PUTZ 3/01
Kultur
Lust an Kunst
Heute vorgestellt: Uta Meyer
Als sie drei Jahre alt war, hat sie bereits in einem Cafe gesungen. Damit fängt alles an. Die Eltern sind keine Musiker, die Tante aber ist Musiklehrerin und die erste, die sie intensiv fördert.
Nach 10 Jahren Geigen- und Klavierunterricht kommt sie vierzehnjährig auf die Musikspezialschule Wernigerode; die erste, wenn nicht gar die wichtigste Zäsur im Leben von Uta Meyer, die 1965 in Schwerin geboren wurde und seit(1990 am Institut für Musik und Musikpädagogik als Gesangsdozentin arbeitet. Der damalige Entschluss, das heimatliche Elternhaus im nördlichen Güstrow gegen ein gemischtes| Internat voller Musikeleven im Harz einzutauschen und getrennt von der Familie zu leben, sei persönlich natürlich sehr schwierig, schmerzvoll und oft verzweifelnd, aber ihre eigene und ganz bewusste Entscheidung zugunsten des musikalischen Werdegangs‘‘ gewesen. Ende der Kindheit, Heimweh. Trotzdem würde sie es heute wieder tun, weil sie singen wollte, unbedingt. Zur Schule in Wernigerode gehörte der schon zu DDR-Zeiten angesehene und zur Elite zählende Rundfunkjugendchor. Dort erfährt sie eine umfassende, fordernde, harte musikalische Ausbildung. Sie unternimmt anstrengende Chorreisen, ihre internationale Konzerttätigkeit beginnt und damit auch ihre künstlerische Karriere. In dieser Zeit, wo ihr Leben mehr denn je Musik ist, wird ihr klar, dass sie Gesangslehrerin werden will, besser: werden muss. Doch dreiundzwanzigjährig, nach ihrem Studium an der Musikhochschule Weimar (1984-88) und sich fortsetzender reger Konzertreisen mit dem dortigen Kammerchor, fühlt sie sich zu sehr festgelegt. Sie verspürt ein Erfahrungsdefizit, will nach langjähriger Einordnung in verschiedenen Chören solistisch selbst zum Zuge kommen. Die einverleibte Stimme drängt danach, den Klangkörper zu verJassen, dem;sie nicht mehr gehört. Sich neues Gehör ver
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schaffen, endlich einen eigenen Klangraum bauen. Natürlich liebe sie noch immer große, volle Chöre, aber singen wolle sie darin(nichtmehr, sagt(sic heute beinah ohne Wehmut.
Zuvor jedoch kehrt sie noch einmal für zwei ‚Jahre nach Wernigerode zurück und ist dort Lehrerin am Landesgymnasium für Musik. Nach darauf folgendem dreijährigen Besuch der Hochschule für Musik in Leipzig erhält sie 1992 endlich
lerin und Musikpädagogin ist dem Pendelschlag des Metronoms gleich. In dieser Verbindung, ergänzt um Anspruch, Disziplin, Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit und charmanter Fröhlichkeit, drückt sich ihr Wesen aus.
Sich eins mit Nietzsche wissend, die Welt wäre ohne Musik ein Irrtum, insistiert Uta Meyer,
dass Musik gemacht werden muss, weil sie die Persönlichkeit “Es gibt Sachen, die er
bildet.
Uta Meyer ist Gesangsdozentin am Institut für Musik und Musikpäda-gogik der Uni Potsdam. Sie selbst liebt und singt vor allem alte Musik.
ihr Sängerinnendiplom.“Es geht. doch schließlich um Erfahrungen. Ich kann nur überzeugend weitergeben und vermitteln, dass Musik etwas Besonderes und die Stimme das Spiegelbild der Seele ist, wenn ich weiß, wovon ich rede.” Künstlerisch tätig zu sein ist ein Muss und gehört für sie unbedingt zum Berufsethos. Andererseits:“Natürlich würde ich gerne. mehr. Konzerte geben, aber inzwischen weiß ich auch, dass es auf Dauer sehr einsam macht, nur Sängerin zu sein. Ich bin froh, beides zu haben”
Die Sopranistin Uta Meyer liebt und singt vor allem alte Musik. Sie verehrt Komponisten wie Schütz, Purcell, Dowland oder Händel. Sie interpretiert aber auch Schubert oder Mozart. Als Solistin sagt sie selbstbewusst und gleichermaßen bescheiden, sie singe nicht nur das, was sie liebe, sondern auch das, was sie könne. Dieses unbeirrbare Hin und Her zwischen der Künst
Foto: Fritze reicht man nur durch Musik, nur dadurch!” Nach diesen seltenen Momenten sucht sie in ihren jährlich etwa 12 Konzerten, die sie gibt, wie. auch. bei ungezählten Stunden mit ihren Schülern und Schülerinnen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der in jedem Sommersemester am Institut für Musik und Musikpädagogik von ihr geleitete Interpretationskurs für Gesang und Gitarre. Sie; die kaum trennt zwischen E- und U- Musik, die am Pop und Jazz die Freiheit interessiert, die mit gleichem Respekt von Madonna und Emma Kirkby spricht, die keineswegs die klassische Gesangsausbildung dogmatisiert, sich neugierige Offenheit bewahrt und Ressentiments vermeidet, ‚hat ı Freude. daran, schöne. Stimmen. zu bilden, womit; sie. die: Suche. nach: der Persönlichkeit in der Stimme meint. Deren Ausdrucksmöglichkeiten wollte sie auch an der Crane‘ School of Music- State
University New York finden, wo sie im Jahre 1994 als eine der ersten Dozenten der Potsdamer Universität drei Monate lang Gesang unterrichtete. Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes ist immer wieder selbst auch Schülerin und besucht regelmäßig Meisterkurse und gesangswissenschaftliche Symposien oder Tagungen des Bundes Deutscher Gesangslehrer. Vor 10 Monaten erschien ihre erste CD mit dem Titel“If music be the food of love” auf der sie, begleitet von ‚Cembalo, Laute und Gitarre, alte englische und italienische Lieder sowie Arien singt. Wer weiß, dass die Musik der Liebe Nahrung ist, der fühlt auch einen bestimmten Hunger. Einen Hunger, der sich nicht wirklich stillen lässt. Das aber macht schließlich den Genuss aus.
Thomas Pösl
Premiere
Die English Drama Group hat ein neues Stück einstudiert, mit dem: sic ı demnächst. an die Öffentlichkeit gehen will. Das Stück‘ heißt“Black. Comedy”. Geschrieben ist. es‘ won ‚Peter Shaffer.
Premiere soll am 15. Mai, 19.00 Uhr, im Haus 5 auf dem UniKomplex in Golm sein. Auch eine zweite Aufführung ist bereits geplant. Stattfinden wird sie am 18. Mai um 19.30 Uhr in der Oberen Mensa auf dem Uni-Komplex Am Neuen Palais.
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