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(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/01

Leserbrief:

Reflexe statt Reflexionen von Wolfgang Meyerhöfer

Die Diskussion um das Eck­punktepapier des Rektorats zur geplanten neuen Uni­Struktur ist in vollem Gang. Seine Gedanken zu den nun auf dem Tisch liegenden kon­kreten Vorschlägen machte sich auch Wolfram Meyerhöfer aus dem Institut für Mathe­matik. Die Redaktion der PUTZ hofft, dass der fol­gende Leserbrief weiter zum Austausch von Positionen anregt. Beiträge, die(dazu eventuell eingehen werden, will die Redaktion im näch­sten Heft veröffentlichen.

Das vom Rektorat vorgelegte Strukturpapier für die Univer­sität schwächt unter dem Deck­mantel dernotwendigen Schär­fung der Profile lediglich weiter jene Bereiche, die inneruniver­sitär am durchsetzungsschwäch­sten sind. Nach der Gründungs­phase wurde nie an eine Gesamt­struktur gedacht, sondern die schwächsten Einheiten wurden jeweils ausgetrocknet. Diese Logik zog sich bis in die Fakul­täten und Institute durch: Un­besetzte Professuren oder die Professuren unbeliebter bezie­hungsweise schwacher Kollegen wurden gestrichen. So ist an einigen Stellen ein Flickentep­pich entstanden, dem man eher die Abschaffung wünscht als ein Fortbestehen in dieser Form. Dem Versuch des halbwegs strukturierten Umgangs mit der Finanzmisere, wie ihndie Humanwissenschaftliche Fakul­tät mit einem Partialharakiri vorgelegt hat, wird mit der Arroganz der Macht begegnet: Das Rektorat hat dies ge­würdigt, sieht jedoch an ver­schiedenen Punkten noch Dis­kussionsbedarf.

Einige Vorschläge meinerseits: 1. Die Juristische Fakultät, die mit 16 Prozent den geringsten Sparbeitrag bei der Anzahl der Lehrstühle leistet, gibt drei wei­tere Professuren ab, wobei die Hälfte der zugehörigen Mitar­beiterstellen erhalten bleibt. Die Fakultät wird aufgelöst und in die Wirtschafts- und Sozialwis­senschaftliche Fakultät einge­gliedert. Die dadurch frei wer­denden Ressourcen stehen dem

neuen juristischen Institut zur Verfügung.

2. Einsparungen in der Musik werden nicht durch Streichung der Professuren, sondern durch Veränderung der Personalstruk­tur erreicht. Sinnvoll erscheinen relativ viele Mitarbeiter bei rela­tiv wenig Professorenstellen, da hier eine große Breite an Fä­chern angeboten werden muss.

auch die Unfähigkeit der Universitäts-leitung, die Bedeutung des Studiengangs für die Region und seine innovative Rolle für den gesamten deutschen Früh-erziehungsbere­ich abzuschät-zen.

4. Die Tatsache, dass der Kelch an der Mathematisch-Naturwis­senschaftlichen Fakultät mit 19 Prozent Einsparung und keiner

Mit dem jetzt vorliegenden Eckpunktepapier will man für noch mehr Konkurrenzfähigkeit in Forschung und Lehre sorgen. Um dies zu erreichen, geht

es um klare Schwerpunktsetzungen.

Als weiterer Sparbeitrag ist hier eine vorübergehende Besetzung der Stellen! zu zwei Dritteln denkbar, da für die einzustellen­den Musiker die künstlerische Weiterentwicklung auch in außeruniversitären Gelegen­heitsverpflichtungen möglich ist. Das Institut sollte die Ver: suchung hinterfragen, mit der Abschaffung des Lehramts Sekundarstufe I/Primarstufe einfach die unbeliebteste Stu­dentenklientel abzustoßen.

3. Der Vorschlag des Rektorats, den Diplomstudiengang Musik­erziehung abzuschaffen, liegt zwar nahe, weil hier eine sepa­rate Struktur abgeschlagen wer­den kann und weil die Professur bei weitem zu wenig Anstren­gungen unternommen hat, um die sinnvollen Verzahnungen mit anderen Bereichen zu rea­lisieren. Hier(zeigt sich aber

Foto: Archiv

einzigen nun im dritten Schritt weiter zu streichenden Professur vorübergehen soll, ist aus inhalt­lichen und gemeinschaftlichen Gründen nicht zu verstehen. Hier spielt wohl die Argumen­tationsstärke der beteiligten Fächer die größere Rolle. Die Fakultät hat zwar eine Funktion der Verzahnung der örtlichen nichtuniversitären Institute. An­dererseits verlangt ein Denken als Gesamtstandort nicht, dass das bereits vorhandene enorme Potenzial nun auch noch an der Universität in einem Maße ver­stärkt wird, wie es die vor­liegende katastrophale Finanz­situation offenbar nicht erlaubt. In einer Situation, in der ganze Studiengänge geschlossen wer­den und sinnvoll zusammen­gedachte Strukturen zerschlagen werden, kann eine Fakultät(ge­rade eine mit verhältnismäßig

wenig studentischem Zulauf) nicht verlangen, weitermachen zu können wie bisher.

5. Der seltsame Umgang mit dem Abbauproblem in der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät zeigt sich auch darin, dass hier gerade die Fachdidaktiken von den Strei­chungen betroffen sind. Man möchte von 71 Professuren ge­rade mal zwei in den Fach­didaktiken belassen. Hier wird lediglich der alte Aberglaube ausgelebt, dass man nur ein guter Fachmensch zu sein brauche, um ordentlich zu unterrichten. Die neu zu beset­zenden Didaktiken der Geogra­phie und eventuell der Biologie

sollten neben Schule einen Schwerpunkt auf der öffent­lichen Darstellung wissen­

schaftlicher Erkenntnisse haben. Damit wird einer Notwendigkeit heutiger Arbeit der befreunde­ten Institute entsprochen und der Nachteil als kleines Fach aus­geglichen.

Geradezu befremdlich ist die Tatsache, dass das Rektorat nicht ansatzweise auf die Idee kommt, halbe Professuren zu schaffen. Geradejfürg kleine Fächer, deren Aufgabenbereich nicht durch befreundete Institute verstärkt wird, bieten sie sich als Über­gangslösung an.

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