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(1.1.2019) 05
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Zehn Jahre Universität Potsdam

PUTZ 5/01

Im Anfang waren...

...Begeisterung, Wille, Kraft. Der karge märkische Sand trieb eine Blüte.

Wo der Aufbruch ein Fest war, ist es unfair, den Alltag damit zu vergleichen. Aber Erinnerung hilft, ihn zu bestehen Man wollte eine Universität errichten, eine Republik des Geistes. Geist muss wachsen, und manchmal weht er, wohin er Stattdessen wird er heute in Profile Schwerpunkte gepresst, die sich ihrerseits am Mainstream orientieren; Solitäre sind unerwünscht. Republik des Zeitgeistes?

Was der Universität vor allem zusetzt, ist nicht nur ihre/ Un: terfinanzierung, sondern noch mehr ihre Sicht als betriebs; wirtschaftliche Größe, die sich nur noch in den Kategorien von Input und Output darstellt und die zurLeistungssteigerung ein hierarchisches Konzept verordnet bekommt. Ist es wirk­lich schon so schlimm, dass der damalige Wissenschaftsminister bei der Beratung des neuen Hochschulgesetzes sagen konn­te:Die Hochschulen unseres Landes*haben sich dieses neue, moderne Gesetz auch wirklich verdient?

Was die Universität unter diesen Umständen noch retten kann, sollte sie tun. Dazu gehört nicht zuletzt ein akademischer, kolle­gialer Stil. Trinken wir wenig­stens.nicht den Kakao, durch den. man. uns Lehrende und Lernende zieht.

will.

und

Prof. Dr. jur. Eckart Klein/ Juristische Fakultät und Geschäftsführender Direktor des MenschenRechtsZentrums

1995: Uni-Sommerfest, von Dosenpfand noch keine Spur.

Foto: Archiv

Crashkurs in Distanz

Die vergangenen zehn Jahre waren nicht zuletzt ein Crash­kurs in Sachen kritische Distanz. Gewonnen habe ich eine pro­duktive Skepsis, eine heitere

Widerständigkeit gegenüber jeglichen Ritualen der Macht­ausübung, einschließlich den eigenen. Was für ein komfor­tabler Zustand!

Meine westdeutschen Kollegen sollten mich beneiden- aber sie sind mehrheitlich noch nicht so weit. Sie hängen. noch im Stadium der Gläubigkeit fest; sie glauben an die Selbstheilungs­kräfte des Marktes, an die Funk­tionstüchtigkeit demokratischer Strukturen, sie glauben vor alleman die: eigene. Bedeut­samkeit und nehmen für den Erhalt dieses Glaubens geradezu absurde Anpassungsleistungen

in Kauf(welche allerdings, sobald man eine gewisse Sprosse auf der Karrniereleiten erreicht hat, nicht übel honoriert werden). Arrogante Anpassungsfähigkeit aber tut- wer wüsste das wohl besser als wir Ostdeutschen ­dem Output einer Universität nicht gut. Um drei sehr reale Gefahren zu benennen: Die Forschung unterwirft sich dem Markt und dem Mainstream. Auf der Strecke bleibt die. Demut gegenüber den Abnehmern des vermittelten Wissens als Grund­voraussetzung für eine inspirie­rende, zukunftsfähige Lehre. Die demokratische Selbstverwaltung wird zum Spielball selbstherrlich­er Dilertanten.+ Mein Humor reicht aus, um diese. Gefahren hinweg. zu. lachen. Es ist ein Humor, der auch aus.der Trauer kommt. Die Zahl der Verbün­deten, die mit mir lachen kön­nen, wird zum Glück nicht geringer, und ihre Herkunft ist nicht auf eine bestimmte Him­melsrichtung beschränkt.

Dr. Uta Sändig/Institut für Germanistik Bereich Didaktik Deutsch als Fremdsprache/ Deutsch als Zweitsprache, Mittelbausenatorin

Oktober 1999

Die ersten Studierenden neh­men im neuen Studiengang Softwaresystemtechnik am Hasso-Plattner-Institut ihr Stu­dium auf.

1. Januar 2000

Nach inneruniversitärer Dis­kussion wird ein neues Cor­porate Design an der Uni eingeführt und eine Leitbild­diskussion zum Selbstver­ständnis und zur Zukunft unter allen Uni-Angehörigen ge­startet.

Januar 2000 Der Wissenschaftsrat gibt seine Stellungnahme zu den geistes­

und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Uni ab. Er würdigt die Aufbauleistung der Hochschule und spricht Em­pfehlungen für die künftige Entwicklung des Forschungs­und Lehrprofils der einzelnen Fakultäten aus.

Frühjahr 2000

Die Uni erhält die erste DEG­Forschergruppe. Wissen­schaftler aus den Bereichen Informatik, Psychologie, Neu­ropsychologie, Linguistik und Physik befassen sich mit dem ThemaKonfligierende Regeln und Strategien zur Resolution von Konflikten in der Kog­nitionswissenschaft.

28. Juni 2000

Der erste von drei Neubauten für die Mathematisch-Natur­wissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam im Wissenschaftspark Golm wird eingeweiht. Die Kosten für den Bau betragen 75 Millionen DM.

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