UNI aktuell
PUTZ 6/01
Zauberwort Modularisierung
Diskussion zur Studienreform an der Uni
Ein Anliegen der Studienreform ist es, die Überschaubarkeit des Studiums zu erhöhen und den Einbau von Modulen ausländischer Universitäten zu ermöglichen, die durch spezielle Lehrangebote für die Studierenden zu einem individuellen Profil beitragen können. Der Einbau gleicher Module in unterschiedliche Studiengänge ist auch unter dem Gesichtspunkt der beste
henden Sparzwänge verlockend.
Doch kann dieselbe betriebswirtschaftliche, juristische oder kommunikationswissenschaftliche Veranstaltung für Juristen, Volkswirte, Informatiker, Germanisten und Patholinguisten sinnvoll sein? Wenn es so einfach wäre, hätten sich bereits Modelle gefunden, eine Universität aus einer minimalen Zahl von Elementarmodulen zu konstruieren und die weitere Struktur und Organisation des Studiums nicht Fakultäten, sondern der Fakultätsrechnung zu Üüberlassen.
Studierende sollen sinnvoll auf sich wandelnde Berufsfelder vorbereitet werden, in denen flexible Methodenkenntnisse viel wichtiger sind als ein schnell überholtes und zufälliges Faktenwissen. Modularisierung erscheint vor| diesem Hinter; grund ein Zauberwort, ist aber natürlich nicht als beliebige Zusammensetzung von elementaren Bausteinen aus sehr heterogenen Studienelementen zu verstehen und schon gar nicht als Sparmaßnahme, die ein Zusammensetzen unterschiedlicher Studiengänge aus immer wieder verwendbaren Elementen erlauben würde.
Es gibt also Standards, Konturen und Kulturen der Fächer, die in einer auf Überschaubarkeit, Querschnittskompetenzen und dynamische Berücksichtigung der Berufsfelder zielenden Studienreform eher noch stärker ins Blickfeld treten. Module sollten dabei nicht zu klein definiert werden und durchaus Gelegenheit. geben, unterschiedliche bereits erworbene Kenntnisse und Methoden auf die Lösung
Problemen anzuwenden. Neben solchen“Querschnittsmodulen” sind aber auch Basismodule erforderlich, die Grundlagen in einem ausgewogenen Verhältnis von Wissensvermittlung und Methodenkompetenz schaffen und sichern.
von
Kein Etikettenschwindel
Doch nicht nur in der Modularisierung ist einiges in Bewegung geraten. Kürzere Studienzeiten, studienbegleitende Leistungsbewertung, Internationalisierung und Vergleichbarkeit sind nur einige Stichworte, die in der gegenwärtigen Diskussion bestimmend sind. An der Universität Potsdam ist man sich einig, dass nicht einfach Modelle kopiert oder alte Studieninhalte mit neuen Etiketten versehen werden sollen. In diesen Zusammenhängen wird auch über die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen beraten, zuldenenfesfanider@ Uni bereits Erfahrungen auf innovativen Feldern, wie Softwaresystemtechnik oder Europäische Medienwissenschaften, gibt. Auch in so schwierigen Bereichen wie der Reform der Juristenausbildung, in der Modularisierung von Lehramtsstudiengängen und in Brücken zwischen Wirtschaftswissenschaften und Fremdsprachenphilologien gibt es Ergebnisse, die nicht selbstverständlich sind.
Kennzeichnend für die Reform in den Diplomstudiengängen Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre sind studienbegleitende Prüfungen, ‚das Credit-Point-System, eine Modularisierung bestehend aus fünf Fächern bei großen Wahlfreiheiten innerhalb der Module
und zwischen ihnen. Zwei Module können von anderen Universitäten im In- und
Ausland importiert werden.
In der Juristischen Fakultät vollzieht sich gegenwärtig die wohl tiefgreifendste Veränderung. So gibt es. ein reformiertes Wahlfachgruppenangebot im Studiengang Rechtswissenschaft. Intensiv ist dabei die Kooperation mit den Berliner Juristischen Fakultäten.
Module sollten fachliches Wissen, fachliche Bildung zusammenführen und nicht
trennen. Ein Modul aus dem Lehramtsstudiengang Mathematik kann zum Beispiel aus einer Vorlesung zur Elementargeometrie, einem Seminar zur antiken Mathematik und Philosophie und der Entwicklung und Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Satz des Pythagoras bestehen.
Wenig Probleme mit der Modularisierung, der Abrechnung nach Bonus- und Maluspunkten haben offensichtlich die Informatiker. Zwölf unterschiedliche Studiengänge laufen hier auf der Basis einer jeweils spezifischen Kombination von Modulen.
Doch wie hält es die Universität Potsdam mit dem Bachelor und Master? Die Kommission für Lehre und Studium der Uni hat dazu ein Eckpunktepapier, abrufbar unter http: //www.unipotsdam.de/u/rektorat/bachmas.pdf, erarbeitet und zur Diskussion gestellt.
Master vor Bachelor
Aus der Philosophischen Fakultät kommt der Ruf nach mehr Regulierung und Rahmenvorgaben. Dabei dürfen Studiengänge kein kurzfristiger modischer Konsum sein beziehungsweise werden, sondern stets nachhaltige Investitionen in das individuelle Humankapital der Studierenden. Besorgnis wird im Zusammenhang mit der Möglichkeit geäußert, den Bachelor als ersten berufsqualifizierenden Abschluss ohne das Angebot eines konsekutiv darauf aufbauenden Masters einzuführen. Damit könnte der als sehr sinnvoll erachtete zusammenhängende zweistufige Studienverlauf zur Fiktion werden. Außerdem könnte die Anzahl neuer Abschlüsse gegen Unendlich gehen. So sind beispielsweise im Bereich der Betriebsund Volkswirtschaftslehre die— selbst auf dem deutschen Arbeitsmarkt meist englisch benannten— Bachelor /Master of Public Management, of Marketing, of Finance and
Investment, of E-Commerce, of Human Ressource Management, of Macroeconomic Management and Science, of Regional Science denkbar. Diese neuen Produkte haben zunächst einen geringen Markt und Informationswert. Sie bedürfen steigender hoher Marketinganstrengung und Mittel, beginnend mit den Akkreditierungskosten.
Gegenüber der Skepsis und dem Aufzeigen von Hindernissen, die einer flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen gegenwärtig entgegen stehen, überwiegen an der Uni Optimismus und konstruktive Vorschläge. So wurde vorgeschlagen, zunächst mehrere Master vor einem Bachelor einzuführen, wodurch tragfähige interdisziplinäre Konzepte ausprobiert würden und eine klare Modularisierung in verbindbaren Wissenschaften entstehe. Gleichzeitig entstünden damit zusätzliche Abschlüsse im Sinne einer Fortbildung oder Aktualisierung des Humankapitals für bereitsäfrüher(Di; plomierte.
Die Diskussion ist mit dem Abschluss einer am 12. Juni dieses Jahres durchgeführten Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema “Studienreform— zweistufige Studiengänge-—- Modularisierung” nicht beendet, sondern eher angeregt. Mit der Nachfrage nach Rahmensetzungen und Vorgaben wird sich die Kommission für Lehre und Studium in der nächsten Zeit befassen und steuernde Hilfen geben, ohne Innovationen von vornherein zu sehr einzuengen.
Prof. Dr. Gerda Hassler/ Prorektorin für Lehre und Studium