Heft 
(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/01

Studiosi

Jobben sichert eigenen Lebensunterhalt

Studie über Lebensabschnitt Universität

Wie weit sich Studierende der Universität Potsdam mit ihrer Hochschule verbunden fühlen und wodurch, ist soeben fest­gestellt worden. Die Fakten dazu sind Teil einer ganzen Reihe von Ergebnissen der StudieLebensabschnitt Uni­versität Studieren an der Universität Potsdam. Das Lehrforschungsprojekt an der Professur Allgemeine Sozio­logie war über einen Zeitraum von zwei Semestern konzipiert und fand im Sommersemester 2000 und im Wintersemester 2000/2001 mit insgesamt 21 Studentinnen und Studenten aus unterschiedlichen Studien­gängen statt.

Das Ausgangsinteresse der Un­tersuchung waren soziale Inte­grationsprozesse der Studieren­den. Dabei wurden verschie­dene Indikatoren überprüft. Einer davon war die Mitglied­schaft in studentischen und in außeruniversitären Organisatio­nen. Überraschend war hier das Ergebnis, dass sich Aktivität in der Universität und Aktivität außerhalb nicht ausschließen, sondern dass, im Gegenteil, diejenigen, die außerhalb der Universität aktiv und integriert sind, es. auch. innerhalb ‚der Universität sind. Aktive Studen­_ ten stellen auch eine Bereiche­rung für das gesellschaftliche Leben der Stadt Potsdam dar.

Quellen für Finanzierung

Das Projekt ging davon aus, dass die Studierenden sich je nach Fach ganz unterschiedlichen Fachkulturen anpassen müssen beziehungsweise durch sie geprägt werden. Die Existenz unterschiedlicher Fachkulturen an der Universität Potsdam ließ sich mit dem. Instrument geschlossener Fragen allerdings überwiegend nur indirekt messen, aber die Hinweise waren insgesamt überraschend ein­deutig. Interessant erschien uns in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Art der Finanzierung des Studiums, da es sich hierbei um eine Schnittstelle zwischen dem uni­

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versitären und dem privaten Leben handelt. Es konnten sowohl fachkulturelle als auch Unter­werden.

geschlechtsspezifische

schiede festgestellt

Einheitlich stellte sich das Bild bezüglich der wichtigsten Finan­

einem Vergleich der politischen Orientierungen erkennbar. Ins­gesamt ist der Anteil der poli­tisch desinteressierten oder nicht eindeutig festgelegten Studie­renden besonders hoch. Das Gesamtbild zeigt aber auch

Lebensabschnitt Universität: In einer Studie fanden Studierende heraus, was ihn

eigentlich ausmacht.

zierungsquellen der Studenten dar. Mehrheitlich wird der Lebensunterhalt über die Fami­lie und/oder die eigene. Er­werbsarbeit gesichert. Die dritte Finanzquelle stellt das BAföG dar; jedoch spielt es eine weit geringere Rolle als die beiden erstgenannten. Andere Finan­zierungsarten(eigenes Vermö­gen, Rente, Stipendium) stellen eher eine Randerscheinung dar. Der auffallendste Unterschied zwischen männlichen und weib­lichen Studierenden ist die Neigung, die Finanzierungs­arten zu kombinieren. Während die weiblichen Studierenden in geringerem Maß dazu neigen, sich aus unterschiedlichen Quellen gleichzeitig zu finan­zieren, scheint dies unter ihren männlichen Mitstudenten eher die Norm zu sein.

Politische Orientierung Differenzen zwischen den Fach­

beziehungsweise Fakultätskul­turen wurden besonders bei

Foto: Fritze

einen im Vergleich zur deut­schen Gesamtbevölkerung links­liberalen Schwerpunkt. Die SPD war fast durchgängig die stärkste Partei, gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen und dann, nahezu gleich auf, wenn auch mit erheblichen Variationen, der CDU und der PDS. Die relativ konservativste Fakultät war die juristische, gefölgt ‚von der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen(WiSo). Das am markantesten links-alternative Profil ,ergab sich nicht bei der Philosophischen, sondern bei der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät!

Selbstbilder

Eine weitere Spur zur Aufde­ckung von Differenzen zwischen den Fachkulturen waren Selbst­bilder. Ein interessantes Detail ist es dabei, dass sich die Studierenden aller Fakultäten gleichermaßen für freundlich und schwatzhaft halten. In der Selbsteinschätzung als besonders

redselig stechen die Studieren­den der WiSo-Fakultät hervor. Den stärksten kulturellen Ge­gensatz bilden die Juristen und etwas weniger eindeutig die WiSo-Studierenden auf der einen Seite und die Naturwis­senschaftler auf der anderen Seite. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass intern die Fakultäten keineswegs homogen sind. Alle Fakultäten stellen sich, natürlich mit gradu­ellen Abstufungen, als kulturell relativ heterogen dar, jedoch ist in ihnen auch ein Konsens der Fächer bezüglich bestimmter Fragen zu erkennen. Dieser macht die Kultur der jeweiligen Fakultät aus.

Um weitergehende Aussagen treffen zu können, wäre nun ein Vergleich von alten und neuen, großen und kleinen Univer­sitäten, von solchen in den alten und den neuen Bundesländern, von solchen, die in der Stadt liegen, und solchen, die außer­halb liegen, von Interesse und auch notwendig.

Stefan Heeg/Student Soziologie

Die Gesamtergebnisse des Lehrforschungsprojektes sind in einer Broschüre mit dem TitelLebensabschnitt Uni­versität Studium und soziale Integration in Potsdam zusammengefasst. Sie umfasst 80 Seiten mit insgesamt 69 farbigen Abbildungen. Die Studie ist in der Universitäts­bibliothek einseh- und aus­leihbar. Bestellungen können per E-Mail: schaefer@rz.uni­potsdam.de an der Professur für Allgemeine Soziologie vorgenommen werden. Die

Broschüre kostet 15,- Mark plus Versandkosten.