Heft 
(1.1.2019) 05
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PUTZ 5/01

UNI aktuell

In die märkische Stille gekommen

Gast aus Asiens modernster Uni

Ein Gastprofessor aus Hong­kong hält sich zur Zeit in der Gruppe für Analytische Bio­chemie von Prof. Dr. Frieder Scheller auf. Der Gast aus Fernost ist Prof. Dr. Reinhard Renneberg, der erste Dokto­rand, den Frieder Scheller betreut hatte. Der Kontakt mit demMeister hält auch über die Entfernung an, wovon auch die Nachwuchs­wissenschaftler profitieren. Renneberg hat zwei chinesi­sche Studenten mitgebracht und hofft künftig auf einen regen Austausch zwischen den beiden Unis. Die. Fragen stellte PUTZ-Redakteurin Dr. Antonia Rötger.

Sie haben eine Professur in Hongkong. Wie sind Sie dort­hin gekommen?

Renneberg: Mit dem Flugzeug! Laufen war mir zu weit! Aber Scherz beiseite: Ich..habe nach dem Studium bei Herrn Scheller in Berlin-Buch gearbeitet und war sein erster Doktorand. Nach der Wende Ab­teilungsleiter für Biosensoren in einem Fraunhofer Institut in Münster und bekam 1995 einen Ruf nach Hongkong, an die modernste Universität Asiens. Wichtig war dabei Schellers aus­gezeichnete weltweite Repu­tation.

wurde ich

Können Sie die Unterschiede im Universitätsbetrieb zwi­schen Hongkong und Potsdam erläutern?

Renneberg: Hongkong ist ein Hexenkessel, was man von Golm nicht gerade sagen: kann...Gott sei Dank! Ich genieße die Stille und Weite Brandenburgs. An­sonsten haben wir in Hongkong das amerikanische System: Der Student kriegt einen straffen Fahrplan, alles schulmäßig. Es hängt auch mit der chinesischen Kultur zusammen: Die Studen­ten haben ein Super-Gedächtnis durch das Lernen der chinesi­schen Zeichen. Beide Unis sind zehn Jahre alt, die Hongkonger liegt aber am Meer und unter Palmen.

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Wie sind die Studenten in Hongkong im Vergleich zu den Studierenden hier?

Renneberg: Die Chinesen sind sehr respektvoll zu den Profs, ich musste es meinen Studenten erst abgewöhnen, mir alles blind zu glauben.

Kam aus demHexenkessel Hong­

kong nach Potsdam: Reinhard Renneberg.

Prof. Dr.

Foto: Fritze

Und wie ‚steht es, mit ‚den Forschungsbedingungen?

Renneberg: Na toll! Sonst wäre ich auch nicht hingegangen. In Hongkong hat der Jockey Club rund zwei Milliarden Mark für die Uni gespendet, man sagt, das seien die Einnahmen von zwei Pferde-Renntagen! Das merkt man natürlich. Wir haben 7500 Studenten. und 25000 Computer. Hier in Deutschland sagen mir Studenten, die Unis müssten sparen. Bei Scheller sind allerdings die Möglichkei­ten auch top, er ist international renommiert.

Wer finanziert jetzt Ihren Aufenthalt an der Uni Pots­dam?

Renneberg: Ich bin für drei Monate als Gastprofessor auf eigene Kosten gekommen, das

heißt bei uns Sabbatical; Year. Man soll mal raus aus dem Trott.

Was versprechen Sie sich von dieser Zeit?

Renneberg: Wirbasteln mit Frieder. Scheller. intensiv. an einem deutsch-chinesischen Netzwerk, SiGNAL genannt. Das steht für Sino-German Nano-Analytical Lab. Und wir tauschen Studenten aus. Ich halte einige Vorlesungen auf Deutsch, während ich sonst nur noch auf Englisch unterrichte, und ich tanke auch wieder mal I lecimat...

Worum geht es bei dem Forschungsprojekt, das sie gerade verfolgen?

Renneberg: Wir entwickeln neue Biosensoren, um das Fischen mit dem Gift Cyanid im Pazifischen::; Ozean: zu: be: kämpfen. Fische der Koral­lenriffe werden nämlich zur Zeit mit Gift. betäubt und lebend nach Hongkong gebracht, weil die Chinesen lebende. Fische essen wollen. Wir können noch Wochen später im Blut das Gift nachweisen! Wenn diese Giftfi­scherei nicht gestoppt wird, gibt es in. 15. Jahren; nur noch tote Riffe. Man muss was tun! Außerdem arbeiten wir mit dem MPI in Golm und der Scheller­Gruppe an neuen hochempfind­lichen Biotests, zum Beispiel zur Diagnose von Herzinfarkten. Und; wie Ihnen Potsdam?

gefällt

Renneberg: Ich kannte das alte Potsdam, es hat sich nun, bis auf einige Ungeschicklichkeiten, toll rausgemacht.. Hier würde ich gern wohnen. Aber da Sie schon den besten Mann- zumindest Europas- der Bioanalytik hier haben, ist es viel klüger, engstens zu kooperieren und ständig reinzuschauen. Außerdem kön­nen so viele Golmer mich mal im Hexenkessel besuchen und schätzen, dann sicher mehr die märkische Landschaft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kanzlerin vorgeschlagen

Nach dem Auswahlkommission unter der Leitung von Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder wird der Rektor der brandenburgi­schen Wissenschaftsministerin, Prof. Dr. Johanna Wanka, vorschlagen, Steffi Kirchner zur Kanzlerin der Universität Pots­dam zu ernennen. Loschelder folgte mit dem Vorschlag für diese Besetzung dem Votum der Auswahlkommission und der Mitglieder des Rektorates. Nachdem. Steffi Kirchners Vorgänger im Amt, Alfred Klein, zum 1. September 2000 ausgeschieden ist, ist sie im Auftrag des Rektors seit dem 5. Oktober 2000 amtierende Kanzlerin. B.E.

Votum der

Janke Referent

Rico Janke übernahm am 1: Aprıl 2001 die Aufgaben des Referenten des Rektors: Der 1969 in Karl-Marx­Stadt Ge­borene studierte von 1990 bis 1995 Politikwissenschaft an der ÜUhniversität. Potsdam... An­schließend war er am Austra­lienzentrum der Uni tätig, zu­nächst als studentische Hilfs­kraft, ab 1998 als Geschäfts­führender Assistent.

Rico Janke sitzt im Haus 9, Zimmer 1.23 des Uni-Kom­plexes Am Neuen Palais und ist telefonisch zu erreichen unter 0331 /977-1257, E-Mail: rjanke@rz.uni-potsdam.de PUTZ

Foto: Fritze

Privatdozent

Dr. habil, Giselher Spitzer aus dem Institut für Sportwissen­schaft der Universität Potsdam wurde zum Privatdozenten an der Freien Universität Berlin ernannt. Er erhielt die venia le­gendi für Sportgeschichte und Sportsoziologie.

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