PUTZ 3/01
Titel
Jahr der Lebenswissenschaften 2001
Auch an der Uni Potsdam breite Themenpalette
Der Graben zwischen dem Wissen eines Normalverbrauchers und dem Stand der Wissenschaft war noch nie so groß wie heute. 40 Prozent aller Bürger glauben, dass Gene nur in gentechnisch veränderten Tomaten enthalten sind. Wer aber wenig weiß, ist leicht zu manipulieren.
Ob wir Genfood für gefährlich halten oder uns dadurch bessere Nahrungsmittel versprechen, sollte keine Glaubensfrage sein, sondern mit guten Argumenten ausgefochten werden. Genauso die Frage nach den Grenzen der Fortpflanzungsmedizin: Wie weit
geht das“Recht aufs eigene Kind“ und was geschieht mit den überflüssigen Embryonen? Dürfen sie vielleicht zu Forschungszwecken verwendet werden oder dafür, schwerkranken Menschen zu helfen?
Die Bundesministerin für Bıldung und Forschung, Edelgard Bulmahn, hat das Jahr 2001 zum Jahr der Lebenswissenschaften erklärt und Wissenschaftler dazu aufgerufen, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu suchen. Dahinter steckt auch der Wunsch, die gesellschaftlichen Diskussionen nicht auf billiges
Schwarz-Weiß-Niveau abrutschen zu lassen, sondern Interesse für die Komplexität der Dinge zu wecken, denen einfache Denkschemata nicht gerecht werden.
Mit dem Titelthema Lebenswissenschaften wollen wir zeigen, wie vielseitig die Lebenswissenschaften an der Universität Potsdam vertreten sind. Vom Körperbau der Brandenburger bis zu winzigen Lebewesen in sauren Seen, von der Sprache der Zellen bis zum Mechanismus, mit dem ein Virus an seine Wirtszelle andockt, reicht die Bandbreite der verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich mit den
Lebenswissenschaften beschäftien. Sie zeigen auch, dass bereits breite Grundlagen für den künftigen Profilbereich Lebenswissenschaften an der Uni gelegt sind. Wir bedanken uns bei allen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die für die PUTZ Beiträge schrieben oder uns Zeit für ein Gespräch einräumten.
Wer noch mehr über das Jahr der Lebenswissenschaften erfahren möchte, kann natürlich auch im Internet nachlesen. Unter der Adresse http://www.lebenswissen.de sind zahlreiche Informationen erhältlich. ar
Profilbereich mit klaren Akzenten
Der Maßstab: konkurrenzfähig und komplementär
Bei der Gründung der Universität Potsdam war offensichtlich, dass die Lebenswissenschaften nur dann eine hervorragende Perspektive hätten, wenn sie sich konzeptionell überzeugend in die Wissenschaftslandschaft des Großraums Berlin/Potsdam einfügten. Sie mussten also kooperationsfähig mit den außeruniversitären Forschungsinstituten in Potsdam oder in der näheren Umgebung und komplementär zu den Berliner Forschungszentren werden.
Für die= Biowissenschaften bedeutete dies eine starke Betonung molekularer und zel
lulärer Aspekte sowie einen weitgehenden Verzicht auf die klassische oder medizinisch orientierte. Biologie, Für: die Ernährungswissenschaften ergab sich eine eindeutig naturwissenschaftliche Ausrichtung, durch die dieses Gebiet und der ernährungswissenschaftliche Studiengang bundesweit praktisch einmalig wurden.
Der Profilbereich“Lebenswissenschaften” der Universität Potsdam Uumfasst die‘ drei Schwerpunkte Bioanalytische Mikrosysteme/Biohybride Funktionssysteme, Pflanzengenomforschung/ Bioinfor
Pflanzenwissenschaften
Mit molekularen Pflanzenwissenschaften befassen sich insgesamt vier Professuren am Institut für Biologie und Biochemie; die ‚mit: einer Reihe von Wissenschaftlern außeruniversitärer Forschungseinrichtungen
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kooperieren. Die Pflanzenwissenschaftler untersuchen vor allem den pflanzlichen Primärstoffwechsel von der Photosynthese bis zur Akkumulation von Speicherstoffen auf molekularer Ebene.
matik und Wechselwirkungen zwischen Nahrung und Organismus auf zellulärer und molekularer Ebene und wird vom Institut‘. für Biochemie und Biologie sowie vom Institut für Ernährungswissenschaft getragen. Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts für Biochemie und Biologie liegt‘ im Bereich"der Ökologie, die dem Profilbereich “Erdwissenschaften” zugeordnet ist.
Heute lässt sich insgesamt eine positive Bilanz ziehen: Zwei Innovationskollegs der Universität Potsdam wurden im Bereich ‚Life Sciences‘ etabliert;
Bioinformatik
Die Arbeitsgruppen Pflanzen
physiologie und Molekular-| biologie sind am BMBE-Projekt| ne
“Genomanalyse im biologischen System Pflanze(GABI)
beteiligt. Nachdem im vergan
genen Jahr das Genom des Ackerschmalwands als erstes
Lebenswissenschaftliche Arbeitsgruppen sind in mehreren Sonderforschungsbereichen, an Graduiertenkollegs und an dem Pflanzengenomforschungsprojekt des BMBF “GABIT” beteiligt; die analytische Biochemie hat‘ mit“ großem Erfolg an dem InnoRegioWettbewerb teilgenommen. Und Last but not least: Entgegen dem bundesweiten Trend steigen die Studierendenzahlen der Fächer Biochemie und Biologie an der Uni Potsdam stetig.
Prof. Dr. Martin Steup,
Prof. Dr. Robert Seckler/ Institut für Biochemie und Biologie
pflanzlichen Genom solhrindi
der rund 25 000 eopradukre
| zu ermitteln. Dabei allen Ad
. bioinformati he‘ Arbeits ruppe
wird zur Zeit am In: Biochemie. 7 und etabliert.