Forschung
PUTZ 5/01
Sterne verraten die Zukunft der Sonne
Klaus 6. Strassmeier hielt Antrittsvorlesung
Nach astronomischen Maßstäben ist die Sonne nur einen Katzensprung von uns entfernt: Ihr Abstand beträgt nur 150 Millionen Kilometer oder etwas mehr als acht Lichtminuten. Während andere Sterne unserer Galaxie von der Erde aus nur als Lichtpünktchen erkennbar sind, können Astrophysiker detaillierte Bilder von der körnigen Sonnenoberfläche aufnehmen und die Bewegung der Sonnenflecken sowie die großen Eruptionen verfolgen.
Doch trotz der großen Datenmengen sind viele Phänomene der Sonnenphysik auch heute noch nicht verstanden. Über einige dieser großen Fragen sprach Prof. Dr. Klaus Günter Strassmeier am 10. Mai 2001 bei seiner Antrittsvorlesung. Der Astrophysiker und Direktor des Astrophysikalischen Instituts Potsdam lehrt seit dem Wintersemester 2000 an der Universität.
Offene Fragen
Welcher“innere Dynamo“'erzeugt zum Beispiel die wirr ausschenden Magnetfelder der Sonne? Welche Prozesse heizen
Leserbrief:
die Korona auf Millionen Grad auf, während die Sonnenoberfläche nur ungefähr 6000 Grad Kelvin heiß ist? Und welche Prozesse führen eigentlich zu den riesigen Plasma-Eruptionen, deren Auswirkungen bis hin zur Erde deutlich zu spüren sind? Diese sogenannten Flares verursachen die himmlischen Lichterscheinungen am Polarhimmel und stören den Funkverkehr. Ungeklärt ist auch, warum der Sonnenfleckenzyklus im Mittel elf Jahreibeträgt.
Gewöhnlicher Stern
Die Sonne gilt dabei keineswegs als ein außergewöhnliches Gestirn, sondern zählt zu den“gelben Zwergen” vom Iyp©&2, einem Sternentyp, der allein in unserer Galaxie schätzungsweise sechsmilliardenmal vorkommt. Aus dem bruchstückhaften Wissen über die Sonne schließen die Astrophysiker also auf die Physik von weiter entfernten typgleichen Sternen, und im Gegenzug verrät das Licht solcher Sterne auch etwas über die Sonne. Strassmeier zeigte zum Beispiel auf dem Computer berechnete Bilder von. wild schwingenden Sternen, deren Oberfläche wie eine Seifenblase
wabbelte. Aus diesen Bewegungen und anderen Daten konnten Wissenschaftler auch berechnen, wo“Sonnenflecken” entstehen müssten.
Sternflecken
Während bei unserer Sonne solche Flecken jedoch mehr um den Äquator herum auftreten, befinden sich ähnliche Stellen bei Wanderen Sternen den Berechnungen nach eher in Polnähe. Dabei dürften das Rotationsverhalten und die Strömungen auf der Oberfläche des Sterns wesentliche Rolle spielen. Allerdings schwankt auch bei den wenigen bislang beobachteten Sternen die Aktivität der Sternflecken mit einer Periode von elf Jahren. Diese erstaunliche AWFatsache deutet darauf hin, dass dieses Phänomen nicht hauptsächlich mit der Rotationsgeschwindigkeit des Sterns zusammenhängt, sondern eine tiefliegendere Ursache hat.
eine
Zukunft der Erde
Aus den Sternen lesen Astrophysiker Zukunft unserer Sonne und damit der Erde ab: Hier sind sie sich relativ einig: In etwa vier Milliarden
auch die
Jahren wird sich die Sonne zu einem Roten Riesen aufblähen und dabei die Erde verschlucken. Doch schon vorher verglüht unser kleiner Planet und so wird es wohl keine Beobachter mehr geben, die den Kollaps des Roten Riesen in einen kalten Reststern noch zu würdigen wissen.
menschlichen
Den Phänomenen der Sonnenphysik auf der Spur: Prof. Dr. Klaus G.
Strassmeter. Foto: privat
Argumentation mit Schwarzweißbi
Das Interview. mit dem “Ehemaligen” Carsten Wist in der Mai-Ausgabe der PUTZ veranlasste Prof. Dr. Ullrich Scherf aus dem Institut für Physikalische Chemie und Theoretische Chemie zu folgendem Leserbrief.
“Mit Interesse habe ich das Interview mit Carsten Wist in der PUTZ gelesen, zudem ich derselbe Jahrgang(1957) bin. Mich verwundert zehn Jahre nach der Vereinigung immer noch die sehr unreflektierte Argumentation mit Schwarzweißbildern. Jeder halbwegs gescheite Mensch hat doch in der
DDR gewusst, dass es nie um ein neues Menschenbild ging. Und jeder hat sich in etwa ausrechnen können, was im Einzelfall die Folgen von jeglicher Art von Protest waren. Wegen unregelmäßigem Vorlesungsbesuch ist meines Erachtens niemand exmatrikuliert worden. Und andere Möglichkeiten als einen Ausreiseantrag gab es immer. Ich selbst habe in Jena Chemie studiert, auch mit vielem Anecken und Problemchen, war aber so gut, dass mich immer jemand gedeckt hat. Nach der Promotion ist die ursprünglich geplante und schon begonnene
Karriere als B-Promovend in
Jena dann(zum Glück) geplatzt, unter anderem, weil ich mich weigerte, in die SED einzutreten. Aber das war ein eigener Entschluss, den ich, und nicht andere, zu verantworten hatte. Dann habe ich ein Jahr als Galerist gearbeitet(was auch Spaß gemacht hat), bin 1990 ans Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und letztes Jahr nach zehn Jahren als Professor für Polymerchemie „zurück“ nach Potsdam gekommen. Deshalb vielleicht regen mich derart kleinkarierte Stellungnahmen besonders auf. Was soll ein Satz wie:„Der Westen hat mich als Alternative nie
Idern?
interessiert.“? Erst einmal sollte sich der Interviewte den„„Westen“ genau anschauen, bevor er urteilt, zum Zweiten ist der „Westen“, mit all seinen Unzulänglichkeiten, seit zehn Jahren hier Realität. Ich denke; latente Verbitterung und Frust sind nicht die richtige Herangehensweise. Deshalb frage ich mich etwas nach dem Sinn eines solchen Interviews in der UniZeitschrift, insbesondere wenn man vorwärts und nicht rückwärts schauen will. Aber vielleicht steckt ja auch eine‘ ganz andere Intention dahinter.“
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