Heft 
(1.1.2019) 06
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UNI aktuell

PUTZ 6/01

Zauberwort Modularisierung

Diskussion zur Studienreform an der Uni

Ein Anliegen der Studien­reform ist es, die Über­schaubarkeit des Studiums zu erhöhen und den Einbau von Modulen ausländischer Uni­versitäten zu ermöglichen, die durch spezielle Lehrangebote für die Studierenden zu einem individuellen Profil beitragen können. Der Einbau gleicher Module in unterschiedliche Studiengänge ist auch unter dem Gesichtspunkt der beste­

henden Sparzwänge verlo­ckend.

Doch kann dieselbe betriebs­wirtschaftliche, juristische oder kommunikationswissenschaftli­che Veranstaltung für Juristen, Volkswirte, Informatiker, Ger­manisten und Patholinguisten sinnvoll sein? Wenn es so einfach wäre, hätten sich bereits Modelle gefunden, eine Universität aus einer minimalen Zahl von Elementarmodulen zu konstru­ieren und die weitere Struktur und Organisation des Studiums nicht Fakultäten, sondern der Fakultätsrechnung zu Üüber­lassen.

Studierende sollen sinnvoll auf sich wandelnde Berufsfelder vor­bereitet werden, in denen flexi­ble Methodenkenntnisse viel wichtiger sind als ein schnell überholtes und zufälliges Fak­tenwissen. Modularisierung erscheint vor| diesem Hinter; grund ein Zauberwort, ist aber natürlich nicht als beliebige Zusammensetzung von ele­mentaren Bausteinen aus sehr heterogenen Studienelementen zu verstehen und schon gar nicht als Sparmaßnahme, die ein Zusammensetzen unterschied­licher Studiengänge aus immer wieder verwendbaren Elemen­ten erlauben würde.

Es gibt also Standards, Konturen und Kulturen der Fächer, die in einer auf Überschaubarkeit, Querschnittskompetenzen und dynamische Berücksichtigung der Berufsfelder zielenden Stu­dienreform eher noch stärker ins Blickfeld treten. Module sollten dabei nicht zu klein definiert werden und durchaus Gelegen­heit. geben, unterschiedliche bereits erworbene Kenntnisse und Methoden auf die Lösung

Problemen anzuwenden. Neben solchenQuerschnitts­modulen sind aber auch Basis­module erforderlich, die Grund­lagen in einem ausgewogenen Verhältnis von Wissensvermitt­lung und Methodenkompetenz schaffen und sichern.

von

Kein Etikettenschwindel

Doch nicht nur in der Modula­risierung ist einiges in Bewegung geraten. Kürzere Studienzeiten, studienbegleitende Leistungs­bewertung, Internationalisie­rung und Vergleichbarkeit sind nur einige Stichworte, die in der gegenwärtigen Diskussion be­stimmend sind. An der Univer­sität Potsdam ist man sich einig, dass nicht einfach Modelle kopiert oder alte Studieninhalte mit neuen Etiketten versehen werden sollen. In diesen Zusam­menhängen wird auch über die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen beraten, zuldenenfesfanider@ Uni bereits Erfahrungen auf innovativen Feldern, wie Softwaresystem­technik oder Europäische Me­dienwissenschaften, gibt. Auch in so schwierigen Bereichen wie der Reform der Juristenausbil­dung, in der Modularisierung von Lehramtsstudiengängen und in Brücken zwischen Wirtschaftswissenschaften und Fremdsprachenphilologien gibt es Ergebnisse, die nicht selbst­verständlich sind.

Kennzeichnend für die Reform in den Diplomstudiengängen Volkswirtschaftslehre und Be­triebswirtschaftslehre sind studi­enbegleitende Prüfungen, ‚das Credit-Point-System, eine Mo­dularisierung bestehend aus fünf Fächern bei großen Wahlfrei­heiten innerhalb der Module

und zwischen ihnen. Zwei Module können von anderen Universitäten im In- und

Ausland importiert werden.

In der Juristischen Fakultät voll­zieht sich gegenwärtig die wohl tiefgreifendste Veränderung. So gibt es. ein reformiertes Wahl­fachgruppenangebot im Stu­diengang Rechtswissenschaft. Intensiv ist dabei die Koopera­tion mit den Berliner Juristi­schen Fakultäten.

Module sollten fachliches Wissen, fachliche Bildung zusammenführen und nicht

trennen. Ein Modul aus dem Lehramtsstudiengang Mathe­matik kann zum Beispiel aus einer Vorlesung zur Elementar­geometrie, einem Seminar zur antiken Mathematik und Philosophie und der Entwick­lung und Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Satz des Pythagoras bestehen.

Wenig Probleme mit der Modularisierung, der Abrech­nung nach Bonus- und Malus­punkten haben offensichtlich die Informatiker. Zwölf unter­schiedliche Studiengänge laufen hier auf der Basis einer jeweils spezifischen Kombination von Modulen.

Doch wie hält es die Universität Potsdam mit dem Bachelor und Master? Die Kommission für Lehre und Studium der Uni hat dazu ein Eckpunktepapier, abrufbar unter http: //www.uni­potsdam.de/u/rektorat/bach­mas.pdf, erarbeitet und zur Diskussion gestellt.

Master vor Bachelor

Aus der Philosophischen Fakul­tät kommt der Ruf nach mehr Regulierung und Rahmenvor­gaben. Dabei dürfen Studien­gänge kein kurzfristiger modi­scher Konsum sein bezie­hungsweise werden, sondern stets nachhaltige Investitionen in das individuelle Humankapital der Studierenden. Besorgnis wird im Zusammenhang mit der Möglichkeit geäußert, den Bachelor als ersten berufsquali­fizierenden Abschluss ohne das Angebot eines konsekutiv darauf aufbauenden Masters einzu­führen. Damit könnte der als sehr sinnvoll erachtete zusam­menhängende zweistufige Stu­dienverlauf zur Fiktion werden. Außerdem könnte die Anzahl neuer Abschlüsse gegen Un­endlich gehen. So sind beispiels­weise im Bereich der Betriebs­und Volkswirtschaftslehre die selbst auf dem deutschen Arbeitsmarkt meist englisch benannten Bachelor /Master of Public Management, of Marketing, of Finance and

Investment, of E-Commerce, of Human Ressource Manage­ment, of Macroeconomic Mana­gement and Science, of Regional Science denkbar. Diese neuen Produkte haben zunächst einen geringen Markt und Infor­mationswert. Sie bedürfen steigender hoher Marketing­anstrengung und Mittel, begin­nend mit den Akkredi­tierungskosten.

Gegenüber der Skepsis und dem Aufzeigen von Hindernissen, die einer flächendeckenden Ein­führung von Bachelor- und Masterstudiengängen gegenwär­tig entgegen stehen, überwiegen an der Uni Optimismus und konstruktive Vorschläge. So wurde vorgeschlagen, zunächst mehrere Master vor einem Bachelor einzuführen, wodurch tragfähige interdisziplinäre Kon­zepte ausprobiert würden und eine klare Modularisierung in verbindbaren Wissenschaften entstehe. Gleichzeitig entstün­den damit zusätzliche Abschlüsse im Sinne einer Fortbildung oder Aktualisierung des Humankapi­tals für bereitsäfrüher(Di; plomierte.

Die Diskussion ist mit dem Abschluss einer am 12. Juni dieses Jahres durchgeführten Informations- und Diskussions­veranstaltung zum Thema Studienreform zweistufige Studiengänge-- Modulari­sierung nicht beendet, sondern eher angeregt. Mit der Nachfrage nach Rahmensetzun­gen und Vorgaben wird sich die Kommission für Lehre und Studium in der nächsten Zeit befassen und steuernde Hilfen geben, ohne Innovationen von vornherein zu sehr einzuengen.

Prof. Dr. Gerda Hassler/ Prorektorin für Lehre und Studium