PUTZ 5/01
UNI aktuell
In die märkische Stille gekommen
Gast aus Asiens modernster Uni
Ein Gastprofessor aus Hongkong hält sich zur Zeit in der Gruppe für Analytische Biochemie von Prof. Dr. Frieder Scheller auf. Der Gast aus Fernost ist Prof. Dr. Reinhard Renneberg, der erste Doktorand, den Frieder Scheller betreut hatte. Der Kontakt mit dem“Meister” hält auch über die Entfernung an, wovon auch die Nachwuchswissenschaftler profitieren. Renneberg hat zwei chinesische Studenten mitgebracht und hofft künftig auf einen regen Austausch zwischen den beiden Unis. Die. Fragen stellte PUTZ-Redakteurin Dr. Antonia Rötger.
Sie haben eine Professur in Hongkong. Wie sind Sie dorthin gekommen?
Renneberg: Mit dem Flugzeug! Laufen war mir zu weit! Aber Scherz beiseite: Ich..habe nach dem Studium bei Herrn Scheller in Berlin-Buch gearbeitet und war sein erster Doktorand. Nach der‘ Wende Abteilungsleiter für Biosensoren in einem Fraunhofer Institut in Münster und bekam 1995 einen Ruf nach Hongkong, an die modernste Universität Asiens. Wichtig war dabei Schellers ausgezeichnete weltweite Reputation.
wurde ich
Können Sie die Unterschiede im Universitätsbetrieb zwischen Hongkong und Potsdam erläutern?
Renneberg: Hongkong ist ein Hexenkessel, was man von Golm nicht gerade sagen: kann...Gott sei Dank! Ich genieße die Stille und Weite Brandenburgs. Ansonsten haben wir in Hongkong das amerikanische System: Der Student kriegt einen straffen Fahrplan, alles schulmäßig. Es hängt auch mit der chinesischen Kultur zusammen: Die Studenten haben ein Super-Gedächtnis durch das Lernen der chinesischen Zeichen. Beide Unis sind zehn Jahre alt, die Hongkonger liegt aber am Meer und unter Palmen.
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Wie sind die Studenten in Hongkong im Vergleich zu den Studierenden hier?
Renneberg: Die Chinesen sind sehr respektvoll zu den Profs, ich musste es meinen Studenten erst abgewöhnen, mir alles blind zu glauben.
Kam aus dem“Hexenkessel” Hong
kong nach Potsdam: Reinhard Renneberg.
Prof. Dr.
Foto: Fritze
Und wie ‚steht es, mit ‚den Forschungsbedingungen?
Renneberg: Na toll! Sonst wäre ich auch nicht hingegangen. In Hongkong hat der Jockey Club rund zwei Milliarden Mark für die Uni gespendet, man sagt, das seien die‘ Einnahmen von zwei Pferde-Renntagen! Das merkt man natürlich. Wir haben 7500 Studenten. und 25000 Computer. Hier in Deutschland sagen mir Studenten, die Unis müssten sparen. Bei Scheller sind allerdings die Möglichkeiten auch top, er ist international renommiert.
Wer finanziert jetzt Ihren Aufenthalt an der Uni Potsdam?
Renneberg: Ich bin für drei Monate als Gastprofessor auf eigene Kosten gekommen, das
heißt bei uns Sabbatical; Year. Man soll mal raus aus dem Trott.
Was versprechen Sie sich von dieser Zeit?
Renneberg: Wir„basteln“ mit Frieder. Scheller. intensiv. an einem deutsch-chinesischen Netzwerk, SiGNAL genannt. Das steht für Sino-German Nano-Analytical Lab. Und wir tauschen Studenten aus. Ich halte einige Vorlesungen auf Deutsch, während ich sonst nur noch auf Englisch unterrichte, und ich tanke auch wieder mal „I lecimat“...
Worum geht es bei dem Forschungsprojekt, das sie gerade verfolgen?
Renneberg: Wir entwickeln neue Biosensoren, um das Fischen mit dem Gift Cyanid im Pazifischen::; Ozean: zu: be: kämpfen. Fische der Korallenriffe werden nämlich zur Zeit mit‘ Gift. betäubt und lebend nach Hongkong gebracht, weil die Chinesen lebende. Fische essen wollen. Wir können noch Wochen später im Blut das Gift nachweisen! Wenn diese Giftfischerei nicht gestoppt wird, gibt es in. 15. Jahren; nur noch tote Riffe. Man muss was tun! Außerdem arbeiten wir mit dem MPI in Golm und der SchellerGruppe an neuen hochempfindlichen Biotests, zum Beispiel zur Diagnose von Herzinfarkten. Und; wie Ihnen Potsdam?
gefällt
Renneberg: Ich kannte das alte Potsdam, es hat sich nun, bis auf einige Ungeschicklichkeiten, toll rausgemacht.. Hier würde ich gern wohnen. Aber da Sie schon den besten Mann- zumindest Europas- der Bioanalytik hier haben, ist es viel klüger, engstens zu kooperieren und ständig ‘reinzuschauen. Außerdem können so viele Golmer mich mal im „Hexenkessel“ besuchen und schätzen, dann sicher mehr die märkische Landschaft.
Vielen Dank für das Gespräch.
Kanzlerin vorgeschlagen
Nach dem Auswahlkommission unter der Leitung von Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder wird der Rektor der brandenburgischen Wissenschaftsministerin, Prof. Dr. Johanna Wanka, vorschlagen, Steffi Kirchner zur Kanzlerin der Universität Potsdam zu ernennen. Loschelder folgte mit dem Vorschlag für diese Besetzung dem Votum der Auswahlkommission und der Mitglieder des Rektorates. Nachdem. Steffi Kirchners Vorgänger im Amt, Alfred Klein, zum 1. September 2000 ausgeschieden ist, ist sie im Auftrag des Rektors seit dem 5. Oktober 2000 amtierende Kanzlerin. B.E.
Votum der
Janke Referent
Rico Janke übernahm am 1: Aprıl 2001 die Aufgaben des Referenten des Rektors: Der 1969 in Karl-MarxStadt Geborene studierte von 1990 bis 1995 Politikwissenschaft an der ÜUhniversität. Potsdam... Anschließend war er am Australienzentrum der Uni tätig, zunächst als studentische Hilfskraft, ab 1998 als Geschäftsführender Assistent.
Rico Janke sitzt im Haus 9, Zimmer 1.23 des Uni-Komplexes Am Neuen Palais und ist telefonisch zu erreichen unter 0331 /977-1257, E-Mail: rjanke@rz.uni-potsdam.de PUTZ
Foto: Fritze
Privatdozent
Dr. habil, Giselher Spitzer aus dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam wurde zum Privatdozenten an der Freien Universität Berlin ernannt. Er erhielt die venia legendi für Sportgeschichte und Sportsoziologie.
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