Heft 
(1.1.2019) 09
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PUTZ 9/00

Forschung

Technik heute Kulturelement

Internationales Treffen von Technik-Experten

In einer Zeit, in der wir mit einer schnellen Entwick­lung und Ausbreitung der Technik konfrontiert sind und Expertenwissen in der Technik immer auffälliger dominiert, sich eine Fülle ‚an neuartigen Funktions­prinzipien in Produktion, Gesellschaft und Kultur verbreitet und das Einzelne oft nur noch aus komple­xen Systemen heraus ableit­bar ist, versagen altherge­brachte Erklärungsmuster. Neue Wege zum Erfassen

und Verstehen sind gefordert. So ist die Frage nach Technikkonzepten

und-bildern ein höchst aktueller Gegenstand von technik- und bildungstheo­retischen Diskussionen der Gegenwart.

Im Oktober 2000 fand dazu ein Gedankenaus­tausch in Ludwigsfelde­Struveshof zwischen Wissenschaftlern von Uni­

versitäten und Hoch­schulen in Bremen, Cottbus, Erfurt, Frank­

furt/O., Flensburg, Frei­burg, Potsdam, aus Polen und Vietnam statt.

Vor allem Fragen der Technik­theorie und Technikdidaktik spielten eine Rolle. Es erwies sich, dass die Gedanken und Gegenstände eng ineinander verwoben und nur über mehr­seitige Perspektiven verstehbar sind. Geht es doch um die theo­retische Durchdringung der Entstehung und Veränderung, der Substanz und Vermittlung eines wissenschaftlichen Welt­bildes, dessen Bestandteil ein Technikbild ist, und dem damit verbundenen Zugang zu einer allgemeinen technischen Bil­dung.

Diese Überlegungen zielen auf eine allgemeine Techniklehre, die sowohl philosophische, tech­nikwissenschaftliche, historische als auch bildungstheoretische Aspekte einschließen muss.

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Technik muss verstanden wer­den, um mit ihr umgehen zu können. Dies spiegelt sich in vorhandenen genauso wie in zu entwickelnden Technikkonzep­ten und Technikbildern wider. Eine Sicht auf Technik erfordert

Der Blick auf Technik scheint nicht immer gleich. Doch ganz ohne sie geht es nicht.

mehrseitige Perspektiven, wel­che in unterschiedlichenVer­wendungszusammenhängen ihre Berechtigung haben. Es erfordert. aber auch ein Gesamtbild, das der Offenheit und Komplexität der Entwick­lung entspricht. Technik ist in der technisierten Lebenswelt zu einem allgemeinen Element der Kultur geworden. Um Technik im Ganzen der Kultur und damit der systematischen Philo­sophie einen Platz anweisen zu können, muss berücksichtigt werden, dass der Prozess der Gestaltung durch die Technik seit dem 19. Jahrhundert nicht nur erweitert, sondern inten­siviert und neu entwickelt wird. Gerade Technikbilder zeigen, dass man sich der Technik mit einem alltagsgeprägten, theo­retischen. und geisteswis­senschaftlichen Zugang nähern kann.

Der alltagsgeprägte Zugang betrachtet technisches Handeln als Umgangswissen. Die theo­retische Einstellung entwickelt Technikanalyse, Konstruktions­

Daseinsweisen eines

Produkts

analyse, methodisches Vorgehen und mathematische Betrach­tungsweisen. Der geisteswis­senschaftliche Zugang hingegen rückt die Geschichte, Genese, Entstehung, Gestaltung und Verwendung von Technik sowie

die damit verbundenen Wert­problematik in den Vorder­grund.

Technikphilosophie wiederum beschäftigt sich mit dem metho­disch gesicherten Zusammen­hang dieser Komponenten, um die Frage nach den Bedingun­gen der Möglichkeit technischen Entwickelns, Gestaltens und Verwendens, deren Wirkungen und Folgen beantworten zu können.

Keine wissenschaftlich-techni­sche Forschung und Entwick­lung erfolgt gleichsam in einem gesellschaftspolitischen Nie­mandsland, dient allein nur der Neugier, des Erkenntnisfort­schritts oder der. Wahrheit. Unterschiedliche Akteure mit vielfältigen gesellschaftlichen und kulturellen Zielvorstellun­gen, Werthaltungen und Leit­bildern prägen die Technik und ihre Entwicklung, so dass von einer kulturell und gesellschaft­lich determinierten Gegen­standskonstitution gesprochen werden kann und muss.

Ausblick

Neben der differenzierten Be trachtung einzelner Technike:ı und Technologien hinsichtlic}

ihrer Veränderungspotenzialc

gehen diese Forschungen einhe

Abb.: zy

mit Überlegungen zur weitere! Begründung und inhaltliche: Ausgestaltung einer Theorie de Technik und einermodernen Technikphilosophie.

Diese umfasst unter anderem di: Herausarbeitung ‚der.gc schichtlichen Bedingtheit de Technik, das Sichtbarmache: der engen Verknüpfung der Technikentwicklung mit kul turellen Veränderungen, sozia len Bedingungen, politischen Strukturen, ökologischen Gege benheiten und bildungspoliti­schen Anforderungen.

Dr. Käthe Friedrich/Tech­nikphilosophie TU Cottbus; Dr. Hans-Joachim HLaabs Institut für Arbeitslehre/

Technik Uni Potsdam