Heft 
(1.1.2019) 06
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PUTZ 6/01

UNI aktuell

Über das Spiel mit den Mikadostähchen

Akademischer Festakt setzte Glanzpunkte

Es hätte kaum feierlicher sein können. Uni-Chor und-or­chester sorgten mit kurzen Auszügen aus ihrer Ins­zenierung der OperOrpheus und Euridike für die gelun­gene Einstimmung beim Fest­akt zum zehnjährigen Jubi­läum der Uni. Was dann folg­te, war zu großen Teilen nicht weniger erquicklich.

Bevor der ehemalige Wissen­schaftsminister Hinrich Ender­lein wirkungsvoll pointiert in seinem Hauptreferat zum großen Rundumschlag über 30 Jahre bundesrepublikanischer Hochschulpolitik anhob, gab es Grußworte. Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder zeich­nete dabei in seinem Statement die zehnjährige Entwicklung der Uni als wissenschaftliche Erfolgsgeschichte. Noch einmal betonte er die Leistungen, die trotz Abbaus und Umbaus her­vorgebracht wurden. Besonders Stolz mache ihn, dass keine Abstriche in Wissenschaft und Lehre erfolgten. Ganz im Gegenteil, so. sein Urteil. Es habe eine Qualitätserhöhung stattgefunden, viel sei auch durch die Einführung innovati­ver Studiengänge geschaffen worden. Als eine Erfolgs­geschichte stelle sich für ihn deshalb nicht. nur der Aufschwung in der Grün­dungszeit dar, sondern auch das in den Jahren danach gemein­sam Erreichte.Diese Erfah­rung ist es, die mir Mut macht, resümierte schließlich Loschel­der mit Blick auf kommende Zeiten.

Die. Stadt Potsdam hatte Stadtkämmerer Hans-Joachim Bosse ans Rednerpult geschickt. Was Bosse allerdings verkün­dete, war so neu nicht. Man werde(sich. weiter. für die Einbindung der Hochschule in die Region einsetzen, auch das von den Studenten geforderte Kulturzentrum sei nicht vom Tisch. Ob jenes derart beteuerte

Engagement tatsächlich in Taten mündet; blieb ein Geheimnis.

Schwer hatte es an jenem Tag Brandenburgs stellvertretender

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Ministerpräsident Jörg Schön­bohm. Seine Rede, in der er sogar Humboldts Verständnis von Wissen und Erkenntnis bemühte, wurde wiederholt von Zwischenrufen unterbrochen. Ganz anders dagegen erging es Studentenvertreter Till Meyer. Für seinen humor-, aber doch inhaltsvollen Beitrag erhielt er viel Beifall. Dabei erweckte Meyer durchaus nicht das Gefühl! vonFriede, Freude, Fierkuchen. Er setzte auch Stachel: Gegen die sinkenden Landeszuschüsse für die Uni oder erhobene Studien­gebühren. Der AStA-Chef wagte sich sogar noch weiter, bis zu ‚einem Beziehungsgeflecht von ostdeutscher Wirtschafts­lage und nötigen Investitionen in die Köpfe der Jugend. Sein Fazit daraus:Wenn endlich

weitere Millionen in Ausbildung

Kritischer Stoff: AStA-Vorsitzender Till Meyer warb beim Festakt für eine neue Kleiderordnung.

Foto: Schwartzkopff

Beim Festakt dicht an dicht: Kunst und Protest.

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Schicksal sie in den vergangenen drei Jahrzehnten genommen haben. Zur Sprache kam so die unendliche Geschichte vom Für und Wider der Habilitation, von scheinbar unüberwindlichen Hürden bei längst überfälligen Schnitten im BAföG, Zulas­sungsrecht, in der Juristen- oder auch Lehrerbildung.

Vor allem prangerte der Minister a.D. dasunsägliche Hoch­schulrahmengesetz an, das sich gerade bei der Neukonzi­pierung der ostdeutschen Hochschullandschaft ab 1990 als Hemmschuh erwiesen habe.

Hinrich Enderlein ließ in seiner Festrede 30 Jahregeschwätzigen Stillstand bei der bundesdeutschen Hochschulpolitik süffisant-zynisch Revue passieren.

und Wissenschaft gesteckt wer­den, dann stand Ostdeutschland auf der Kippe. Und er zog hier ganz bewusst Parallelen zu einer Einschätzung von Bundestags­präsident Wolfgang Thierse über die derzeitige Situation der neuen Bundesländer.

Den lange schon währenden geschwätzigen Stillstand in der Hochschulpolitik verpackte Hinrich Enderlein in ein allen bekanntes Bild, in das eines Mikado-Spiels. Das damit ver­bundene Konstrukt erklärte der FDP-Politiker schnell.Es ist ein Pseudo-Reform-Modell, bei dem es darauf ankommt, etwas zu ändern, ohne dass sich etwas bewegt, so dessen Definition. Nach und nach nahm Enderlein einige der Spiel-Stäbchen auf, um zu beleuchten, welches

Foto: Schwartzkopff

Um wirklich Bahnbrechendes auf den Weg bringen zu können, müsse es deshalb verschwinden. Für die erfolgreiche Entwicklung der Hochschulen in Brandenburg gäbe es nach Enderleins Ansicht nur eine Alternative: die der Freigabe der Hochschulen von der staat­lichen Regelungswut.

Die kritische Bestandsaufnahme endeteschließlich mit einem Rat.Untersetzen Sie ihr Uni­Leitbild. durch, etwas, was Stadtplaner und Architekten einen Masterplan nennen, ermutigte der Redner. Er müsse die Zielstellung für die Zukunft sein und verdeutlichen, wohin man wolle. Zum Schluss machte Enderlein der Uni noch ein Geschenk, ‚er... hatte... ein Mikadospiel mitgebracht. P.G.