Heft 
(1.1.2019) 04
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UNI aktuell

PUTZ 4/01

Mit 80 ist lange noch nicht Schluss

Zum Promovieren ist es nie zu spät

Im Januar dieses Jahres pro­movierte York- F. von Bremen erfolgreich an der Philosophischen Fakultät der Uni Potsdam. Für seine von dem Historiker Prof. Dr. Manfred Görtemaker betreute Arbeit zum ThemaDie letzte Bastion. Der Kampf um Mecklenburgs Ständestaat im Bismarckreich erhielt er das PrädikatMagna cum laude. Das alles wäre nicht weiter bemerkenswert, würde der Promovend im für diese Leistung üblichen Alter sein. Ist er aber nicht. Von Bremen feierte kürzlich seinen 81. Geburtstag. Und: Eigentlich ist er gar kein Historiker, son­dern Jurist. Seine erste Promotion auf dem Gebiet des Straf- und Zivilprozessrechts schloss er 1957 ab. PUTZ­Redakteurin Petra Görlich sprach mit ihm.

Sie haben bereits ein langes, sehr erfolgreiches Arbeits­leben als Jurist, unter anderem in der Konzernspitze des Quandt-Konzerns, hinter sich. Warum promovierten Sie jetzt noch einmal?

von Bremen: Um mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Schon als kleiner Junge interessierte ich mich für Ge­schichte. Meine Eltern schenk­ten mir statt dicker Karl May­Bücher Geschichtswerke. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, stand ich schließlich vor der Entscheidung, was ich denn nun studieren würde. Und ich ent­schied mich gegen die Geschich­te und für die Rechtswissen­schaft. Mein Vater hatte mir dazu geraten. Jura, so seine Meinung, sei interessant und biete viele Möglichkeiten, eine Karriere aufzubauen. Er hatte nicht Unrecht. Im Jahre 1989 jedoch fasste ich den Entschluss, meine Liebe zur Geschichte auch in einer entsprechenden Doktorarbeit manifestieren zu wollen. Ich fühlte mich fit genug, das schaffen zu können.

Nichts geht ohne Kompli­kationen. Welche Steine lagen Ihnen im Weg?

von Bremen: Nun, es war in der Tat nicht ganz einfach. Seit dem

Beginn des Vorhabens sind ja inzwischen elf Jahre verstrichen. Ich musste zum Beispiel die for­malen Voraussetzungen für eine Arbeit auf dem von mir gewählten Gebiet erbringen. Das heißt, es folgte ein mehr­jähriges Studium der Geschichte an der WUniversität Frank­furt/Main. Dazu kam noch, dass mein erster mich betreuender Professor, Thomas Nipperdey aus München, leider verstarb und nach einem neuen Betreuer gesucht werden musste. Aber da hatte ich mich schon für das richtige Thema entschieden und selbstständig angefangen zu forschen.

durch Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin bekom­men. Später allerdings verließen meine Vorfahren Mecklenburg. Aber die Beziehung ist da.

Liest man Ihre Arbeit, fällt die Verbindung von rechtlichen und historischen Fragestellun­gen auf. Bestand für Sie darin auch der Reiz, gerade dieses Thema genauer zu beleuchten? von Bremen: Neben der per­sönlichen Nähe zu Mecklenburg war dies natürlich der aus­schlaggebende Grund. Mich interessierte, wie das Zusam­menspiel zwischen mecklenbur­gischem innerstaatlichem Recht

York-F. von Bremen wollte es noch einmal wissen. Mit 81 Jahren verteidigte er in Potsdam gerade seine zweite Dissertation. Nachdem die erste Arbeit ein juris­tisches Thema beinhaltete, befasste er sich nun mit dem mecklenburgischen Ständestant im Bismarckreich.Magna cum laude urteilten die Gutachter.

Foto: Fritze

Ihre Dissertation führt den Leser nach Mecklenburg. Gibt es persönliche Bezüge zu die­ser Region?

von Bremen: Ja. Die Familie stammt dorther. Im Jahr 1784 hat sie die Adelsbestätigung

und dem des übergeordneten deutschen Reiches funktionierte. Ich wollte mehr wissen über die damals vorherrschenden Verfas­sungskämpfe in Mecklenburg. Es war ja bis 1918 der letzte Ständestaat, nicht nur in

Deutschland, sondern in ganz Europa. Die dort geltende Ver­fassung stammte in ihren Grundfesten noch aus dem Jahr 1523, ein Relikt aus dem Mittel­alter also. Zwar gab es zwischen 1870 und 1880 sowie 1907 und 1913 zwei große Reformver­suche, doch die scheiterten. Dafür gesorgt hatte die Ritter­schaft, ohne deren Zustimmung eine legale Verfassungsänderung nicht erfolgen konnte. Das Reich griff beide Male nicht ein. Diese spannungsreiche Ge­schichte wollte ich aufarbeiten, gegenseitige Verhältnisse und Abhängigkeiten analysieren. Auf in der Forschung bereits Vor­handenes konnte dabei aller­dings kaum zurückgegriffen werden. Deshalb stöberte ich jahrelang in Archiven. Vor allem das in Schwerin erwies sich dabei als wertvolle Hilfe.

Sie haben in Potsdam Ihre Promotion abgeschlossen. Hatten Sie die Gelegenheit, die Universität näher kennen zu lernen?

von Bremen: Leider zu wenig. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass es eine junge, frische, sehr offene Universität ist. Natürlich gefällt mir vor allem das historische Ambiente des Komplexes Am Neuen Palais.

Vielen Dank für das Gespräch.

Förderpreis

Die Shell Gesellschaften Deutschland, Österreich und Schweiz verleihen zum fünften Mal einen Förderpreis an junge Wissenschaftlerinnen. Vergeben wird der She-Study Award 2001 für die besten Arbeiten rund um die Themen Mineralöl, Erdgas, Chemie und erneuerbare Ener­gien. Den Gewinnerinnen win­ken Preise im Wert von 5.000, 2 500 und 1000 Euro.

Einsendeschluss ist der 30. September 2001. Nähere Informationen bekommen Inte­ressentinnen im Internet unter der Adresse http://www.deut­sche-shell.de im BereichWir über uns/Gesellschaftliches Engagement. PUTZ

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