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(1.1.2019) 04
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Zehn Jahre Universität Potsdam

PUTZ 4/01

Keine Illusionen über Zukunft

Ehemalige Studenten blicken aufihre Uni zurück

Im Juni vor zehn Jahren wurde die Uni Potsdam ge­gründet. Dies ist Anlass zur Rückschau auf die Zeit des Umbruchs. Aus der Pädago­gischen Hochschule entwi­ckelte sich eine Universität. Über Erlebnisse und Ein­drücke jener Zeit unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt mit den ehe­maligen Studenten Thomas Pösl und Wolfram Meyerhöfer.

In welcher persönlichen Situ­ation befanden Sie sich 1990/91?

Pösl: Ich studierte Germanistik und Geschichte im Lehramt. In der Zeit der Gründung der Uni habe ich mich auf mein Examen vorbereitet, in dem ich mich mit Thomas Bernhard beschäftigte. Folglich war ich häufiger in Westberliner Bibliotheken als auf dem Potsdamer Campus, was früher nicht möglich gewesen wäre.

Meyerhöfer: Ich habe 1990 in Potsdam mit dem Lehramts­studium Mathematik und Physik angefangen. Die Gründung der Universität habe ich nicht als etwas Besonderes wahrgenom­men, weil sich in den Wende­zeiten alles im Fluss befand.

Wie war die Stimmung da­mals? Wie sah der Studienall­tag in diesen bewegten Zeiten aus?

Meyerhöfer: Die Strukturen im Grundstudium waren im Prinzip aus DDR-Zeiten noch erhalten. Wir studierten im Rahmen von Seminargruppen. Bei den Mit­arbeitern spürte ich eine allge­meine Verunsicherung.

Pösl: Die Verunsicherung spürte ich auch. Allerdings merkte ich schnell, so ungefähr nach einem halben Jahr, dass sich für mich als Student im Vergleich zu früher keine gravierenden Än­derungen ergeben würden. Natürlich lösten sich Strukturen auf. Wir erlebten auch, dass belastete Lehrkräfte gehen muss­ten. Es gab klare Feindbilder auch für mich. Ich erinnere mich

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beispielsweise daran, dass wir Studierenden nicht mehr akzep­tierten, dass in einer Pädagogik­Vorlesung Anwesenheitslisten geführt wurden. Nachdem wir dies beim Gründungsrektor monierten, wurde es ganz schnell abgestellt. Für uns war es

Angesichts aktueller und anhaltender Sparmaßnahmen durch die Landesregierung im Hochschulbereich fragt man sich, ob die Gründungsse­natsmitglieder wirklich davon ausgingen, dass ihre Struktur­konzepte umsetzbar seien?

Thomas Pösl(l.) und Wolfram Meyerhöfer studierten in Potsdam, als die Universität gegründet wurde. Sie sind der Uni treu geblieben und arbeiten heute im Referat Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit beziehungsweise als Promotionsstudent in der Mathematik.

in diesen Zeiten nicht immer einfach, unsere Probleme und Anliegen den Verantwortlichen vortragen zu können. Denn durch die Wende sind Ansprechpartner für unsver­loren gegangen.

Herr Meyerhöfer, Sie wurden im September 1992 studenti­sches Mitglied im Gründungs­senat der Universität Pots­dam. Welchen Einfluss hatten Sie auf die Entscheidungen dieses Gremiums?

Meyerhöfer: Im Gründungs­senat saßen Leute, die etwas Neues und in sich schlüssig Strukturiertes aufbauen wollten. Natürlich ging es dabei auch um die Sicherung von Pfründen für das eigene Fach. Da die Studenten als einzige Gruppe keine Besitzstände zu wahren oder zu erringen hatten, fühlten wir uns in den Verhandlungen immer ein bisschen als Verwalter der Sachlichkeit. Wenn es ernst wird, wird man aber überrannt. Knackpunkt waren immer Personalentscheidungen.

Foto: Fritze

Meyerhöfer: Dass die Struktur mit 263 Professuren nicht umgesetzt wird, liegt ja nicht an Mängeln dieser Struktur. Natürlich versuchten die Grün­dungssenatsmitglieder für ihre Bereiche möglichst schnell und möglichst viele Professuren zu besetzen und damit die Struktur festzuschreiben. Den alten Wessi-Hasen war schon klar, dass bei schlechterem politischen Rahmen einfach dort gekürzt wird, wo Stellen noch nicht besetzt sind. Aber der Grund­gedanke war, eine Uni aus einem Guss mit Vernetzungen zu pla­nen.

Was dominierte eigentlich in der damaligen Situation: Aufbruchstimmung, Resigna­tion, Angst?

Pösl: Für uns Studierende herrschte ganz klar Aufbruch­stimmung. Das traf auch für einige Mitarbeiter zu. Spürbar war natürlich, dass Personen mit einer politischen Vergangenheit in der DDR Angst hatten, weil ihre Vergangenheit auf den

Prüfstand kam und für sie die Situation unklar war.[

Meyerhöfer: Ich habe in der Wendezeit mein Studium begonnen. Dieser Lebensab­schnitt ist immer ein Aufbruch. Bei den Mitarbeitern habe ich vorrangig Angst und Verun­sicherung wahrgenommen, i1ns­besondere weil sie um ihre Arbeitsplätze bangten.

Pösl: Es ist möglicherweise so, dass Geisteswissenschaftler mit dieser Situation etwas emo­tionaler als Naturwissenschaftler| umgingen. Ich war ein Jahr im Sektionsrat Geschichte und habe dort Aufbruchstimmung und den Willen vieler zum Selbst­gestalten und Lösen von Problemen erlebt.

Inzwischen existiert die Uni Potsdam zehn Jahre. Was hat

sich positiv, was negativ verän­

dert?

Pösl: Ich denke, die Uni ist dort angekommen, wo sie nicht hin­wollte. Denn mit 12000( Studierenden hat sie sich jener chaotischen Struktur angegli­chen, die man aus den West­Unisikennt- Ich hattejaberlauch nicht die Illusion, dass hier alles anders als im Westen sein würde. Meyerhöfer: Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es eine kleine, feine Spitzenuni werden würde. Für bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel die Lehrerbil­dung, erhoffte ich mir allerdings Anregenderes und Dynami­scheres, als ich es jetzt erlebe. Was aus dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung geworden ist, enttäuscht mich schon.

Wie sieht die Universität Potsdam in zehn Jahren aus?

Pösl: Wenn es zur Fusion Berlin und Brandenburg kommt, wird es die Uni Potsdam wahrschein­lich nicht mehr geben.

Meyerhöfer: Ich bin überzeugt, dass die Uni eigenständig beste­hen bleiben wird.«

Vielen Dank für das Gespräch.