Titel
PUTZ 3/01
Was wird aus Feuchtbiotopen?
Klimawandel bedroht empfindliche ükösysteme
Der prognostizierte Klimawandel wird die Lebensgemeinschaften in großen Teilen der Welt verändern. Die Erhöhung der Temperaturen wirkt sich auf die globalen Luftund Wasserströmungen aus und führt zu einer räumlichen und jahreszeitlichen Umverteilung der Niederschläge. Damit ändern sich lebenswichtige Standortfaktoren, die für die Konkurrenzkraft und das Verbleiben der Wildpflanzenarten im jeweils betrachteten Biotop sowie für die landwirtschaftlichen Erträge von entscheidender Bedeutung sind.
Für das Land Brandenburg sieht das Szenario, das sich beispielsweise aus Modellrechnungen vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ableitet, so aus: Sommerliche Trockenperioden nehmen an Anzahl und Dauer weiter zu. Aber auch im Frühjahr wird es in Zukunft deutlich weniger regnen. Durch verstärkte Sonneneinstrahlung und höhere durchschnittliche Temperaturen verdunstet gleichzeitig. mehr: Wasser, was die ohnehin angespannte Wasserbilanz‘!. ‚zusätzlich. belastet. Besonders ‚gefährdet durch die Folgen dieses Klimawandels sind Feuchtbiotope, von denen es im Land Brandenburg an Oder, Spree und Havel noch sehr viele mit einer reichhaltigen Naturausstattung gibt. Diese Lebensgemeinschaften sind auf eine ganzjährig.„gute. Wasserversorgung angewiesen.
Natürlich stellen auch wasserbauliche Maßnahmen und andere Eingriffe des Menschen eine Bedrohung dieser Lebensgemeinschaften dar. Deshalb wurden in der Vergangenheit bereits viele dieser Feuchtgebiete im Land Brandenburg als Naturpark oder ‚als. Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das allein reicht jedoch nicht mehr aus. Um wenigstens einige dieser Ökologisch so wertvollen, zugleich aber auch sehr sensiblen Biotope erhalten zu können, sind vertiefte Kenntnisse zur Stresstoleranz charakteristischer Pflanzenarten unter den neuen
Umweltbedingungen erforderlich.
Untersuchungen in Gülpe
Deshalb haben Potsdamer Biologen von der Professur für Ökophysiologie 1995 begonnen, den Einfluss verschiedener Standortfaktoren wie der Wasserverfügbarkeit oder einer Temperaturerhöhung auf das Wachstum, die Vitalität und die Konkurrenzkraft einzelner
Pflanzenarten zu untersuchen. Die Untersuchungen konzen
mögliche Veränderungen in der Flussauenvegetation erarbeitet. Die ersten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die untersuchten Pflanzenarten sehr empfindlich auf die Verringerung der Wasserverfügbarkeit reagieren, während die Toleranzschwelle gegenüber Temperaturerhöhung wesentlich höher liegt, zumindest solange die Wasserversorgung angemessen bleibt.
Managementprogramm
Mit diesen Arbeiten soll ein
Der allgemein prognostizierte Klimawandel wird auch vor den brandenburgischen Naturschutzgebieten nicht Halt machen. Auch hier rechnen Experten mit
Veränderungen in der Artenzusammensetzung und in den Nahrungsketten. Ursache: Das Wasser wird knapper, sommerliche Trockenperioden nehmen zu.
trierten sich zunächst auf Flutmulden und feuchte Senken in der‘ Unteren Havelane‘ bei Gülpe. In den Laboratorien der Ökologischen‘ Station‘“des Instituts für Biochemie und Biologie der Uni konnten die Wissenschaftler durch stoffwechselphysiologische Untersuchungen die Sensitivität und ökologische Toleranz der einzelnen Arten“ beurteilen. In Feldversuchen und Simulationsexperimenten beobachteten sie auch, wie sich einzelne physiologische Reaktionen bei Wasserknappheit:‘ und+ bei erhöhten Temperaturen verändern. So wurden eine Reihe von soliden Erkenntnissen über
Foto: Gropp
Beitrag für ein wissenschaftlich begründetes Managementprogramm zur Erhaltung‘ von Feuchtbiotopen geleistet werden. Solche Managementprogramme werden in Zukunft vermehrt‘ notwendig sein, um Refugien für gefährdete Arten zw sichern: Die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen in der Artenzusammensetzung und damit in den Nahrungsketten‘ der terrestrischen Ökosysteme sind damit jedoch nicht zu stoppen, denn sie haben ihre Ursache in den veränderten Standortbedingungen.
Prof. Dr. Axel Gzik/Institut für Biologie und Biochemie
Naturidyll
Döberitzer Heide
Rund 250 Jahre lang war die Döberitzer Heide nördlich von Potsdam cin militärischer Übungsplatz gewesen. Zuletzt führten hier russische Soldaten der. Westgruppe Manöver durch. Da das Gelände aber dadurch brach lag und nicht anderweitig bewirtschaftet werden. konnte, hat sich eine einzigartige Fauna und Flora angesiedelt.
Ökoethologen aus der Arbeitsgruppe um Professor Dieter Walkschläger von der Universität Potsdam fanden ein Mosaik verschiedenster Biotope vor: Sandtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, verschiedene Waldtypen und zahlreiche kleinere Moore und Gewässer. Sie konnten 170 verschiedene Arten von Wildbienen bestimmen, davon 38 gefährdete Arten.
Besonders kostbar ist die Döberitzer Heide, die seit 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, für Vögel. Von den 198 Arten sind ein Fünftel gefährdet. Nicht nur Ziegenmelker, Wiedehopfe und Kraniche, sondern auch Tüpfelrallen und Baumfalken haben hier noch ein Auskommen.
In den nächsten Jahren erforschen die Potsdamer Wissenschaftler in einem Verbundprojekt Methoden zur Erhaltung der außergewöhnlichen Biodiversität: eines Naturraums in unmittelbarer Nähe der Großstadt Berlin. Dabei sollen auch Fragen der Ökonomie von Schutzmaßnahmen und die Akzeptanz von Schutzgebieten in der Bevölkerung untersucht werden.
ar
Weitere Informationen erhalten Interessenten im Internet unter der Adresse: http: //www.offenland.de
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