deut­lich. Dennoch erreichte das Zeitalter der Emanzipation die Parlamentsausschüsse bisher nur teilweise. Nach wie vor liegen die Schwerpunkte weib­licher Parlamentsarbeit im Bereich der Kultur-, Gesell­schafts- und Sozialpolitik.

Eine weibliche Domäne jedoch scheint die Rechtspolitik zu sein. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Untersuchung von Politikwissenschaftlerin Dr.

neue

für die eigene Karriereentwick­lung wichtigeren Ausschüssen der Außen-, der Wirtschafts­und Finanzpolitik seien sie jedoch nicht im gleichen Maße wie Männer repräsentiert. Untersucht hat die-Uni­Mitarbeiterin die Parlamente in Ländern mit einem relativ hohem Frauenanteil. Dazu ge­hören zum Beispiel Schweden mit 43 Prozent, Finnland mit 37 Prozent, die Bundesrepublik Deutschland mit 31 Prozent. Aber auch Länder mit mittlerem oder niedrigem Fauenanteil, wie etwa Österreich oder Luxem­burg sind Teil der Analysearbeit

einen bestimmten Typus parla­mentarischer Ausschüsse ist selb­stgewählt. Die Politikerinnen bestätigten, dass sie nicht durch männliche Fraktionsvorsitzende behindert werden, sondern in ihren Wunschausschüssen sitzen. Doch nicht alles bleibt beim Alten. Man schafft sich auch eine neue Domäne. Dabei handelt es sich um die früher ebenfalls vor­wiegend männlich orientierte Rechtspolitik.In den bisher untersuchten Parlamenten sind Frauen in den Justizausschüssen im Vergleich zu ihrem Anteil im Gesamtparlament zumindest gleich, in manchen Parlamenten

Über- und Unterrepräsentation von Frauen

A Sn A A |

2,0

1,5

1,0+

0,5

8 Schweden Finnland Niederlande Deutschland Ha Österreich Belgien Luxemburg [@Finanzausschuß 3 1,0] 0,6 S_09 09 En 0,8 En 0,2 0,0 [@Auswärtiger Ausschuß SS 1,0 1,0 09 0,6 0,8 05 0,0 | ClAusschüsse für soziale Angelegenheiten 1,1 1,6 1,4 2,0 1,6 1,3 1,6

Abb.: zg.

Sabine Lemke-Müller aus der| gewesen. Lemke-Müller gibt| sogar weit überproportional Wirtschafts- und Sozialwissen-| sich nicht nur mit der Statistik| vertreten, unterstreicht Lemke­schaftlichen Fakultät der Uni| zufrieden, sondern will den| Müller. Potsdam. Ihre über online-| Ursachen des offensichtlich| Die Pilotstudie soll jetzt in Recherchen gewonnenen Er-| bestehenden Ungleichgewichts| einem gemeinsamen Projekt mit kenntnisse stehen im Gegensatz| auf die Spur kommen. Herbert Döring, Inhaber der zur landläufigen Auffassung, Blockieren die Männer ihre| Professur für Vergleichende

dass sich die Arbeitsschwer­punkte von Frauen und Män­dern heutzutage gleichmäßig über alle Felder-der Politik verteilen.Denn, so Lemke­Müller,auch im Zeitalter der Emanzipation existiert in den Parlamenten Westeuropas, selbst in denjenigen mit einem hohem Frauenanteil- außer in Schweden-, eine geschlechts­Spezifische Arbeitsteilung:

Frauen konzentrieren sich nach Wie vor verstärkt auf kulturelle Fragen sowie auf soziale und Sesell-schaftspolitische Themen der Fürsorge für andere. In den

weiblichen Kolleginnen oder ist soziales Engagement ein schon immer typisches weibliches Verhalten, lauten unter anderem ihre Fragen.

Klärungsbedarf herrscht nach ihrer Ansicht auch über die Vermutung, dass Frauen bei der Wahl der Ausschüsse lediglich ihren weiblichen Interessen nachgehen, wie sie sich häufig auch in der Wahl von Studien­fichern und in beruflichen Orientierungen niederschlagen.

Bisherige Erhebungsdaten zei­gen indessen: Die starke Präfe­Politikerinnen für

renz. von

Politikwissenschaft, weiterge­führt werden. Dabei ist geplant, sowohl die Fragestellungen als auch die Anzahl der untersucht­

em Länder, auszudehnen. Vorgesehen. ist in. diesem Zusammenhang auch das

Einbeziehen von Studenten, die Diplom- und Magisterarbeiten zum Thema verfassen können. Die Durchführung eines Pro­jektstudiums steht ebenfalls bevor. P.G:

Anfragen an hdoering@rz. uni­

Mueller@t-0 ne.d en

Sonderprogramme|

Die Humboldt-Stiftung hat zwei neue Sonderprogramme aufgelegt, die dem Wiederauf­

bau der Wissenschaft in Südosteuropa dienen.

Grundlage dafür bildet die Arbeit von insgesamt 1200 Wissenschaftlern in der Region, die mit Unterstützung der Stiftung bereits einen Auf­

enthalt in Deutschland absol­

vierten. Mit den neuen Pro­grammen ist es nun für sie möglich, erneut nach Deutsch­land zu kommen und ihr Wissen zu vertiefen.

Finanziert werden beide Sonderprogramme vom

Auswärtigen Amt im Rahmen desStabilitätspakts Südost­europa sowie von der Fritz Thyssen Stiftung. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter der Adresse: http://www.hum­boldt-foundation.de

PUTZ

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