Heft 
(1.1.2019) 05
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Zehn Jahre Universität Potsdam

PUTZ 5/01

Schöne zehn Jahre- trotz alledem

Ist unsere Universität Potsdam nicht ein Kind der Öffnung und Freiheit? Ist sie nicht aus diesem Grunde ebenso wie aufgrund jeder der Wahrhaftigkeit ver­pflichteten Wissenschaft gehal­ten, für Freiheit und Offenheit einzustehen? Wahrscheinlich nicht so ausgedrückt, wohl aber so empfunden haben es meines Erachtens viele, die im Laufe der Gründung und des Aufbaus an die Universität Potsdam gekom­men sind, sich engagier(t)en, kämpf(t)en und hoffnungsvoll träum(t)en. Mir jedenfalls geht es noch heute so, da die Univer­sität Potsdam und auchmeine Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftliche Fakultät bereits eine international wahrgenommene, eingebundene Institution mit einer sich entwickelnden Tradi­tion ist.

Dieses Ergebnis ist. schon deshalb beachtenswert, da die uns verfügbaren Ressourcen stets knapp waren und immer stärker restringieren.. Verglichen mit vielen etablierten Univer­sitäten haben viele Mitglieder unserer Universität ungleich mehr Ideen und Zeit einge­bracht- in die: Prozesse von Gründung, Aufbau. und Um­strukturierung sowie den tägli­chen Lehr- und Forschungs­betrieb.

Natürlich hofft man auch auf Bestätigung in der Öffent­lichkeit, in der häufig eher platte und teilweise unwissende bis boshafte Meinungen über deut­sche Universitäten vorherrschen. Oft musste ich feststellen, dass Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik in ihren Forderun­gen die Universität! mit einer Berufsschule verwechseln. Und meines Erachtens stieg allgemein die Gefahr, dass Universitäten in kurzfristige politische Mühlen mit einfachen betrieblichen Überlegungen geraten und Figenverantwortung in Unab­hängigkeit verlieren, das heißt die wichtigste Ressource für unserenQutput?.in Form welt­und zukunftsoffener, human­kapitalstarker Absolventen, wei­terqualifizierter Mitglieder sowie wissenschaftlicher Ergebnisse. Grundlagenforschung und Lehre sind nicht wahlkampf­tauglich. Sie habem keinen Markt. Aber begründet nicht

dieses die Öffentliche Finan­zierung? Bei aller Knappheit gab es auch Lichtblicke und Unter­stützung von Politikern, Regie­rungsmitgliedern sowie Land­tagsabgeordneten von einzelnen Persönlichkeiten und Unternehmen.

Unsere Universität besetzt aus meiner Sicht keine spezifische

sowie

Foto: Tribukeit

Nische. Der Wettbewerb in der global offenen Wissen­schaftsszene von Brandenburg­Berlin erfordert stetige Qualitätsentwicklung bei boden­ständiger Festigkeit. Die allzei­tige(Boden-) Haftung sollen in der WiSo-Fakultät fünf Bereiche sichern: Betriebs- und Volks­wirtschaftslehre, Soziologie, Politik- und Verwaltungswis­senschaft. Die Qualität garan­tieren muss das Collegium mit großer wissenschaftlicher Spann­weite und einerkritischen Masse an. unterschiedlicher Fachkompetenz sowie. Inter­disziplinarität.. Für unsere Studierenden, Doktoranden und Habilitanden scheint wie das Funkeln eines Diamanten ein Kontinuum differenzierter Stu­dien und Abschlüsse auf. Denn zu unserem Profil gehört auch, meines Erachtens fast einzig in Deutschland;. die- Flexibilität individueller Studienspezia­lisierung zu ermöglichen. Aber muss die Kombinations­möglichkeiten zur Kenntnis nehmen, Vorstellungen über starre Diplome ad acta legen und eigenverantwortlich ent­

man

scheiden wollen.

Drei Reformschritte waren nötig. Diese sind die von uns ohne Druck geschaffenen und vor der nächsten großen Wei­terentwicklung stehenden Prü­fungssysteme mit Bonus- oder Leistungspunkten, eine Modu­larisierung in Form von in sich selbst: noch ‚variablen(Kern-)

Fächern und, gleichermaßen in Forschung und Lehre, die nationale und internationale Einbindung. So wie Volkswirte an Im- und Exporte sowie Strukturwandel, das heißt, in Kategorien wandelnder Systeme denken, so ermöglichen wir unseren Studierenden umfangreiche Studienleistun­gen. Bemühungen um Inter­disziplinarität, Anerkennungen wie beim ECTS oder bei so genannten Doppelabschlüssen und um interaktive Gestaltung sind bei uns, weil gängige Praxis, alte Hüte. Wir überwinden ge­rade gemeinsam das starre Denken in separaten Fächern beziehungsweise Wissenschaften und in Hierarchien /mitä Kern; und Servicebereichen.

Denn es geht um die Zukunft. Wandlungen in der Vergangen­heit sind Indikatoren für die Zukunftsfähigkeit. Wir disku­tieren, ohne starre Fraktionen und Fronten, noch offen und konsensbildend. Noch domi­nieren keine grauen Eminenzen. Noch haben wir den allseitigen Aufbruchselan.

Geworden sind wir eine Art multidisziplinäre Wissensgesell­schaft mit einer gleichgewichti­gen Struktur auf dem Niveau von Mindestgrößen, die für die Verflechtungen und Synergien innerhalb unserer Universität unabdingbar sind. Die damit

sich

verbundenen persönlichen Flexibili-täten und Zusammenarbeit sind eine Art universitäres öffentliches Gut. Es wäre langfristig ein Fehler, es aufzugeben durch beispielsweise das Hervorheben eines Bereiches als Primaballeri-na, um die sich alle anderen gruppieren.

Das in der Wirtschaft zu beobachtendeZerlegen von Konglomeraten in bestimmte Sektoren eindeutig zuzuordnen­der Unternehmen ist meiner Ansicht nach für die WiSo­Fakultät deshalb interessant, da entweder jedes Unternehmen in einem Sektor, also die Fakultät den Zwang zur Masse, das heißt zum Vollanbieter im Sektor ern­stnimmt oder früher oder später aus dem Markt austritt beziehungsweise übernommen wird ich hoffe dass meine Fakultät den eingeschlagenen Weg weiterentwickelt und die Verflechtung weiter ausbaut. Dann erhält jeder Studierende mehr Optionen beziehungsweise Verfügungsrechte bei steigender Mobilität und multidisziplinärer Handlungsfähigkeit. Zehn Jahre sind wenig für eine Universität, für uns waren sie Erachtens das Zukunft.

Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

meines Torlin| die

Identität durch Musik

Für jede Universität gehörte es schon immer zum guten Ton, ein musisches Aushängeschild zu haben. Wo sonst wird unserem dungssystem noch etwas zur Pflege der

nach. der Schulzeit in

klassischen Musik getan?

Die Universität Potsdam benötigt drin­gend Möglichkeiten zur Identifikation der Studenten mit ihrer Universi Bildung von Gemeinschaftsgefühl und zum Knüpfen von sozialen Kontakten, zur fachbereichsübergreifenden Arbeit.

Die in die Potsdamer und Brandenburger

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Bil­

Foto: Fri

Öffentlichkeit nicht hinreichend integrierte Universität Potsdam braucht dringend Gruppen, die ihre Arbeit nach außen repräsen­tieren können und ihren Ruf im Umland etablieren hilft. Alle diese Gesichtspunkte waren von jeher Aufgabe der Musik. Ich will das gern weiter mit Campus Cantabile und Sinfonietta Potsdam, dem Chor und Orchester der Universität tun.

Kristian Commichau/ Institut für Musik

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