Zehn Jahre Universität Potsdam
PUTZ 5/01
Schöne zehn Jahre- trotz alledem
Ist unsere Universität Potsdam nicht ein Kind der Öffnung und Freiheit? Ist sie nicht aus diesem Grunde ebenso wie aufgrund jeder der Wahrhaftigkeit verpflichteten Wissenschaft gehalten, für Freiheit und Offenheit einzustehen? Wahrscheinlich nicht so ausgedrückt, wohl aber so empfunden haben es meines Erachtens viele, die im Laufe der Gründung und des Aufbaus an die Universität Potsdam gekommen sind, sich engagier(t)en, kämpf(t)en und hoffnungsvoll träum(t)en. Mir jedenfalls geht es noch heute so, da die Universität Potsdam und auch“meine” Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät bereits eine international wahrgenommene, eingebundene Institution mit einer sich entwickelnden Tradition ist.
Dieses Ergebnis‘ ist. schon deshalb beachtenswert, da die uns verfügbaren Ressourcen stets knapp waren und immer stärker restringieren.. Verglichen mit vielen etablierten Universitäten haben viele Mitglieder unserer Universität ungleich mehr Ideen und Zeit eingebracht- in die: Prozesse‘ von Gründung, Aufbau. und Umstrukturierung sowie den täglichen Lehr- und Forschungsbetrieb.
Natürlich hofft man auch auf Bestätigung in der Öffentlichkeit, in der häufig eher platte und teilweise unwissende bis boshafte Meinungen über deutsche Universitäten vorherrschen. Oft musste ich feststellen, dass Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik in ihren Forderungen die Universität! mit einer Berufsschule verwechseln. Und meines Erachtens stieg allgemein die Gefahr, dass Universitäten in kurzfristige politische Mühlen mit einfachen betrieblichen Überlegungen geraten und Figenverantwortung in Unabhängigkeit verlieren, das heißt die wichtigste Ressource für unseren“Qutput?.in Form weltund zukunftsoffener, humankapitalstarker Absolventen, weiterqualifizierter Mitglieder sowie wissenschaftlicher Ergebnisse. Grundlagenforschung und Lehre sind nicht wahlkampftauglich. Sie habem keinen Markt. Aber begründet nicht
dieses die Öffentliche Finanzierung? Bei aller Knappheit gab es auch Lichtblicke und Unterstützung von Politikern, Regierungsmitgliedern sowie Landtagsabgeordneten von einzelnen Persönlichkeiten und Unternehmen.
Unsere Universität besetzt aus meiner Sicht keine spezifische
sowie
Foto: Tribukeit
Nische. Der Wettbewerb in der global offenen Wissenschaftsszene von BrandenburgBerlin erfordert stetige Qualitätsentwicklung bei bodenständiger Festigkeit. Die allzeitige(Boden-) Haftung sollen in der WiSo-Fakultät fünf Bereiche sichern: Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Politik- und Verwaltungswissenschaft. Die Qualität garantieren muss das Collegium mit großer wissenschaftlicher Spannweite und einer“kritischen” Masse an. unterschiedlicher Fachkompetenz sowie. Interdisziplinarität..— Für unsere Studierenden, Doktoranden und Habilitanden scheint wie das Funkeln eines Diamanten ein Kontinuum differenzierter Studien und Abschlüsse auf. Denn zu unserem Profil gehört auch, meines Erachtens fast einzig in Deutschland;. die- Flexibilität individueller Studienspezialisierung zu ermöglichen. Aber muss die Kombinationsmöglichkeiten zur Kenntnis nehmen, Vorstellungen über starre Diplome ad acta legen und eigenverantwortlich ent
man
scheiden wollen.
Drei Reformschritte waren nötig. Diese sind die von uns ohne Druck geschaffenen und vor der nächsten großen Weiterentwicklung stehenden Prüfungssysteme mit Bonus- oder Leistungspunkten, eine Modularisierung in Form von in sich selbst: noch ‚variablen(Kern-)
Fächern und, gleichermaßen in Forschung und Lehre, die nationale und internationale Einbindung. So wie Volkswirte an Im- und Exporte sowie Strukturwandel, das heißt, in Kategorien wandelnder Systeme denken, so ermöglichen wir unseren Studierenden umfangreiche Studienleistungen. Bemühungen um Interdisziplinarität, Anerkennungen wie beim ECTS oder bei so genannten Doppelabschlüssen und um interaktive Gestaltung sind bei uns, weil gängige Praxis, alte Hüte. Wir überwinden gerade gemeinsam das starre Denken in separaten Fächern beziehungsweise Wissenschaften und in Hierarchien /mitä Kern; und Servicebereichen.
Denn es geht um die Zukunft. Wandlungen in der Vergangenheit sind Indikatoren für die Zukunftsfähigkeit. Wir diskutieren, ohne starre Fraktionen und Fronten, noch offen und konsensbildend. Noch dominieren keine grauen Eminenzen. Noch haben wir den allseitigen Aufbruchselan.
Geworden sind wir eine Art multidisziplinäre Wissensgesellschaft mit einer gleichgewichtigen Struktur auf dem Niveau von Mindestgrößen, die für die Verflechtungen und Synergien innerhalb unserer Universität unabdingbar sind. Die damit
sich
verbundenen persönlichen Flexibili-täten und Zusammenarbeit sind eine Art universitäres öffentliches Gut. Es wäre langfristig ein Fehler, es aufzugeben durch beispielsweise das Hervorheben eines Bereiches als Primaballeri-na, um die sich alle anderen gruppieren.
Das in der Wirtschaft zu beobachtende“Zerlegen” von Konglomeraten in bestimmte Sektoren eindeutig zuzuordnender Unternehmen ist meiner Ansicht nach für die WiSoFakultät deshalb interessant, da entweder jedes Unternehmen in einem Sektor, also die Fakultät den Zwang zur Masse, das heißt zum Vollanbieter im Sektor ernstnimmt oder früher oder später aus dem Markt austritt beziehungsweise übernommen wird ich hoffe dass meine Fakultät den eingeschlagenen Weg weiterentwickelt und die Verflechtung weiter ausbaut. Dann erhält jeder Studierende mehr Optionen beziehungsweise Verfügungsrechte bei steigender Mobilität und multidisziplinärer Handlungsfähigkeit. Zehn Jahre sind wenig für eine Universität, für uns waren sie Erachtens das Zukunft.
Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
meines Torlin| die
Identität durch Musik
Für jede Universität gehörte es schon immer zum guten Ton, ein musisches Aushängeschild zu haben. Wo sonst wird unserem dungssystem noch etwas zur Pflege der
nach. der Schulzeit in
klassischen Musik getan?
Die Universität Potsdam benötigt dringend Möglichkeiten zur Identifikation der Studenten mit ihrer Universi Bildung von Gemeinschaftsgefühl und zum Knüpfen von sozialen Kontakten, zur fachbereichsübergreifenden Arbeit.
Die in die Potsdamer und Brandenburger
ät, zur
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Foto: Fri
Öffentlichkeit nicht hinreichend integrierte Universität Potsdam braucht dringend Gruppen, die ihre Arbeit nach außen repräsentieren können und ihren Ruf im Umland etablieren hilft. Alle diese Gesichtspunkte waren von jeher Aufgabe der Musik. Ich will das gern weiter mit Campus Cantabile und Sinfonietta Potsdam, dem Chor und Orchester der Universität tun.
Kristian Commichau/ Institut für Musik
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