Studiosi
PUTZ 7/00
Potsdam war ein Gewinn
Gastfamilienprogramm hilft ausländischen Studis
“Ich fahre mit ganz tollen Eindrücken nach Hause”, versicherte Sara Curreli bei ihrer Abreise am 28. Juni dieses Jahres. Die 21-jährige Erasmus-Studentin aus Genua weilte zuvor ein Jahr lang zu Gast an der Universität Potsdam. Dass sie am Ende ihres Aufenthaltes im Brandenburgischen so urteilen würde, hatte sie bei ihrem Studienbeginn zunächst kaum geglaubt. Denn das Heimweh machte ihr schwer zu schaffen. Für die Italienerin stand deshalb beim Abschied fest: Ohne die Teilnahme Gastfamilienprogramm und nach und nach gesammelte andere; ebenso schöne Erfahrungen hätte sie vielleicht aufgegeben.
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Zwei Semester lang hielt die
künftige Politikwissenschaftlerin engen Kontakt zu einer Familie
Sara Curreli gehörte zu den ersten Teilnehmern am Gastfamilienpro
gramm der Uni Potsdam. Gemeinsam mit ihr haben im vergangenen Studienjahr weitere fünf junge Ausländische Studierende das neue Angebot genutzt. Foto: Tribukeit
in Potsdam-Eiche. Dadurch gab es viele Gelegenheiten für sie, aus den Uni-“Mauern” zu kriechen und Einblick in den bundesdeutschen Alltag zu nehmen. Gemeinsam unternahm man eine Urlaubsreise, feierte Geburtstag, widmete sich den
Problemen der Kinder oder klönte einfach nur im gemütlichen Wohnzimmer.
Genutzt wurden vor allem die
Wochenenden. Beide Seiten fanden dann die. Zeit zu Unternehmungen, für die in der Woche zumeist die freien Stunden fehlten. Eingezogen ist Sara Curreli allerdings in die Eichener Wohnung nicht. Bei dem Gastprogramm setzt man vielmehr auf eine mit unterschiedlicher Intensität ausgestaltete Kontaktpflege, die jedoch nicht bis hin zum Wohnen unter einem Dach reicht.
Das hat durchaus seine Vorteile für die studentischen Teilnehmer. Denn im(Babelsberger Wohnheim schloss Sara Curreli zum Beispiel erst einmal Bekanntschaft mit Kommilitonen in gleicher Lage. Erasmus-Studierende aus Ungarn und Polen halfen ihr beim Zurechtfinden in fremder Umgebung.“Sie waren zugleich meine ersten Deutschlehrer”, erinnert sich die hübsche Norditalienerin. Nachdem sie nach und nach die vorhandenen Hürden gemeistert hatte, wollte sie schließlich mehr von Land und Leuten erfahren.“Meine Gastfamilie war ein Glücksfall”, so ihr Urteil im Rückblick. Man sei sich ganz unkompliziert nähergekommen, habe einander vertraut.“Ich muss mein vor dem eigentlich erst im zweiten Semester erfolgten genaueren Kennenlernen der Familie und auch anderer Potsdamer vorhandenes Bild von den Deutschen etwas korrigieren”, gab die junge Frau bei der Abreise zu. “Zwar sind die. Leute hier anfänglich vielleicht etwas verschlossener als bei uns zu Hause in Italien. Findet man jedoch den Draht zueinander, entstehen gute Freundschaften”, schwärmte sie. Den Freunden in Genua wolle sie auf jeden Fall davon erzählen.
Die Idee für das Gastfamilienprogramm stammt von Dr. Elke Brenstein aus dem Uni-Institut für Psychologie. Die Wissenschaftlerin hat das Angebot vor einem Jahr initiiert, um einigen der rund 900 an der Uni studierenden jungen Ausländer die Möglichkeit einzuräumen, besser am Alltag
der Deutschen teilnehmen zu können. Brenstein erhielt die Anregung dazu während ihrer 15-jährigen Studien- und Arbeitszeit in den USA, aber auch durch ähnliche rege Aktivitäten von Rektor-Gattin Christiane Loschelderä und Professoren-Frauen. Mit dem gegenwärtigen Stand bei der Umsetzung des Programms ist sie heute zufrieden.“Es geht in kleinen Schritten voran”, so ihr sachliches Fazit. Dass man um die weitere Ausgestaltung des Vorhabens nicht fürchten muss, hat sie unter anderemibeimilet; zten Sommerfest der Potsdamer Hochschulen auf dem Alten Markt erlebt. Rund 20 Familien meldeten sich‘ beimgemein; samen Stand der Akademischen Auslandsämter, die im nächsten Studienjahr im Programm mitmachen wollen. Pläne für die Zukunft des Projekts existieren auch schon. Künftig soll es zum Beispiel ein Picknick mit allen Bereiligten+ geben, könnte darüber hinaus ein gemeinsames Weihnachtsfest zum Highlight werden.
P.G.
Am—AGastfamilienprogramm interessierte Familien und Single-Haushalte können sich bei Dr. Elke Brenstein aus dem Institut für Psychologie der Uni Potsdam unter Tel.: 0331/977-2109 melden.
Wohin am Abend?
Im Unicum-Keller Am Neuen Palais gibt es im Oktober/Anfang November noch drei Veranstaltungen:
16. Oktober 2000: Konzert, “Die Elenden”(Folk/Punk, aus Schwedt), Beginn: 20.00 Uhr
30. Oktober 2000: Konzert, “Lake of Limit”(Folk,. aus Oldenburg), Beginn: 20.00 Uhr
08. November 2000: Konzert, “The ElemenTs”(Space-Rock aus Cottbus), Beginn: 20.00 Uhr
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BAföG-Beschluss
Ende September hat das Kabinett den neuen BAföGEntwurf verabschiedet. Nach dem Entwurf, der am 1. April 200 1 in Kraftätreten(soll; erhalten zukünftig mehr Studierende eine Ausbildungsförderung.
Die Anhebung der Elternfreibeträge um sechs Prozent könntedice Zahl de BAföGEmpfänger um rund 80 000 erhöhen. Das Kindergeld soll
nicht mehr in die BAföGBerechnung einbezogen werden. Neben der Zahl der
Geförderten wird dem neuen Gesetzentwurf zufolge auch der Fördersatz steigen. Der Höchstsatz soll in den alten und neuen Ländern einheitlich bei 1105 Mark liegen. Der Durchschnittssatz steigt von zurzeit 640 auf 730 Mark.
Der Entwurf sieht weiterhin vor, die Schuldenbelastung der BAföG-Empfänger auf 20 000 Mark zu begrenzen. Weitere Verbesserungen sind bei der Förderung des Auslandsstudiums und für Studierende mit Kindern vorgesehen.
Klausi Landfricd, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) A bezeichnetelden| Gesetzentwurf zwar als eine“deutliche Verbesserung der Ausbildungsförderung gegenüber dem derzeitigen Zustand”. Er kritisierte aber auch, dass die Förderung nach wie vor zu wenige Studierende erreiche. Außerdem fehlten weiter Darlehensmöglichkeiten für Studierende, die kein oder wenig BAföG bekommen.
Landfried verwies, darauf, dass auch nach den geplanten Erhöhungen die Netto-Ausgaben 1,5 Milliarden Mark unter denen des Jahres 1980 lägen. Die HRK bliebe weiter bei ihrer Forderung nach einer elternunabhängigen Förderung. Auch das Deutsche Studentenwerk sieht in der BAföG-Novelle eine deutliche Verbesserung der Ausbildungsförderung. Damit sei eine Plattform geschaffen,. um die. von der Koalition angekündigte strukturelle Reform endlich in Angriff zu nehmen.
urs
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