Heft 
(1.1.2019) 03
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Titel

PUTZ 3/01

Was wird aus Feuchtbiotopen?

Klimawandel bedroht empfindliche ükösysteme

Der prognostizierte Klima­wandel wird die Lebensge­meinschaften in großen Teilen der Welt verändern. Die Erhö­hung der Temperaturen wirkt sich auf die globalen Luft­und Wasserströmungen aus und führt zu einer räumlichen und jahreszeitlichen Umver­teilung der Niederschläge. Damit ändern sich lebens­wichtige Standortfaktoren, die für die Konkurrenzkraft und das Verbleiben der Wild­pflanzenarten im jeweils be­trachteten Biotop sowie für die landwirtschaftlichen Er­träge von entscheidender Be­deutung sind.

Für das Land Brandenburg sieht das Szenario, das sich beispiels­weise aus Modellrechnungen vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ableitet, so aus: Sommerliche Trocken­perioden nehmen an Anzahl und Dauer weiter zu. Aber auch im Frühjahr wird es in Zukunft deutlich weniger regnen. Durch verstärkte Sonneneinstrahlung und höhere durchschnittliche Temperaturen verdunstet gleich­zeitig. mehr: Wasser, was die ohnehin angespannte Wasser­bilanz!. ‚zusätzlich. belastet. Besonders ‚gefährdet durch die Folgen dieses Klimawandels sind Feuchtbiotope, von denen es im Land Brandenburg an Oder, Spree und Havel noch sehr viele mit einer reichhaltigen Natur­ausstattung gibt. Diese Lebens­gemeinschaften sind auf eine ganzjährig.gute. Wasserver­sorgung angewiesen.

Natürlich stellen auch wasser­bauliche Maßnahmen und andere Eingriffe des Menschen eine Bedrohung dieser Lebens­gemeinschaften dar. Deshalb wurden in der Vergangenheit bereits viele dieser Feuchtgebie­te im Land Brandenburg als Naturpark oder ‚als. Natur­schutzgebiet ausgewiesen. Das allein reicht jedoch nicht mehr aus. Um wenigstens einige dieser Ökologisch so wertvollen, zu­gleich aber auch sehr sensiblen Biotope erhalten zu können, sind vertiefte Kenntnisse zur Stresstoleranz charakteristischer Pflanzenarten unter den neuen

Umweltbedingungen erforder­lich.

Untersuchungen in Gülpe

Deshalb haben Potsdamer Bio­logen von der Professur für Ökophysiologie 1995 begon­nen, den Einfluss verschiedener Standortfaktoren wie der Wasserverfügbarkeit oder einer Temperaturerhöhung auf das Wachstum, die Vitalität und die Konkurrenzkraft einzelner

Pflanzenarten zu untersuchen. Die Untersuchungen konzen­

mögliche Veränderungen in der Flussauenvegetation erarbeitet. Die ersten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die untersuchten Pflanzenarten sehr empfindlich auf die Verringerung der Wasser­verfügbarkeit reagieren, wäh­rend die Toleranzschwelle gegenüber Temperaturerhö­hung wesentlich höher liegt, zumindest solange die Wasser­versorgung angemessen bleibt.

Managementprogramm

Mit diesen Arbeiten soll ein

Der allgemein prognostizierte Klimawandel wird auch vor den brandenburgi­schen Naturschutzgebieten nicht Halt machen. Auch hier rechnen Experten mit

Veränderungen in der Artenzusammensetzung und in den Nahrungsketten. Ursache: Das Wasser wird knapper, sommerliche Trockenperioden nehmen zu.

trierten sich zunächst auf Flut­mulden und feuchte Senken in der Unteren Havelane bei Gülpe. In den Laboratorien der Ökologischen Stationdes Instituts für Biochemie und Biologie der Uni konnten die Wissenschaftler durch stoff­wechselphysiologische Unter­suchungen die Sensitivität und ökologische Toleranz der einzel­nen Arten beurteilen. In Feldversuchen und Simulations­experimenten beobachteten sie auch, wie sich einzelne physiolo­gische Reaktionen bei Wasserknappheit: und+ bei erhöhten Temperaturen verän­dern. So wurden eine Reihe von soliden Erkenntnissen über

Foto: Gropp

Beitrag für ein wissenschaftlich begründetes Managementpro­gramm zur Erhaltung von Feuchtbiotopen geleistet wer­den. Solche Managementpro­gramme werden in Zukunft ver­mehrt notwendig sein, um Refugien für gefährdete Arten zw sichern: Die durch den Klimawandel bedingten Verän­derungen in der Artenzusam­mensetzung und damit in den Nahrungsketten der terres­trischen Ökosysteme sind damit jedoch nicht zu stoppen, denn sie haben ihre Ursache in den veränderten Standortbedingun­gen.

Prof. Dr. Axel Gzik/Institut für Biologie und Biochemie

Naturidyll

Döberitzer Heide

Rund 250 Jahre lang war die Döberitzer Heide nördlich von Potsdam cin militärischer Übungsplatz gewesen. Zuletzt führten hier russische Soldaten der. Westgruppe Manöver durch. Da das Gelände aber dadurch brach lag und nicht anderweitig bewirtschaftet werden. konnte, hat sich eine einzigartige Fauna und Flora angesiedelt.

Ökoethologen aus der Arbeits­gruppe um Professor Dieter Walkschläger von der Univer­sität Potsdam fanden ein Mosaik verschiedenster Bio­tope vor: Sandtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, ver­schiedene Waldtypen und zahlreiche kleinere Moore und Gewässer. Sie konnten 170 verschiedene Arten von Wildbienen bestimmen, davon 38 gefährdete Arten.

Besonders kostbar ist die Döberitzer Heide, die seit 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, für Vögel. Von den 198 Arten sind ein Fünftel gefährdet. Nicht nur Ziegen­melker, Wiedehopfe und Kraniche, sondern auch Tüpfelrallen und Baumfalken haben hier noch ein Auskommen.

In den nächsten Jahren erforschen die Potsdamer Wissenschaftler in einem Verbundprojekt Methoden zur Erhaltung der außergewöhn­lichen Biodiversität: eines Naturraums in unmittelbarer Nähe der Großstadt Berlin. Dabei sollen auch Fragen der Ökonomie von Schutzmaß­nahmen und die Akzeptanz von Schutzgebieten in der Bevölkerung untersucht wer­den.

ar

Weitere Informationen erhalten Interessenten im Internet unter der Adresse: http: //www.offenland.de

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