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PUTZ 4/01
Leserbrief:
Reflexe statt Reflexionen von Wolfgang Meyerhöfer
Die Diskussion um das Eckpunktepapier des Rektorats zur geplanten neuen UniStruktur ist in vollem Gang. Seine Gedanken zu den nun auf dem Tisch liegenden konkreten Vorschlägen machte sich auch Wolfram Meyerhöfer aus dem Institut für Mathematik. Die Redaktion der PUTZ hofft, dass der folgende Leserbrief weiter zum Austausch von Positionen anregt. Beiträge, die(dazu eventuell eingehen werden, will die Redaktion im nächsten Heft veröffentlichen.
Das vom Rektorat vorgelegte Strukturpapier für die Universität schwächt unter dem Deckmantel der“notwendigen Schärfung der Profile” lediglich weiter jene Bereiche, die inneruniversitär am durchsetzungsschwächsten sind. Nach der Gründungsphase wurde nie an eine Gesamtstruktur gedacht, sondern die schwächsten Einheiten wurden jeweils ausgetrocknet. Diese Logik zog sich bis in die Fakultäten und Institute durch: Unbesetzte Professuren oder die Professuren unbeliebter beziehungsweise schwacher Kollegen wurden gestrichen. So ist an einigen Stellen ein Flickenteppich entstanden, dem man eher die Abschaffung wünscht als ein Fortbestehen in dieser Form. Dem Versuch des halbwegs strukturierten Umgangs mit der Finanzmisere, wie ihn‘die Humanwissenschaftliche Fakultät mit einem Partialharakiri vorgelegt hat, wird mit der Arroganz der Macht begegnet: “Das Rektorat hat dies gewürdigt, sieht jedoch an verschiedenen Punkten noch Diskussionsbedarf.”
Einige Vorschläge meinerseits: 1. Die Juristische Fakultät, die mit 16 Prozent den geringsten Sparbeitrag bei der Anzahl der Lehrstühle leistet, gibt drei weitere Professuren ab, wobei die Hälfte der zugehörigen Mitarbeiterstellen erhalten bleibt. Die Fakultät wird aufgelöst und in die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät eingegliedert. Die dadurch frei werdenden Ressourcen stehen dem
neuen juristischen Institut zur Verfügung.
2. Einsparungen in der Musik werden nicht durch Streichung der Professuren, sondern durch Veränderung der Personalstruktur erreicht. Sinnvoll erscheinen relativ viele Mitarbeiter bei relativ wenig Professorenstellen, da hier eine große Breite an Fächern angeboten werden muss.
auch die Unfähigkeit der Universitäts-leitung, die Bedeutung des Studiengangs für die Region und seine innovative Rolle für den gesamten deutschen Früh-erziehungsbereich abzuschät-zen.
4. Die Tatsache, dass der Kelch an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät mit 19 Prozent Einsparung und keiner
Mit dem jetzt vorliegenden Eckpunktepapier will man für noch mehr Konkurrenzfähigkeit in Forschung und Lehre sorgen. Um dies zu erreichen, geht
es um klare Schwerpunktsetzungen.
Als weiterer Sparbeitrag ist hier eine vorübergehende Besetzung der Stellen! zu zwei Dritteln denkbar, da für die einzustellenden Musiker die künstlerische Weiterentwicklung auch in außeruniversitären Gelegenheitsverpflichtungen möglich ist. Das Institut sollte die Ver: suchung hinterfragen, mit der Abschaffung des Lehramts Sekundarstufe I/Primarstufe einfach die unbeliebteste Studentenklientel abzustoßen.
3. Der Vorschlag des Rektorats, den Diplomstudiengang Musikerziehung abzuschaffen, liegt zwar nahe, weil hier eine separate Struktur abgeschlagen werden kann und weil die Professur bei weitem zu wenig Anstrengungen unternommen hat, um die sinnvollen Verzahnungen mit anderen Bereichen zu realisieren. Hier(zeigt sich aber
Foto: Archiv
einzigen nun im dritten Schritt weiter zu streichenden Professur vorübergehen soll, ist aus inhaltlichen und gemeinschaftlichen Gründen nicht zu verstehen. Hier spielt wohl die Argumentationsstärke der beteiligten Fächer die größere Rolle. Die Fakultät hat zwar eine Funktion der Verzahnung der örtlichen nichtuniversitären Institute. Andererseits verlangt ein Denken als Gesamtstandort nicht, dass das bereits vorhandene enorme Potenzial nun auch noch an der Universität in einem Maße verstärkt wird, wie es die vorliegende katastrophale Finanzsituation offenbar nicht erlaubt. In einer Situation, in der ganze Studiengänge geschlossen werden und sinnvoll zusammengedachte Strukturen zerschlagen werden, kann eine Fakultät(gerade eine mit verhältnismäßig
wenig studentischem Zulauf) nicht verlangen, weitermachen zu können wie bisher.
5. Der seltsame Umgang mit dem Abbauproblem in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zeigt sich auch darin, dass hier gerade die Fachdidaktiken von den Streichungen betroffen sind. Man möchte von 71 Professuren gerade mal zwei in den Fachdidaktiken belassen. Hier wird lediglich der alte Aberglaube ausgelebt, dass man nur ein guter Fachmensch zu sein brauche, um ordentlich zu unterrichten. Die neu zu besetzenden Didaktiken der Geographie und eventuell der Biologie
sollten neben Schule einen Schwerpunkt auf der öffentlichen Darstellung wissen
schaftlicher Erkenntnisse haben. Damit wird einer Notwendigkeit heutiger Arbeit der befreundeten Institute entsprochen und der Nachteil als kleines Fach ausgeglichen.
Geradezu befremdlich ist die Tatsache, dass das Rektorat nicht ansatzweise auf die Idee kommt, halbe Professuren zu schaffen. Geradejfürg kleine Fächer, deren Aufgabenbereich nicht durch befreundete Institute verstärkt wird, bieten sie sich als Übergangslösung an.
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