Titel
PUTZ 8/00
Nenn die Orientierung fehlt
Tutoren helfen bei Startproblemen
Der Einstieg ins Uni-Leben muss nicht im Chaos enden. Das jedenfalls erfahren seit Jahren Erstsemestler an der Uni Potsdam.
Ihr“Geheimrezept”: die Teilnahme an eigens für sie geschaffenen Orientierungstutorien. Eingegliedert sind diese in ein umfassendes Tutorenprogramm, das quasi per Schneeballeffekt funktioniert.
Die Fäden laufen in der Studienberatung der Hochschule zusammen. Dr. Sabina
Bieber, Dr. Irma Bürger und Dr. Marlies Reschke haben es, unterstützt von Psychologen Dr. Jörg Herboth, übernommen, die für
die“Neuen” auf verschiedenen Studieneingangsberatung oder auch
zudem Auskunft über das Programm.
die Qualifizierung der Tutoren zuständigen. Mentoren ausZubilden. Dafür verwenden sie viel Zeit. In rund 40 Stunden verMitteln die Studienberaterinnen beispielsweise Wissenswertes über die Planung und jestaltung von Veranstaltungen, tudiertechniken, die Aneiglung von Schlüsselkompetenen. Nach dieser Ausbildung eginnt dann die eigentliche Arbeit der Mentoren. Doch sie leiben dabei nicht auf sich llein gestellt, erfahren auch
Vom an der Uni existierenden Programm der Orientierungstutorien erfahren
weiter die Unterstützung der Studienberaterinnen.
Je zwei der Mentoren leiten gegenwärtig eine der drei existierenden Gruppen, in denen circa 15 bis 20 künftige Tutoren sitzen. Den Weg hierher haben sie entweder selbst über die Studienberatung gefunden oder ihre Studienfachberater erzählten ihnen vom Angebot. Geld gibt es schließlich auch: 310,DM fürs Semester.
Bevor es allerdings richtig losgeht, gilt es erst einmal, an zwei Wochenenden die Ohren zu spitzen. Denn um den Erstsemestlern später wirklich helfen zu können, müssen die Tutoren
Wegen. Sie sind Thema bei der bei den einzelnen Erstsemesterveranstal
tungen. Eine Tafel im Haus 8 auf dem Uni-Komplex Am Neuen Palais gibt
Foto: Fritze
selbst fit sein. In ihrer Ausbildung geht es zum einen um Lern- und Studiertechniken sowie das Selbstmanagement. Zum anderen erfolgt eine Festigung und praktische Anwendung des Erlernten durch
eigene Simulationen.
Sitzt alles, beginnt die Arbeit mit den“Neuen”.“Am Anfang”, so Irma Bürger,“kümmert man sich verstärkt um die soziale Integration der Uni-Neulinge
und im zweiten Teil des
Semesters spielen StudiertechnikenfeineRolle” SDannfstehen Aspekte des richtigen Aufbaus eines Reteratsäoder einer, Hausarbeit aberauch einer effektiven Zeiteinteilung im Mittelpunkt.“Ein bisschen richten sich die Inhalte natürlich danach, was die Erstsemestler in den Fächern brauchen erläutert die Studienberaterin.
Mit dem Verlauf der Orientierungstutorien können sie und ihre Mitstreiterinnen durchaus zufrieden sein.“Bis auf wenige Ausnahmen klappt es richtig gut”, schätzt denn auch Bürger ein. Das seit 1997 bestehende Angebot sei gefragt, erweise sich auch durch die vorhandene studentische Nähe als Vorteil.
Das wird auch durch die zum Ende eines jeden Wintersemesters erfolgende Evaluation des Programms unterstrichen. Erst die letzte anonyme Befragung unter Beteiligten ergab: Es kommt gut an. Immerhin haben 160 Erstsemestler geantwortet, von denen 77 Prozent an den Orientierungstutorien teilnahmen.
Fast jeder von ihnen hielt spezielle Veranstaltungen für Studienanfänger für erforderlich, begrüßte die Art und Weise des erlebten Angebots.
P.G:
Die Tutorenwerkstatt soll es auch in Zukunft weiter geben. An der Tutorentätigkeit interessierte Studierende können sich in der Zentralen Studienberatung(Tel.: 9771715) melden:
Die nächste Ausbildung findet voraussichtlich im Sommersemester 2001 statt.
Tutoren evaluieren Lehre
Die standardisierte Befragung von Studierenden zur Akzeptanz beziehungsweise Kritik der Lehre kennen alle aus den vorangegangenen Jahren. In der Humanwissenschaftlichen Fakultät wird diese Form der Evaluation jetzt ergänzt durch ein Projekt, das aus dem Innovationsfonds der Universität finanziert wird.
Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Aktivität des Instituts für Pädagogik und des Instituts für Psychologie. Studentische Tutoren begleiten gezielt ausgesuchte Veranstaltungen. Sie führen Einzel- und Gruppeninterviews mit Dozenten und Studenten durch und werden die Ergebnisse in die Veranstaltungen rückmelden und diskutieren. Auf diese Weise sollen die Perspektiven von Lehrenden und Studierenden systematisch erfasst werden. Sehr viel intensiver, als dies mit standardisierten Verfahren möglich ist, können dadurch die Wünsche beider Seiten dokumentiert und interpretiert werden. Im Rahmen eines hochschuldidaktischen Tages sollen im nächsten Frühjahr die Erkenntnisse diskutiert und auf Konsequenzen für die Gestaltung produktiver Lernprozesse hin untersucht werden.
Die studentischen Tutoren entwickeln gemeinsam mit Lehrenden Kategorien für die Beobachtung und Interviewleitfäden. Sie qualifizieren sich umfänglich für alle im Zuge einer solchen Evaluation anstehenden Arbeitsschritte der Datengewinnung. Das Projekt soll auf Dauer in studentische Regie übergehen. “Ausg Betroffenen Bereiligte machen” lautet ein Grundsatz der Organisationsentwicklung. Genau dies möchte das Projekt POL) die“Partizipative Optimierung der Lehre”, erreichen. Studierende sollten sich nicht damit zufrieden geben, Betroffene von mehr oder weniger guter Lehre zu bleiben, sie können tatkräftig daran mitwirken, kritische Aspekte näher zu beleuchten, positive Ansätze hervorzuheben und damit Anregungen zur Verbesserung zu formulieren. Prof. Dr. Marianne“ Horstkemper/Institut für Pädagogik
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