UNI aktuell
PUTZ 9/00
Wo geht es zum Telegrafenberg? Diese Frage war schon am Bahnhof zu hören. Der Telegrafenberg dürfte am 16. November wohl der am meisten gesuchte Ort Potsdams gewesen sein. Den ganzen Tag über nahmen unterschiedlich große Gruppen, meist Jugendliche, den Weg auf den Berg unter die Füße. Darüber hinaus fuhren zahlreiche Busse dorthin.
Es war der Tag der Wissenschaft und Forschung. Die brandenburgischen Hochschulen, die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts(MNU) hatten eingeladen, und viele, viele kamen. Mehr als 1500 Schüler aus ganz Brandenburg waren
angereist, um sich über Forschung und Studium in Brandenburg ein Bild zu
machen.
“Das ist neuer Landesrekord” konstatierte Bildungsminister Steffen Reiche, der die Besucher im völlig überfüllten Hörsaal im Haus H begrüßte. Reiche warb für ein Studium an den brandenburgischen Hochschulen.
Vor allem in der Verfahrenstechnik, im Maschinenbau und in der Elektrotechnik sei die Zahl der Studienanfänger immer noch zu gering, erklärte
1500 Schülerinnen und Schüler waren zum Telegrafenberg gekommen. Neben
den Vorträgen konnte auch das persönliche bei der Wahl des Studienfachs weiterhelfen.
Wissenschaftsministerin Wanka. Gerade in Ostdeutschland beobachte sie einen Trend zu sinkenden Studienanfängerzahlen. Dabei sei mit Blick auf die geringe Arbeitslosigkeit unter Akademikern ein Studium trotz längerer Ausbildungszeit eine gute Wahl. Bei der Entscheidung über das Studienfach solle aber nicht in erster Linie die Lage am Arbeitsmarkt, sondern die persönliche Neigung schlaggebend sein.
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Um sich darüber Klarheit zu verschaffen, fanden die Besucher am Telegrafenberg vielfältige Informationsmöglichkeiten. Vertreter von insgesamt 31 Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren gekommen, um den Besuchern einen Einblick in ihre Arbeiten zu ermöglichen. Gleich am Eingang zu Haus H war ein künstlicher Vulkan aufgebaut, der einen Eindruck von den
Gespräch mit den Wissenschaftlern Foto: 29.
Arbeiten der Wissenschaftler am Geoforschungszentrum(GFZ) vermittelte. Auf Computern konnten die“größten Crashs im Universum” simuliert werden, und ein Mikroskop machte die Anwesenheit von Vitamin A in der Niere sichtbar, um nur einige Beispiele zu nennen.
Nirgends sonst in Deutschland gäbe es eine solch hohe Dichte an außeruniversitären For
schungseinrichtungen. So Rolf Emmermann, Leiter des GFZ, das zusammen mit der Uni Potsdam den diesjährigen Tag der Forschung organisiert hatte.
(Schüler belagerten den Telegrafenberg
Tag der Wissenschaft und Forschung mit mehr als 1500 Teilnehmern
geringe Bedeutung der Fächer in den höheren Stufen abgebaut.
Abhilfe schaffen könnte das von Reiche in Aussicht gestellte neue
Was wohl studieren? Über die Möglichkeiten konnten sich Brandenburgs Schülerinnen und Schüler am Tag der Wissenschaft und Forschung einen Überblick verschaffen. Bei mehr als 35 Vorträgen aus den verschiedensten
Forschungsgebieten fiel eine Entscheidung wohl nicht leicht.
Er appellierte an die Politiker, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass diese Wissenschaftslandschaft erhalten bleibt. Dazu brauche man die entsprechende Ausstattung, aber auch hervorragend ausgebildete junge"Leute Hund dazußidie Hochschulen.
“Die Hochschulen sind gut, aber es geht ihnen nicht gut”, erklärte Wolfgang Loschelder, Rektor der Uni Potsdam, mit Blick auf eine Deckungslücke von über sechs Millionen Mark im Haushalt des kommenden Jahres;
Um den Kontakt mit den Schulen auch über den Tag der Wissenschaft hinaus zu pflegen,
unterhält die Uni Potsdam schon heute Kooperationsverträge mit fünf Schulen.
Geplant ist ein flächendeckendes Netz in ganz Brandenburg.
“Den Run auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer gibt es nicht automatisch”, warnte Andreas Tosch vom MNU. Er kritisierte, dass die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer auf dem Stundenplan oft“unter ferner liefen” rangieren. Während die Schüler der siebten und achten Klassen noch sehr interessiert an den Naturwissenschaften seien, würde dieses Interesse durch die
Foto: zg.
Schulgesetz, nach dem einzelne Klassen ihr mathematisch-naturwissenschaftliches Profil stärken und den Anteil dieses Unterrichts zu Lasten anderer Fächer erhöhen könnten.
Ganz so schlecht wie ihr Image ist die Schulbildung nicht, verteidigte Reiche die Schulen. Immerhin seien bei der letzten Physikolympiade drei der fünf deutschen I Teilnehmer aus Brandenburg gekommen.“Drei Prozent(aller Schüler) stellen drei Fünftel” rechnete er vor. Mathematikprofessorin Wanka mag solch mathematische Bildung unter den Kollegen mit Freude vernommen haben.
urs
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