Heft 
(1.1.2019) 08
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PUTZ 8/00

Fortsetzung von Seite 16

eines Regelwerks für die Durchführung der Globalisie­rung seitens des Fachministe­nums wegen der Aussichts­losigkeit einer Zustimmung des Finanzministeriums nicht weiter verfolgt werde. Die Weiterver­folgung dieser Überzeugungs­aufgabe aufzugeben, kommt der Selbstaufgabe der Funktion eines Fachministeriums gleich; heißt: sich bescheiden mit ver­walten statt zu gestalten! Nun gibt es zwar den Modellversuch Globalisierung, jedoch ohne berechenbares und verbindliches

Der kleine Striptease des Kanzlers während eines Uni-Sommerfestes hatte einen bitterernsten Hinter­rund: Als Bevollmächtigter für den Haushalt der Hochschule tand Alfred Klein bedingt durch aktuelle Sparauflagen bereits ohne Jacke, Hemd und Hose da.

Foto: Archiv Regelwerk. Damit ist ituation eingetreten, die lodellversuch als Erprobung euer Selbststeuerungsinstru­mente von herein zum scheitern verurteilt. Dies bele­en inzwischen die im Doppelhaushalt vollzogenen üinsparungen bei den Personal­litteln der Hochschulen für das aushaltsjahr 2001. Mit dem erbleibenden Etat sind kaum Och die Kosten für die beset­ten Stellen abgedeckt. Ein )mschichtungspotenzial zur Deckung von Haushaltslücken ür unvermeidliche Kosten, wie rsprünglich verabredet, besteht icht mehr.

eine

den

vorn

Das gemeinsame Ziel der Erhöhung der Steuerungs­fähigkeit der Hochschulen ist in meinen Augen damit beerdigt worden.

Leistungsbezogene Mittelverteilung

Auch hier ist von 1996 bis 1999 viel Zeit und Energie hoch­karätiger Ministerialbeamter und Hochschulkanzler in einer ge­meinsamen Arbeitsgruppe des Wissenschaftsministeriums der Hochschulen vergeudet worden, dassdieszu irgendwelchen Veränderungen der Budgetierung der Branden­burgischen Hochschulen ge­führt hätte. Der gesetzliche Auf­trag zur Orientierung der staat­lichen Finanzierung an den in Lehre und Forschung sowie bei der Förderung des schaftlichen Nachwuchses er­brachten Leistungen wird bisher nicht einmal für einen kleinen Teil der Finanzmittel eingelöst. So ist(es! bis heute beillder Fortschreibung einer im his­torischen Prozess der Gründung der Brandenburgischen Hoch­schulen zufällig gewachsenen Mittelverteilung geblieben. Dies entspricht weder dem heutigen Ausbaustand der Hochschulen noch gar ihren Leistungen, son­dern allein dem Stand der guten oder schlechten Beziehungen der Repräsentanten der Hoch­schulen zum jeweiligen Hoch­schulminister und seinen Zu­ständigen Leitungskadern.

und

ohne

wissen­

Dabei war es der gemeinsamen

Arbeitgruppe gelungen, ein auf

Volumen und Leistungskenn­ziffern beruhendes, hochschul­typenübergreifendes Modell einer preisbasierten Mittelver­teilung zu entwickeln. Dieses Modell schien auch hochschul­übergreifend zustimmungsfähig, weil es abstrakt zu einem rech­nerischen Mittelzuwachs bei allen Hochschulen führt. Herunter gebrochen auf die tat­sächlich vom Land zur Ver­fügung gestellte Verteilungs­masse wies das Modell jedoch ein großes Defizit bei der Finanzierung der Hochschulen insgesamt aus. Es gab zwar rela­tive Gewinner, aber auch absolute Verlierer. Bei dieser Lage konnten naturgemäß auch Vorschläge zu weichen Über­

gangsr. egelungen durch Verlust­

begrenzung auf niedrigem

Niveau, um den Verlierern hin­

reichende Zeit zu lassen, sich auf

den Regelkreislauf der neuen Budgetierung einzustellen, den ursprünglichen Konsens nicht retten. Das Wissenschaftsminis­

terien, muss die Struktur der Ministerialbürokratie weg von der einzelfallorientierten Fein­

steuerung hin zur Rahmenset­zung für ein modernes Perso­

Unter dem damaligen Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein hatte Alfred

Klein 1994 sein Kanzler-Amt angetreten.

terium erwies sich in dieser Situation als zu entscheidungs­schwach, in einer nicht mehr konsensfähigen Atmosphäre den gordischen Knoten durch eine eigene Entscheidung zu durch­schlagen. Es ließ stattdessen die Verlagerung der Diskussion in die Landesrektorenkonferenz zu. Das absehbaren Ergebnis war eine Verweigerungskoalition der Verlierer, die man erwarten konnte. Sprachlos macht, dass auch die Gewinner offensichtlich glauben, ohne formelgebundene Mittelverteilung beziehungs­und lobbybasiert mehr erreichen zu können. Im Doppelhaushalt gibt es 2001 folgerichtig nur noch Verlierer auf der Hochschulseite. Ob in dieser Lage der Landeshochschulrat zu einer konstruktiven Lösung beitragen kann, wird sich erweisen müssen.

Schlussfolgerungen

Ich frage mich nach sechs Jahren als Kanzler der größten branden­burgischen Hochschule, ob das Land Ministerien braucht, die Entscheidungen dort, wo sie solche treffen, sie so treffen, dass Reformansätze wie die Globa­lisierung ad absurdum geführt werden. Dort aber, wo die Ministerien gefordert wären, Entscheidung im Bereich der Veränderung von Strukturen und Verhaltensmustern zu tref­fen, diese eben nicht treffen, so dass die zu lösenden Probleme in zur Lösung unfähigen Struk­turen versacken. Unbeschadet der Wertschätzung vieler einzel­ner Mitarbeiter in den Minis­

Alfred; Klei

Foto: Archiv

nal-, Finanz- und Infrastruktur­management verändert werden. Dies bedeutet, dass viele gedop­pelte Wahrnehmungsfunktionen zwischen Ministerialbürokratie und Wissenschaftseinrichtungen im wörtlichen Sinne des Wortes vereinfacht werden müssen. Dies muss, anders und im Klartext gesagt, eine radikale Aufgaben­und Personalverschlankung der Ministerialbütokratie bedeuten. Solange sich diese von meinem Kölner Kollegen Dr. Johannes Neyses in der Zeitschrift Wissenschaftsmanagement vor­getragenen Forderungen nicht in konkreter Neudefinition und - zuteilung der Aufgaben, den Organisationsabläufen und den konkreten Arbeitsweisen wider­spiegeln, werden alle Reform­ansätze nur Stückwerk bleiben. Da nicht erwartet werden kann, dass üdie Frösche ihren Teich selbst trocken legen, möchte ich mich mit diesem Beitrag zum Abschied von meinem Amt gern als Klapperstorch nützlich machen. Alfred Klein

N, en 1945,

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