Heft 
(1.1.2019) 09
Einzelbild herunterladen

PUTZ 9/00

Forschung

100 Jahre Quantentheorie

Er solle lieber nicht Physik studieren, hatte ihm vor über 100 Jahren der Physik­professor Philipp von Jolly geraten. In diesem Fach, so die Begründung, sei bereits alles weitgehend bekannt.

Es war wohl ein Glücksfall, dass Max Planck sich von diesem Rat nicht beeindrucken ließ und mit dem Studium der Physik begann. Vor genau 100 Jahren, am 14. Dezember 1900, hielt er in Berlin einen Vortrag, der als der Beginn der Quantenphysik in die Ge­schichte eingehen sollte.

Licht und Wärme, so erklärte Planck, würden nicht in einem kontinuierlichen Strom abgegeben. Vielmehr erfolge die Abstrahlung von Energie immer in diskreten Bündeln, die durch eine Konstante fest­gelegt sind. Dieses, später nach ihm benannte,Plancksche Wirkungsquantum stellte nicht nur das damalige Weltbild völlig auf den Kopf.

Die Auswirkungen der Quantentheorie sind bis heute in vielen Bereichen der Technologie zu spüren. Ein Beispiel ist die Nanotechno­logie, die auf Quanteneffekte zurückgreift und der Experten zutrauen, die Schlüssseltech­nologie des 21. Jahrhunderts zu werden.

Alle; die einen| tieferen Einblick in die Welt des Quantenkosmos gewinnen möchten, haben dazu Gelegenheit bei der Ausstellung100 Jahre Quantentheorie.

Sie ist bis zum 15. Februar 2001 in der Berliner Staatsbibliothek am Kultur­forum zu sehen.

Die Ausstellung bildet den abschließenden Höhepunkt des Jahres der Physik, das Bundesforschungsministerin Bulmahn gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Ge­sellschaft ausgerufen hatte.

urs

22

Naturschutz braucht Wissenschaft

Gebiet um Untere Havel seit 40 Jahren erforscht

Die Untere Havelniederung ist das größte mitteleuropäi­sche Rast- und Brutgebiet für Wat- und Wasservögel im Binnenland. Zudem sammelt sich hier das Wasser aus ganz Brandenburg. In Abhängig­keit von der spezifischen Überflutungsdynamik stellt das Gebiet eines der letzten Refugien für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten dar. Dabei haben landwirtschaftliche Pflegemaßnahmen große Bedeutung für die Erhaltung

der Artenvielfalt in dieser auch ästhetisch reizvollen Landschaft.

Seit nunmehr-40-- Jahren

forschen und lehren Potsdamer Studenten und Wissenschaftler an. der Unteren«Havel. Damit

intensive Erforschung der Zug­vögel und die Bedeutung der Niederung der Unteren Havel als Rastgebiet für migrie-rende Watt- und Wasservogel-arten führten 1979 zur Aus-weisung eines Feuchtgebietes von inter­nationaler Bedeutung. Eine Fläche von rund 6 000 Hektar feuchtem Grünland und Gewässern Ramsar­Gebiet somit unter den Schutz UNESCO-Konvention

wurde als

einer gestellt.

Mit der Institutionalisierung des Naturschutzes ‚ab Mitte der achtziger Jahre; die. im Jahr 1990 zur... Einrichtung der Naturschutzstation Parey führte, konnte die Zuständigkeit für Naturschutz abge­

den praktischen allerdings

geben werden.

zunehmend

Die reizvolle Untere Havel ist seit 40 Jahren Forschungsgegenstand Potsdamer

Uni-Wissenschaftler.

gehört das Gebiet zu den am längsten erforschten naturnahen Landschaften Mitteleuropas. Einzeluntersuchungen wurden nach und nach zusammenge­führt und bildeten senschaftliche Grundlage für die Ausweisung von Schutzgebie­ten. Im Jahre 1967 konnte so der Gülper See aufgrund seines Reichtums an Vogelarten zum Naturschutzgebiet erklärt wer­den. Und: nicht nur. das. Die

die wis­

Foto:zg.

Der Naturschutz hat jedoch immer noch einen großen Bedarf an ökologischer Grund­lagenforschung, besonders im Zusammenhang mit einer geplanten Wiederherstellung der Auen- und Morphodynamik der Havel über einen längeren Zeitraum. Aber auch im Hinblick auf soziale und struk­turelle Wandlungen durch eine veränderte Bewirtschaftung ergibt sich einerhöhter

Forschungsbedarf für die Universität Potsdam, die durch ihre moderne Feldstation, inmit ten der Überflutungsaue gele gen und bei Hochwasser nur mit dem Kahn erreichbar, und den Vorlauf an wissenschaftlichen Untersuchungen im Gebiet auch weiter Ansprechpartner ist. Die Komplexität der Fragestellungen fordert den Wissen schaftlern den Einsatz interdiszi plinärer Methoden, um zukünf­tige Entwicklungen prognos tizieren und entsprechende Management- und Planungshin weise geben zu können. Zusammenarbeit verschiedeneı Arbeitsgruppen der Universität mit außeruniversitären Einrich deshalb

von

tungen sind bereits zahlreiche Daten erhoben wor den, die durch aktuelle Unter suchungen Ergänzung finden Moderne quantitative unc raumbezogene Forschungsme thoden, wie beispielsweise deı Einsatz von Fernerkundung und Geographischen Informations systemen sowie Methoden deı landschaftsbezogenen Compu termodellierung ermöglichen neben detaillierten Freiland untersuchungen und gezielte

ständnis der komplexen Zusam menhänge. Bei der Entwicklung realistischer Szenarien zukünf­tiger Entwicklungen beachten die Forscher zunehmend auch übergreifende Faktoren wie mögliche globale klimatische Veränderungen oderdieEU Osterweiterung und damit ver bundene Umstrukturierungen im Agrarbereich.

Diese Anforderungen machen die Untere Havel*zu einem Paradebeispiel für die Notwendigkeit moderner ökolo­gischer Forschung, die wesentliche Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung dieser einmaligen Kulturlandschaft liefern kann. Ihr gegenwärtiger Stand und ihre Perspektive waren auch Diskussionsinhalt eines kürzlich veranstalteten Seminars in der Ökologischen Station Gülpe.

Dr. Ralf-Udo Mühle/Ökolo­gische Station Gülpe