Zehn Jahre Universität Potsdam
PUTZ 5/01
Im Anfang waren...
...Begeisterung, Wille, Kraft. Der karge märkische Sand trieb eine Blüte.
Wo der Aufbruch ein Fest war, ist es unfair, den Alltag damit zu vergleichen. Aber Erinnerung hilft, ihn zu bestehen Man wollte eine Universität errichten, eine Republik des Geistes. Geist muss wachsen, und manchmal weht er, wohin er Stattdessen wird er heute in Profile Schwerpunkte gepresst, die sich ihrerseits am Mainstream orientieren; Solitäre sind unerwünscht. Republik des Zeitgeistes?
Was der Universität vor allem zusetzt, ist nicht nur ihre/ Un: terfinanzierung, sondern noch mehr ihre Sicht als betriebs; wirtschaftliche Größe, die sich nur noch in den Kategorien von Input und Output darstellt und die zur“Leistungssteigerung” ein hierarchisches Konzept verordnet bekommt. Ist es wirklich schon so schlimm, dass der damalige Wissenschaftsminister bei der‘ Beratung des neuen Hochschulgesetzes sagen konnte:“Die Hochschulen‘ unseres Landes*haben sich dieses neue, moderne Gesetz auch wirklich verdient”?
Was die Universität unter diesen Umständen noch retten kann, sollte sie tun. Dazu gehört nicht zuletzt ein akademischer, kollegialer Stil. Trinken wir wenigstens.nicht den Kakao, durch den. man. uns Lehrende und Lernende zieht.
will.
und
Prof. Dr. jur. Eckart Klein/ Juristische Fakultät und Geschäftsführender Direktor des MenschenRechtsZentrums
1995: Uni-Sommerfest, von Dosenpfand noch keine Spur.
Foto: Archiv
Crashkurs in Distanz
Die vergangenen zehn Jahre waren nicht zuletzt ein Crashkurs in Sachen kritische Distanz. Gewonnen habe ich eine produktive Skepsis, eine heitere
Widerständigkeit gegenüber jeglichen Ritualen der Machtausübung, einschließlich den eigenen. Was für ein komfortabler Zustand!
Meine westdeutschen Kollegen sollten mich beneiden- aber sie sind mehrheitlich noch nicht so weit. Sie hängen. noch im Stadium der Gläubigkeit fest; sie glauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes, an die Funktionstüchtigkeit demokratischer Strukturen,“ sie glauben vor allem‘an die: eigene. Bedeutsamkeit und nehmen für den Erhalt dieses Glaubens geradezu absurde Anpassungsleistungen
in Kauf(welche allerdings, sobald man eine gewisse Sprosse auf der Karrniereleiten erreicht hat, nicht übel honoriert werden). Arrogante Anpassungsfähigkeit aber tut- wer wüsste das wohl besser als wir Ostdeutschen dem Output einer Universität nicht gut. Um drei sehr reale Gefahren zu benennen: Die Forschung unterwirft sich dem Markt und dem Mainstream. Auf der‘ Strecke bleibt die. Demut gegenüber den Abnehmern des vermittelten Wissens als Grundvoraussetzung für eine inspirierende, zukunftsfähige Lehre. Die demokratische Selbstverwaltung wird zum Spielball selbstherrlicher Dilertanten.+ Mein Humor reicht aus, um diese. Gefahren hinweg. zu. lachen. Es ist ein Humor, der auch aus.der Trauer kommt. Die Zahl der Verbündeten, die mit mir lachen können, wird zum Glück nicht geringer, und ihre Herkunft ist nicht auf eine bestimmte Himmelsrichtung beschränkt.
Dr. Uta Sändig/Institut für Germanistik Bereich Didaktik Deutsch als Fremdsprache/ Deutsch als Zweitsprache, Mittelbausenatorin
Oktober 1999
Die ersten Studierenden nehmen im neuen Studiengang Softwaresystemtechnik am Hasso-Plattner-Institut ihr Studium auf.
1. Januar 2000
Nach inneruniversitärer Diskussion wird ein neues Corporate Design an der Uni eingeführt und eine Leitbilddiskussion zum Selbstverständnis und zur Zukunft unter allen Uni-Angehörigen gestartet.
Januar 2000 Der Wissenschaftsrat gibt seine Stellungnahme zu den geistes
und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Uni ab. Er würdigt die Aufbauleistung der Hochschule und spricht Empfehlungen für die künftige Entwicklung des Forschungsund Lehrprofils der einzelnen Fakultäten aus.
Frühjahr 2000
Die Uni erhält die erste DEGForschergruppe. Wissenschaftler aus den Bereichen Informatik, Psychologie, Neuropsychologie, Linguistik und Physik befassen sich mit dem Thema“Konfligierende Regeln und Strategien zur Resolution von Konflikten in der Kognitionswissenschaft”.
28. Juni 2000
Der erste von drei Neubauten für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam im Wissenschaftspark Golm wird eingeweiht. Die Kosten für den Bau betragen 75 Millionen DM.
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