PUTZ 4/01
Studiosi
Jobben sichert eigenen Lebensunterhalt
Studie über Lebensabschnitt Universität
Wie weit sich Studierende der Universität Potsdam mit ihrer Hochschule verbunden fühlen und wodurch, ist soeben festgestellt worden. Die Fakten dazu sind Teil einer ganzen Reihe von Ergebnissen der Studie“Lebensabschnitt Universität— Studieren an der Universität Potsdam”. Das Lehrforschungsprojekt an der Professur Allgemeine Soziologie war über einen Zeitraum von zwei Semestern konzipiert und fand im Sommersemester 2000 und im Wintersemester 2000/2001 mit insgesamt 21 Studentinnen und Studenten aus unterschiedlichen Studiengängen statt.
Das Ausgangsinteresse der Untersuchung waren soziale Integrationsprozesse der Studierenden. Dabei wurden verschiedene Indikatoren überprüft. Einer davon war die Mitgliedschaft in studentischen und in außeruniversitären Organisationen. Überraschend war hier das Ergebnis, dass sich Aktivität in der Universität und Aktivität außerhalb nicht ausschließen, sondern dass, im Gegenteil, diejenigen, die außerhalb der Universität aktiv und integriert sind, es. auch. innerhalb ‚der Universität sind. Aktive Studen_ ten stellen auch eine Bereicherung für das gesellschaftliche Leben der Stadt Potsdam dar.
Quellen für Finanzierung
Das Projekt ging davon aus, dass die Studierenden‘ sich je nach Fach ganz unterschiedlichen Fachkulturen anpassen müssen beziehungsweise durch sie geprägt werden. Die Existenz unterschiedlicher Fachkulturen an der Universität Potsdam ließ sich mit dem. Instrument geschlossener Fragen allerdings überwiegend nur‘ indirekt messen, aber die Hinweise waren insgesamt überraschend eindeutig. Interessant erschien uns in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Art der Finanzierung des Studiums, da es sich hierbei um eine Schnittstelle zwischen dem uni
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versitären und dem privaten Leben handelt. Es konnten sowohl fachkulturelle als auch Unterwerden.
geschlechtsspezifische
schiede festgestellt
Einheitlich stellte sich das Bild bezüglich der wichtigsten Finan
einem Vergleich der politischen Orientierungen erkennbar. Insgesamt ist der Anteil der politisch desinteressierten oder nicht eindeutig festgelegten Studierenden besonders hoch. Das Gesamtbild zeigt aber auch
Lebensabschnitt Universität: In einer Studie fanden Studierende heraus, was ihn
eigentlich ausmacht.
zierungsquellen der Studenten dar. Mehrheitlich wird der Lebensunterhalt über die Familie und/oder die eigene. Erwerbsarbeit gesichert. Die dritte Finanzquelle stellt das BAföG dar; jedoch spielt es eine weit geringere Rolle als die beiden erstgenannten. Andere Finanzierungsarten(eigenes Vermögen, Rente, Stipendium) stellen eher eine Randerscheinung dar. Der auffallendste Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Studierenden ist‘ die Neigung, die Finanzierungsarten zu kombinieren. Während die weiblichen Studierenden in geringerem Maß dazu neigen, sich aus unterschiedlichen Quellen gleichzeitig zu finanzieren, scheint dies unter ihren männlichen Mitstudenten eher die Norm zu sein.
Politische Orientierung Differenzen zwischen den Fach
beziehungsweise Fakultätskulturen wurden besonders bei
Foto: Fritze
einen im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung linksliberalen Schwerpunkt. Die SPD war fast durchgängig die stärkste Partei, gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen und dann, nahezu gleich auf, wenn auch mit erheblichen Variationen, der CDU und der PDS. Die relativ konservativste Fakultät war die juristische, gefölgt ‚von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen(WiSo). Das am markantesten links-alternative Profil ,ergab sich nicht bei der Philosophischen, sondern bei der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät!
Selbstbilder
Eine weitere Spur zur Aufdeckung von Differenzen zwischen den Fachkulturen waren Selbstbilder. Ein interessantes Detail ist es dabei, dass sich die Studierenden aller Fakultäten gleichermaßen für freundlich und schwatzhaft halten. In der Selbsteinschätzung als besonders
redselig stechen die Studierenden der WiSo-Fakultät hervor. Den stärksten kulturellen Gegensatz bilden die Juristen und etwas weniger eindeutig die WiSo-Studierenden auf der einen Seite und die Naturwissenschaftler auf der anderen Seite. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass intern die Fakultäten keineswegs homogen sind. Alle Fakultäten stellen sich, natürlich mit graduellen Abstufungen, als kulturell relativ heterogen dar, jedoch ist in ihnen auch ein Konsens der Fächer bezüglich bestimmter Fragen zu erkennen. Dieser macht die Kultur der jeweiligen Fakultät aus.
Um weitergehende Aussagen treffen zu können, wäre nun ein Vergleich von alten und neuen, großen und kleinen Universitäten, von solchen in den alten und den neuen Bundesländern, von solchen, die in der Stadt liegen, und solchen, die außerhalb liegen, von Interesse und auch notwendig.
Stefan Heeg/Student Soziologie
Die Gesamtergebnisse des Lehrforschungsprojektes sind in einer Broschüre mit dem Titel“Lebensabschnitt Universität— Studium und soziale Integration in Potsdam” zusammengefasst. Sie umfasst 80 Seiten mit insgesamt 69 farbigen Abbildungen. Die Studie ist in der Universitätsbibliothek einseh- und ausleihbar. Bestellungen können per E-Mail: schaefer@rz.unipotsdam.de an der Professur für Allgemeine Soziologie vorgenommen werden. Die
Broschüre kostet 15,- Mark plus Versandkosten.