UNI aktuell
PUTZ 3/01
Wegschauen ist teuflisch
Suchtgefahren auch an der Uni
Schon seit 1997 besteht an der Universität Potsdam die Arbeitsgruppe“Suchtgefahren”. Diese(will/ helfen, Arbeitsumfelder zu schaffen, in denen der Missbrauch von Suchtmitteln keine Chance hat. Dabei setzen die sieben Mitglieder des Teams vor allem auf die Leiter der Bereiche, deren Weiterbildung zum Thema sie vorantreiben wollen. Als Hauptansprechpartner der Arbeitsgruppe steht Dr. Jörg Herboth aus der Psychologischen Beratungsstelle der Uni zur Verfügung. Mit ihm sprach PUTZRedakteurin Petra Görlich.
Die Gründung der Arbeitsgruppe passierte vermutlich nicht per Zufall. Was führte dazu?
Herboth: Es schlossen sich damals engagierte| Leute der Hochschule zusammen, weil sie Vorsorge leisten wollten. Unser Anliegen ist es, dabei zu helfen, Konsequenzen möglichen Suchtverhaltens frühstmöglich zu verhindern. Anlass, in diese Richtung zu denken, gibt es allemal.
Sie gehen also fest davon aus, dass an der Uni ein gefährdeter Personenkreis vorhanden ist?
Herboth: Ja. Das lässt sich rein statistisch gesehen herunterrechnen. Untersuchungen, vom Bundesgesundheitsministerium im Jahr 2000 sprechen allein von 3. Prozent, ‚das. sind. 2,65 Millionen erfassten Alkoholabhängigen in. Deutschland. Brandenburg nimmt hier, gemeinsam mit MecklenburgVorpommern, leider eine unrühmliche Spitzenposition ein. Offiziellen Angaben zufolge leben in unserem Bundesland 76000 alkoholabhängige Bürger. Von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Auf kommunaler Ebene setzt sich dieser Trend fort. So kamen beispielsweise in nur eine der insgesamt 15 ausgewiesenen Beratungsstellen Potsdams im Jahr 1999 immerhin 422 Klienten, davon 84 Prozent Alkohol-, neun Prozent
Drogen-, zwei Prozent Medikamentenabhängige. Drei Prozent der Personen ließen sich beraten, weil sie einer anderen Sucht unterliegen wie etwa der nach dem Computer, dem Tabak, dem Essen. Nur wenige, zweil(Prozent;(suchten Aidas Gespräch aus nicht suchtbezogenen Gründen. Diese Zahlen
lassen auch auf die Situation an der Uni schließen. Folgt man den statistischen Berechnungen,
Plädiert für Hilfe, bevor es zu spät ist: Dr. Jörg Herboth Foto: Fritze
ist davon auszugehen, dass Missbrauchverhalten hier ebenso auftritt. Alkohol dürfte dabei die größte Rolle spielen. Deshalb widmen wir uns vorrangig diesem Problem.
Ein Schnäpschen in Ehren kann keiner verwehren, heißt es so schön. Aber ab wann sprechen Fachleute von Alkoholmissbrauch?
Herboth: In dem Fall weisen die Betroffenen, es sind überwiegend Männer im Alter zwischen 30. und 50 Jahren, ein Abhängigkeitssyndrom auf.
Kriterien, dabei sind. unter anderem der Zwang zur Konsumtion, die veränderte Kontrollfähigkeit, körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder auch nur Reduktion der Konsumtion. Es verändert sich. die‘. Toleranzgrenze. im Umgang mit dem Alkohol, nimmt der Verzicht auf sinnvolle Freizeitgestaltung und soziale Kontakte zunehmend zu, erfol
gen körperliche Schädigungen. Diese diagnostischen Kriterien g
müssen natürlich vom Fachmann abgeklärt werden. Damit Menschen, die ein
Suchtproblem haben, nicht ins völlige Abseits geraten, sind auch die Leiter von Arbeitsbereichen gefragt. Sie schulen sie?
Herboth: Ja, wir wollen bei den Leitern insbesondere den Blick für das Phänomen schärfen und sie damit auch sensibilisieren. Denn wegschauen ist einfach teuflisch. Gerade im vergangenen November fand, nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal, eine entsprechende Informationsrunde statt. Dabei ging es sowohl um medizinische, psychologisch-psychotherapeutische als auch arbeitsrechtliche Aspekte.
Was raten Sie dem Leiter oder
Kollegen eines Uni-Mitarbeiters, der möglicherweise alkohol- oder anderweitig
abhängig ist?
Herboth: Vorweg: Es gibt soviel Alkoholprobleme wie es Alkoholiker gibt. Das heißt, jeder Fall gestaltet sich anders. Deshalb würde ich demjenigen dazu raten, nicht allein zu handeln, sondern die, richtigen Ansprechpartner, ich stehe also jederzeit, zur Verfügung, frühzeitig zu kontaktieren. Gemeinsam erreicht man vielleicht, dass der oder die Süchtige aus der eigenen Isolation herauskommt und den für ihn immens schweren. Schritt. ‚in. eine Bera; tungsstelle tut. Ich selbst habe zu diesem Zweck bereits Kontakte. geknüpft zu Beratungsstellen in der Stadt, zu anderen Psychologen‘ und Psychotherapeuten, die sich mit dem Thema befassen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Dr. Jörg Herboth ist erreichbar auf dem Campus Am Neuen Palais, Haus 8, Zi. 082. Seine Telefonnummer Jautet 0331/977-1830.
Bei der Einrichtung neuer Praktikums- und Übungsplätze des Instituts für Arbeitslehre/Technik der Uni in Golm half die Adam Opel AG mit einer Sachspende im Gesamtwert von 26.600,-DM. Die wertvolle Unter
stützung nahm Dr. Olaf Czech (rechts) am 5. März von Frank Keding(links), Vertriebsleiter Ost im Autohaus Brehm, entgegen. PUTZ/Foto: zg.
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PUTZ
Sprachkurse an Hochschulen in Europa. Ausgabe 2001. Herausgeber Deutscher Akademischer Austauschdienst. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld. 422 Seiten. 29,80 DM. ISBN 3-7639-0421-2
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