PUTZ 6/01
UNI aktuell
Über das Spiel mit den Mikadostähchen
Akademischer Festakt setzte Glanzpunkte
Es hätte kaum feierlicher sein können. Uni-Chor und-orchester sorgten mit kurzen Auszügen aus ihrer Inszenierung der Oper“Orpheus und Euridike” für die gelungene Einstimmung beim Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der Uni. Was dann folgte, war zu großen Teilen nicht weniger erquicklich.
Bevor der ehemalige Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein wirkungsvoll pointiert in seinem Hauptreferat zum großen Rundumschlag über 30 Jahre bundesrepublikanischer Hochschulpolitik anhob, gab es Grußworte. Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder zeichnete dabei in seinem Statement die zehnjährige Entwicklung der Uni als wissenschaftliche Erfolgsgeschichte. Noch einmal betonte er die Leistungen, die trotz Abbaus und Umbaus hervorgebracht wurden. Besonders Stolz mache ihn, dass keine Abstriche in Wissenschaft und Lehre erfolgten. Ganz im Gegenteil, so. sein Urteil. Es habe eine Qualitätserhöhung stattgefunden, viel sei auch durch die Einführung innovativer Studiengänge geschaffen worden. Als eine Erfolgsgeschichte stelle sich für ihn deshalb nicht. nur‘‘ der Aufschwung in der Gründungszeit dar, sondern auch das in den Jahren danach gemeinsam Erreichte.“Diese Erfahrung ist es, die mir Mut macht”, resümierte schließlich Loschelder mit Blick auf kommende Zeiten.
Die. Stadt Potsdam hatte Stadtkämmerer Hans-Joachim Bosse ans Rednerpult geschickt. Was Bosse allerdings verkündete, war so neu nicht. Man werde(sich. weiter. für die Einbindung der Hochschule in die Region einsetzen, auch das von den Studenten geforderte Kulturzentrum sei nicht vom Tisch. Ob jenes derart beteuerte
Engagement tatsächlich in Taten mündet; blieb ein Geheimnis.
Schwer hatte es an jenem Tag Brandenburgs stellvertretender
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Ministerpräsident Jörg Schönbohm. Seine Rede, in der er sogar Humboldts Verständnis von Wissen und Erkenntnis bemühte, wurde wiederholt von Zwischenrufen unterbrochen. Ganz anders dagegen erging es Studentenvertreter Till Meyer. Für seinen humor-, aber doch inhaltsvollen Beitrag erhielt er viel Beifall. Dabei erweckte Meyer durchaus nicht das Gefühl! von“Friede, Freude, Fierkuchen”. Er setzte auch Stachel: Gegen die sinkenden Landeszuschüsse für die Uni oder erhobene Studiengebühren. Der AStA-Chef wagte sich sogar noch weiter, bis zu ‚einem Beziehungsgeflecht von ostdeutscher Wirtschaftslage und nötigen Investitionen in die Köpfe der Jugend. Sein Fazit daraus:“Wenn endlich
weitere Millionen in Ausbildung
Kritischer Stoff: AStA-Vorsitzender Till Meyer warb beim Festakt für eine neue Kleiderordnung.
Foto: Schwartzkopff
Beim Festakt dicht an dicht: Kunst und Protest.
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Schicksal sie in den vergangenen drei Jahrzehnten genommen haben. Zur Sprache kam so die unendliche Geschichte vom Für und Wider der Habilitation, von scheinbar unüberwindlichen Hürden bei längst überfälligen Schnitten im BAföG, Zulassungsrecht, in der Juristen- oder auch Lehrerbildung.
Vor allem prangerte der Minister a.D. das“unsägliche” Hochschulrahmengesetz an, das sich gerade bei der Neukonzipierung der ostdeutschen Hochschullandschaft ab 1990 als Hemmschuh erwiesen habe.
Hinrich Enderlein ließ in seiner Festrede 30 Jahre“geschwätzigen Stillstand” bei der bundesdeutschen Hochschulpolitik süffisant-zynisch Revue passieren.
und Wissenschaft gesteckt werden, dann stand Ostdeutschland auf der Kippe.” Und er zog hier ganz bewusst Parallelen zu einer Einschätzung von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse über die derzeitige Situation der neuen Bundesländer.
Den lange schon währenden “geschwätzigen Stillstand” in der Hochschulpolitik verpackte Hinrich Enderlein in ein allen bekanntes Bild, in das eines Mikado-Spiels. Das damit verbundene Konstrukt erklärte der FDP-Politiker schnell.“Es ist ein Pseudo-Reform-Modell, bei dem es darauf ankommt, etwas zu ändern, ohne dass sich etwas bewegt”, so dessen Definition. Nach und nach nahm Enderlein einige der Spiel-Stäbchen auf, um zu beleuchten, welches
Foto: Schwartzkopff
Um wirklich Bahnbrechendes auf den Weg bringen zu können, müsse es deshalb verschwinden. Für die erfolgreiche Entwicklung der Hochschulen in Brandenburg gäbe es nach Enderleins Ansicht nur eine Alternative: die der Freigabe der Hochschulen von der staatlichen Regelungswut.
Die kritische Bestandsaufnahme endete„schließlich mit einem Rat.”Untersetzen Sie ihr UniLeitbild. durch, etwas, was Stadtplaner und Architekten einen Masterplan nennen”, ermutigte der Redner. Er müsse die Zielstellung für die Zukunft sein und verdeutlichen, wohin man wolle. Zum Schluss machte Enderlein der Uni noch ein Geschenk, ‚er... hatte... ein Mikadospiel mitgebracht. P.G.