PUTZ 8/00
Foru
Hochschulpolitik in Brandenburg: Verwaltung statt Gestaltung
Rückblick des Kanzlers a.D., Alfred Klein
Nach sechs Jahren als Kanzler der Universität Potsdam habe ich mich entschieden, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Diese Entscheidung beruht überwiegend auf persönlichen Gründen, ist aber auch getragen von einer gewissen Enttäuschung über die weitere Gestaltungsfähigkeit der Brandenburgischen Hochschulentwicklung.
Bei allen Zweifeln, ob in einer Stunde Null die Brandenburgische Hochschullandschaft heute noch einmal so gestaltet würde, läßt sich doch festhalten, dass das Land Brandenburg seit der Wende als vordem beinahe hochschulfreie Landschaft ein durchaus beachtliches Aufbauwerk vollbracht hat, dessen Entwicklungsfähigkeit außer Frage steht. Dies bestätigt auch der Wissenschaftsrat. Für den bisherigen Erfolg kann man dem Land Brandenburg, seinen verantwortlichen Politikern und Administratoren Respekt aussprechen. Auch ich persönlich bin der Meinung, dass die regional- und strukturpolitisch motivierten Standortentscheidungen zur Ansiedlung der Hochschulen grundsätzlich richtig waren.«Ob allerdings die Region Lausitz‘ mit‘ einer Technischen Universität und einer Fachhochschule mit zum Teil fachlichen Überschneidungen ausgestattet werden musste,
bleibt wissenschaftspolitisch fraglich. Der Erfolg insgesamt darf
jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass weitere Anstrengungen des Landes unabdingbar sind. Kein Ostdeutsches Bundesland gibt weniger Geld für Hochschulen aus; als- Brandenburg. Die haarstreubende Unterfinanzierung seiner Hochschulen weist sich beispielsweise darin aus, dass für eine Hochschule der Größenordnung der Universität Potsdam mit 190
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Professuren und 12.000 Studenten nur noch insgesamt 750.000 DM jährlich für Reinvestitionen zur Verfügung stehen. Dies ist eine Summe, die nicht einmal für die Ausstattung einer einzigen Professur in hochexperimentellen Fächern ausreicht. Das Land steht damit an einem Scheideweg. Entscheidungen sind fällig, ob das Land in seiner politischen Prioritätensetzung bereit ist, für das bestehende Hochschulsystem die erforderlichen Finanzmittel zur Qualitätssicherung und zum Abschluss des geplanten Ausbaus der Hochschulen zur Verfügung zu stellen. Der Fehlbedarf in der Finanzierung der Hochschulen wird von mir derzeit auf mindestens 60 Millionen DM jährlich geschätzt.-Die wirtschaftlichen Synergieeffekte lohnen diese Investitionen, wie beispielsweise die Ansiedlung des Hasso Plattner Instituts in Potsdam zeigt, die es ohne die Universität Potsdam nicht gegeben hätte.
Kulissenschieben keine Lösung
Trotz entsprechender Beteu:erungen aus dem Munde der verantwortlichen Politiker des Landes ist die Bereitschaft der Landesregierung, entsprechende Prioritätsverschiebungen im Land vorzunehmen, im Doppelhaushalt 2000/01 nicht erkennbar. Im Gegenteil gehört das Ressort Wissenschaft, Forschung und Kultur zu den Ressorts mit hohen Verlusten auch in der mittelfristigen Finanzplanung. Da es auf der anderen Seite Ressortbereiche mit Zuwächsen gibt, ist die Argumentation, alle müssten sparen, unglaubwürdig. Insofern meine ich, dass die Hochschulen nicht weiter kaputt gespart werden dürfen. Die Folge wäre, dass das Hochschulwesen im Land Brandenburg auf niedrigstem finanziellen Niveau vor sich her dümpelt und langfristig die Qualität von Lehre und Forschung beschädigt wird.
Es bliebe bei dieser Situation nur die schlechtere Alternative, das an sich notwendige quantitative Bildungsangebot im Hochschul
wesen des Landes so einzu
schränken, dass das verbleibende Angebot auf einem vertretbaren
WANN
Auf dem Schreibtisch Alfred Kleins wurde es nie leer...
Foto: Tribukeit
finanziellen und qualitativen Niveau gehalten werden kann. Ein reines Kulissenschieben wie in den letzten zwei Jahren, wie beispielsweise die Einbeziehung von Drittmitteln in die Haushaltsansätze für. das Personal, mit der die Zuweisungen an die Hochschulen geschönt und Parlament und Öffentlichkeit über die Aufwendungen des Landes getäuscht werden, wird nicht mehr weiterhelfen. Hierdurch werden richtigen
im Ansatz Reformansätze des Landes desavouiert und diejenigen frustriert, die. bereit“sind; den Weg der Reform mit zu gestalten. Dies; möchte ich‘ an
die
zwei Beispielen, dem Modellversuch Globalisierung und dem
gesetzlichen Auftrag zur leistungsbezogenen Mittelverteilung, deutlich machen.
Modellversuch Globalisierung Im April 1997 wurde mit dem Ziel der Einrichtung Modellversuchs“Globalhaushalt 1999” eine Arbeitsgruppe im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur(MWIK unter Beteiligung Mitarbeitern des Ministeriums fü Finanzen Hochschul‘ kanzler eingerichtet. Klar wa allen Beteiligten, dass Hausha’ts; globalisierung voraussetzt, Cen Hochschulen einen Finanzie; rungsrahmen zu geben, der Planungssicherheit gewährleis tet. So verständigte man sich au eine auskömmliche Ausfinan zierung der Personalhausholt als stabiles Finanzierungsinstru ment. Des weiteren wurd anerkannt, dass der Globalisie rung ein Vverlässliches haus haltswirtschaftliches Regelwer zugrunde gelegt werden miss um die Fähigkeit zur Selbst steuerung zu gewährleisten. E gelang nicht, dies Voraussetzungen zum anzc strebten Beginn des Modellyer suchs 1999 zu erreichen, jedocd wurde ein einvernehmliche Entwurf eines Regelwerks und eine vertretbare Dotierung de Personalhaushalte der Hoch schulen rechtzeitig vor Begin des Haushaltsjahres 2000 erzielt
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Daraufhin erklärten vier Hoch Bereitschaft, am mitzuwirken
schulen: ihre Modellversuch Im Zuge der Beratungen d‘ Doppelhaushaltes der Jahr 2000/01: teilte dann da Ministerium für Wissenschafl Forschung und Kultur mit, da das Finanzministerium sein Einverständniserklärung zu" ausgehandelten Regelwerk z rückgezogen habe. Alarm rend an dieser Mitteilung W' die Feststellung dass Erarbeitung
resignative die
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