Heft 
(1.1.2019) 08
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PUTZ 8/00

Absolventen

Mit Leib und Seele Lehrer

Im Gespräch mit einemEhemaligen

Als Lehrer zu arbeiten, ist für ihn mehr als nur einen Job auszuüben. Die Arbeit mit Kindern macht dem 1964 in Potsdam geborenen Jörg Stiehl Spaß. Deshalb engagierte er sich während seiner Lehrertätigkeit von 1994 bis 1999 am Humboldt Gymnasium Potsdam und im Potsdam-Kolleg weit über das geforderte Maß hinaus. Trotzdem verließ Jörg Stiehl Potsdam und arbeitet jetzt als Referent für Computerschulungen bei SAP AG in Walldorf/Baden. Mit demEhemaligen, der an der Universität Potsdam Mathe­matik, Physik und Informatik studierte, unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt.

Fühlten Sie sich bei Ihrem Eintritt in den Schuldienst auf das Lehrerdasein gut vorbe­reitet?

Stiehl: Ja. Ich habe mein Studium noch an der Pädagogischen Hochschule

absolviert, und so stand die Pädagogik neben den Fächern

Mathematik und Physik im Mittelpunkt. Das fünfjährige Studium wurde mit einem Semester Schulpraktikum

abgeschlossen. Daran schloss

sich dann das zweijährige Referendariat an. Auch hier unterrichtete ich wöchentlich

schon zwölf Stunden und lernte im Haupt- und in den Fachseminaren einiges Neues zu den gesamtdeutschen Didaktiken.

Es ist kein Geheimnis, dass an unseren Schulen gut ausge­bildete Informatiklehrer fehlen. Worauf führen Sie das zurück?

Stiehl: Ich kenne viele gut aus­

gebildete, engagierte Informatiklehrer im. Land Brandenburg... Diese. reichen

aber nicht, um den Bedarf zu decken. Ganz allgemein würde ich zunächst sagen, dass im Moment für Informatiker kein Anreiz geschaffen ist, in den Schuldienst zu treten. Wer das

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Studium in der Informatik erfolgreich absolviert hat, findet sehr gute Angebote in der Wirtschaft. In meinem Fall war es so, dass mir nach dem drei­jährigen Zusatzstudium an der Universität Potsdam, wofür mir pro Semester 135,00 DM Studiengebühren auferlegt wur­

Engagiert sich für seine Schüler, ob Kinder oder Erwachsene: Jörg Stiehl. Foto: privat

den, eine Zweidrittel­Angestellten-Stelle(nach BAT OST- Zweidrittel von 84 Prozent des Gehaltes Lehrers beispielsweise in Berlin) angeboten wurde, obwohl ich bereits fünf Jahre im Schuldienst vorwiegend in der Sekundarstufe II eingesetzt war, nebenbei jährlich zwei Arbeits­gemeinschaften durchführte und (da ich der einzige Informatiker

eines

an der Schule war) ebenfalls nebenbei die gesamte Computer- und sonstige Technik an der Schule betreute und wartete. Zum anderen wurde gerade im Land Brandenburg die soziale Verantwortung seitens> des Bildungsministeriums be­

ziehungsweise Schulamtes ver­nachlässigt. Da die Entwicklung in der Informatik rasant schnell geht, müsste ein Informatiklehrer an vielen Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Natürlich auf eigene

Kosten. Man benötigt viel an zuußsäßtiz lich em Demonstrationsmaterial(zum Beispiel Kopien). Wer bezahlt Kopierpapier? Der Lehrer. Dann sind da ja auch die ein bis drei Klassenfahrten, Exkursionen jährlich. Ebenfalls bezahlt aus eigener Kasse. Was bleibt? Ein leeres Konto, da die Lebenshaltungskosten leider nicht auf Zweidrittel zurückge­hen.

Sie haben sich als Lehrer in Potsdam nicht nur im Unterricht engagiert, sondern waren darüber hinaus für die PC-Technik der Schule verant­wortlich, arbeiteten in der Schulkonferenz mit, erstellten Abituraufgaben und leiteten Arbeitsgemeinschaften. Was motivierte Sie zu diesen vielfältigen, nicht unbedingt selbstverständlichen Aktivitä­ten?

Stiehl: Die Schüler können nichts für diese schlechte Bildungspolitik im Land

Brandenburg. Sie wollten schon in der 7. Klasse Informatik beziehungsweise den Umgang mit dem Computer lernen. Es machte mir großen Spaß, mit ihnen in den Arbeitsgemeinschaften zu arbeiten. Nebenbei lernte ich auch einiges von ihnen. PC­Technik muss funktionieren. Wie soll Unterricht stattfinden, wenn das Netzwerk Probleme macht, die Tintenpatrone im Drucker: leer ist oder ein Anwendungsprogramm fehlt? Es war für mich eine Herausforderung, diese Technik zubesiegen und nicht tage­Jang auf einen; Techniker zu warten. In der Schulkonferenz versuchte ich mitzuhelfen, für unsere Schüler aus schlechten Situation Möglichste herauszuholen.

dieser das

Sie sind offensichtlich mit Leib und Seele Lehrer, Warum wechselten Sie dennoch zu SAP?

Stiehl: Ich bin auch bei der SAP Schulungsreferent, also weiter mit Leib und Seele Lehrer. Es

sitzen jetzt nicht mehr jüngere Menschen vor mir, sondern Erwachsene. Am Unterrichten selbst hat sich wenig für mich geändert. Aber, es steht jetzt immer die modernste Technik und liegt immer das neueste Schulungsmaterial im Schulungsraum. Mir wercen während der Arbeitszeit Möglichkeiten zur Fortbildung und zur Vorbereitung auf die neuen Kurse eingeräumt. ie SAP bietet ihren Mitarbeitern viele soziale Leistungen. Job­Ticket für öffentliche Verkehrsmittel, 24 Stunden Unfallversicherung, kostenlose

weltweit Altersversorgung, Sport- und Freizeitangebcte, Mittagessen und

kostenloses vieles mehr.

Was sollten Ihrer Meinung nach Studierende währen ihres Studiums tun, um sic selbst beim Übergang in di Berufstätigkeit vor einen Praxisschock zu bewahren?

Stiehl: Lehramtsstudenter würde ich empfehlen, Kontak zu einer Schule aufzunehmen um über die Praktika hinaus di eine oder ander Unterrichtsstunde zu speziellen Thema zu geben« def eine Arbeitsgemeinschaft 2 einer Schule zu führen. So als schon während des Studiums!! den Lehrerberu reinzuriechen, sich auszupro Alle anderer

einem

bieren. Studierenden sollten d Möglichkeit der Betriebspraktik nutzen. Viele Firmen un Betriebe bieten so etwas heul an. In meinem Arbeitsumfel gibt es einen Studenten, de schon mehrere Jahre dies Möglichkeit nutzt und für mich so eine Hilfe in meinen erst Monaten bei der SAP war.

Vielen Dank für das Gespräch

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Jörg Stiehl ist erreichbar über E-Mail: joerg.stiehl@sap.co oder

Kurpfalzstr. 90, 69226 Nußloch

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