Heft 
(1.1.2019) 09
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Forschung

Fortsetzung von Seite 20

teil des technischen Systems. Sie sollte sicher arbeiten. Eine ver­läßliche Sicherheitsbewertung hat zunehmend auch wirtschaft­liche Relevanz, da im Falle eines Fehlverhaltens hohe Schadens­ersatzforderungen entstehen können.

Oft müssen technische Systeme für sicherheitsrelevante Einsatz­bereiche durch eine Zulassungs­behörde überprüft werden. So ist zum Beispiel für die Zulassung von Schienenver­kehrssystemen in Deutschland das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zuständig. Die Überprü­fung kann die Entwicklungs­dauer erheblich verlängern, so dass eine Beschleunigung durch Einsatz leistungsfähiger Tech­niken im Interesse der, Herstellerfirmen liegt, erklärte Liggesmeyer.

In zwei Phasen des Prozesses ist die Vermeidung beziehungs­weise Erkennung von Fehlern möglich: während der Soft­wareentwicklung und bei der anschließenden Qualitätskon­trolle.

In beiden Bereichen stehen die Ingenieure jedoch vor einem Dilemma. Sie haben die Wahl

zwischen Techniken, die entweder besonders praktikabel oder besonders verläßlich sind. Die verbreiteten informalen Techniken können einfach und universell eingesetzt werden, aber sie sind in einem hohen Maße interpretierbar und damit fehleranfällig. Häufig werden Entwicklungsdokumente in natürlicher Sprache erstellt. Weder Form(Syntax) noch Bedeutung(Semantik) sind bei informalen Techniken eindeutig festgelegt. Missverständnisse können leicht auftreten, wie das Beispiel des SatzesIch mag Montage zeigt. Ob sich hier eine Person auf einen ganz be­stimmten Wochentag oder das Zusammenbauen von Maschinenteilen freut, ist nur aus dem Kontext zu erschließen. Es ist klar, dass solch unein­deutige Formulierungen im Bereich der Softwareerstellung Fehlerquellen bergen.

Dem gegenüber stehen formale Techniken mit fester Syntax und fester Semantik. Es handelt sich dabei um Techniken, die mit mathematischen Verfahren arbeiten.

Zwar zeichnen sich formale Techniken durch ein hohes Maß an Eindeutigkeit aus, ihr Einsatz bei der Beschreibung von

Softwaresystemen ist aber auf spezielle Fälle beschränkt. Darüber hinaus scheitert ihr Einsatz für den formalen Nachweis von Softwareeigen­schaften oft an spezifischen Eigenschaften moderner Pro­grammiersprachen. Zwischen beiden Extremen zeichnet sich

Sprach über die Qualitätssicherung

bei technischer Lingesmeyer

Software: Peter Foto: HPI

nun, so Liggesmeyer, ein Kom­promiss in Form so genannter formatierter Techniken ab, die auch in((derPraxisi bereitsgein breites Interesse finden.

PUTZ 9/00

Formatierte Techniken greifen bei informaler Semantik auf eine klar definierte Syntax zurück und bieten darüber hinaus explizit Mechanismen zur Beherrschung großer Software­systeme. Im Bereich der Qualitätssicherung kann der Kompromiss aus informalen und formalen Verfahren durch sto­chastische Methoden erreicht werden. Sie arbeiten zwar nicht mit absoluter, aber in der Praxis oft ausreichender Präzision.

Sie werden nach der Ein­schätzung Liggesmeyers in Zu­kunft eine wichtige Rolle spie­len. Softwaresysteme könnten mit formatierten Techniken in kritische und unkritische Bestandteile zerlegt werden. Die kritischen Softwareteile, in denen das Auftreten eines Fehlverhaltens fatale Folgen hätte, würden dann mit den aufwendigen formalen Techniken entwickelt und über­prüft.

Außerdem erwartet Ligges­meyer, dass die Qualitätskon­trolle mit informalen, aber sys­tematischen Tests der Systeme zunehmend durch eine sto­chastische Auswertung ergänzt werden wird.

urs

Fraunhofer-Institut eröffnet

Mit einem Festakt, einem. Tag der offenen Tür und einem Feier-Abend wurde das Fraunhofer-Institut für Ange­wandte Polymerforschung(IAP) in Golm offiziell eröffnet. Grund für den Umzug von Teltow-Seehof nach Golm im Mai dieses Jahres waren nicht zuletzt die guten Kooperations­möglichkeiten, die sich dem In­stitut dort bieten.Wir sind um­gezogen, weil wir neue nette Nachbarn kennen lernen möch­ten, mit denen man etwas unter­nehmen kann, sagte Ulrich Buller, Leiter des IAP.

Zu diesen neuen Nachbarn ge­hört neben den drei Max-Planck Instituten im Wissenschaftspark Golm auch die Universität Potsdam, die im Januar dieses Jahres einen Kooperationsver­trag mit dem IAP abgeschlossen

und eine gemeinsame Berufung durchgeführt hat.

Das IAP, das 1992 am Standort Teltow-Seehof als Fraunhofer­Einrichtung gegründet wurde, kann auf eine lange Tradition bei der Erforschung der Polymere zurückblicken. Es ging hervor aus dem Institut für PolymerchemieErich Correns der Akademie der Wissen­schaften der DDR.

Neben dertraditionellen Arbeit mit synthetischen Polymeren hat es in letzter Zeit auch die Erforschung nachwach­sender Polymere, insbesondere Stärke und Cellulose, in Angriff genommen. Ziel der Arbeiten ist die Verbesserung von Material­und Funktionseigenschaften bei Fasern, Folien, Konstruktions­werkstoffen, Membranen, Beschichtungs- und Klebestof­

fen. In Zukunft sollen Polymermaterialien auch für Hochtechnologieanwendungen beispielsweise in der Mikroelektronik ‚und der Medizintechnik eingesetzt wer­den. Hans-Ulrich Wiese, Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft, wies auf die große wirtschaftliche Bedeutung der Polymere hin. Im Jahr 1999 wurden 140 Millionen Tonnen Polymere verarbeitet. 4 Das entspricht einem Umsatz von 240 Milliarden Mark, mit steigender| Tendenz. Im IJAP

sollen dazu eingesetzte Herstellungsverfahren ver­bessert, Ökologischer und

wirtschaftlicher gestaltet wer­den.

Infrastruktur verbessern

Die Kosten für den knapp 63 Millionen Mark teuren Neubau, in dem 226 Menschen einen Arbeitspatz finden, wurden je­weils zur Hälfte von Bund und EU übernommen. Das

Grundstück stellte das Land Brandenburg zur Verfügung.

Mit dem Einzug des IAP sei ein weiteres Stück des Wissenschaftsparks Golm rea­lisiert worden, erklärte Forschungsministerin Johanna Wanka. Damit dort auch die Kooperation mit der Wirtschaft möglich wird, müssen nun Möglichkeiten für die Ansiedlung von Unternehmen und

insbesondere eine verbesserte Infrastruktur geschaffen werden. Das

Gelingen des Wissenschaftsparks Golm hänge von den passenden Rahmenbedingungen ab, so Wolfgang Loschelder, Rektor der Universität Potsdam. Dazu gehört für ihn auch der zügige Ausbau der Mathematisch­Naturwissenschaftlichen Fakultät in: Golm.Jede Verzögerung bei den weiteren Bauabschnitten bedeutet eine Verschwendung von Ressour­cen, sagte er.

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