PUTZ 5/01
Der Praxis ein Stück näher
Potsdamer Universität auf Änderungen in Juristenausbildung vorbereitet
Es ist eine nicht enden wollende Geschichte. Immer wieder hat es in der Vergangenheit Bemühungen um eine Reform der Juristenausbildung gegeben. Die jetzt anstehende diskutiert man seit etwa vier Jahren. Wann sie jedoch genau kommt, weiß keiner. Klarheit gibt es zwar hinsichtlich allgemeiner Grundsätze, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail.
Die Justizministerkonferenz hat im Herbst 2000 in Brüssel einen Beschluss zur Reform gefasst. Auf dem Tisch liegt jetzt der Bericht des Koordinierungsausschusses Juristenausbildung der Justizministerkonferenz. Dieser hat einen Gesetzentwurf zur Änderung des Deutschen Richtergesetzes und der Bundesrechtsanwaltsordnung erarbeitet. Sogar ein Beispielstudienplan existiert. Bevor der allerdings Realität wird, bedarf es. vermutlich eines ‚zähen Amtsweges. So lange will die Juristische Fakultät... nicht warten. Zum nächsten Wintersemester soll bereits ein neues Ausbildungsprogramm umgesetzt werden. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Mit Dekanin Prof. Dr. Carola Schulze, Rainer Homey vom Studienbüro und Manfred Koldehoff, dem Präsidenten des Justizprüfungsamtes beim Ministerium der Justiz und für Europaangelegenheiten des Landes Brandenburgs sprach PUTZ-Redakteurin Petra Görlich über die Reform in spe und ihre Folgen.
Die Reform der Juristenausbildung scheint notwendig, warum?
Koldehoff: Zum einen das allgemeine Unbehagen an- der Praxisferne der Ausbildung. Die jungen Juristen werden nicht ausreichend auf die einzelnen juristischen Berufsfelder vorbereitet. Zum anderen gab, es auch den Druck.in den Universitäten selbst, das Studium modernisieren und größere Gestaltungsspielräume gewinnen zu wollen. Hierzu
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gehört auch die Klage über das Auseinanderfallen von Studium und erster juristischer Staatsprüfung.
Jede Reform hat ihre Grenzen. Was also bleibt, und welche Änderungen stehen bevor?
Koldehoff: Bleiben werden die Zweistufigkeit der Ausbildung und die Einheitsqualifikation des Juristen. Änderungen sind zum Beispiel bei den Prüfungen geplant. Die erste juristische Staatsprüfung wird in zwei selbstständige Prüfungen aufgeteilt werden: eine staatliche, vom Justizprüfungsamt durchgeführte Pflichtfach- und eine universitäre Wahlfachprüfung. Bei der Gewichtung beider gibt es klare Vorstellungen. Die Wahlfachprüfungen sollen 25 Prozent, die A Pflichtfächer... 75 Prozent der Gesamtnote ausmachen. Das bedeutet eine Stärkung der Wahlfächer. Deren Umfang und Inhalt geht künftig ausschließlich in die Kompetenz der Unis, die ‚auch die. Prüfungsanforderungen festlegen. Damit ist zugleich die Hoffnung verbunden, dass die Hochschulen in den von ihnen zu verantwortenden Wahlfachbereichen über das jeweilige Lehrangebot eigene Profile entwickeln.
Wie weit sind Sie mit den Vorarbeiten?
Schulze: Wir beschäftigen uns mit der. Reform der JuristenAusbildung seit einem Jahr. Das begann mit der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat, den damals ausgesprochenen Profilierungswünschen und auch mit der Forderung Justizministers Schelter, eine Stellungnahme zur Reformierung. im Pflichtfachbereich zu unterbreiten. Die Reform bringen wir nun seit dem Wintersemester 2000/01 gemeinsam mit dem Justizprüfungsamt, dem Wissenschaftsministerium und der Viadrina Frankfurt/Oder auf den. Weg. Was wir"bisher geschafft haben, kann sich sehen lassen. Das Pflichtfachstudium
ist neu strukturiert, die zukünftige Zwischenprüfungsordnung wurde im Fakultätsrat verabschiedet. Derzeit müssen wir vor allem dem kommenden Wahlfachangebot Aufmerksamkeit schenken. Uns bleibt nicht viel Zeit, denn im nächsten Wintersemester soll. das reformierte Studium beginnen.
Sowohl im Pflicht- als auch im Wahlfachbereich soll es Anderungen geben, welche?
Schulze: Nun, im Pflichtbereich werden unter anderem statt der bisher üblichen Ubungen für
UNI aktuell
Steuer- und Umweltrecht zur Auswahl stehen.
Kooperation in der Uni, aber auch mit Partnern außerhalb ihrer Mauern scheint an Bedeutung zu gewinnen. Ist der angedachte Ausbildungsverbund in der Region wirklich der allein zum Erfolg führende Weg?
Koldehoff: Ich. denke ja. Wissenschafts- und Justizministerium sehen hier die zentrale Chance für unsere Fakultäten im Großraum Berlin-Brandenburg, und zwar in einer Kooperation
Bevor im Namen des Volkes Recht gesprochen werden kann, heißt es zunächst einmal büffeln. Dabei müssen die künftigen Juristen auch weiter ein zweistufiges Ausbildungsmodell durchlaufen. Das jedoch soll besser als zuvor auf die Anforderungen in der Praxis vorbereiten.
Anfänger vorlesungsbegleitende Klausuren laufen, außerdem gibt es nachdem 3. Semester, eine Zwischenprüfung. Die soll eine Auswahl der für das Studium wirklich Geeigneten befördern.
Mit den Wahlfächern geht es dann im vierten Semester los. Es wird Wahlfachgruppen geben, die stärker als früher, mit. dem Standort Potsdam verbunden sind, einen noch ausgeprägteren Praxisbezug aufweisen, vermehrt internationale Aspekte berücksichtigen und last but not least die Kooperation mit der benachbarten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät erkennen lassen. Perspektivisch könnten also Medienrecht, einschließlich Medienwirtschaftsrecht; öffentliches Wirtschaftsrecht; oder Friedensvölkerrecht, Menschenrechte und Menschenrechtsschutz sowie Wirtschafts-,
Foto: Fritze
untereinander. und mit. den Berliner Juristischen Fakultäten und einer speziellen Profilbildung.
Schulze: Wir müssen es tatsächlich schaffen, dass das Wahlfachgruppenangebot sehr spezifisch ist. Nur so kann der Ausbildungsverbund mit Berlin funktionieren.
Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die derzeitigen Studierenden?
Koldehoff: Wir werden im Vorgriff auf die kommenden gesetzlichen Änderungen Lösungen vorab im Erlasswege finden. Wir werden die von der Fakultät neu eingerichteten Wahlfachgruppen jeweils den im
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