Titel
www.uni-potsdam.de/portal /titel
Nichtlineare Systeme international
Physiker koordiniert europäisches Forschungsprojekt
Foto: Fritze
Ob Laserlicht, Herzschläge, Rundfunkübertragungen oder Vorgänge im Zentralnervensystem— überall spielen relativ komplizierte, oft vielfach miteinander verwobene rhythmische Prozesse eine Rolle. Möglichen Gesetzmäßigkeiten solcher„undurchsichtiger“ Schwingungssysteme auf die Spur zu kommen, erfordert tiefgreifendes theoretisch-physikalisches und mathematisches Verständnis. Hier sind interdisziplinäre Forschung und internationale Zusammenarbeit gefragt, ergeben sich Herausforderungen besonders auch Am Forschungsprojekt mit beteiligt: Dr. Michael
für junge Wissenschaftler.
OSYC of SENS“(Control, Synchroniza(Cm and Characterization of Spatially Extended Nonlinear Systems) lautet das Thema eines von der Europäischen Union innerhalb des Fünften Forschungsrahmenprogramms ‚der Europäischen Kommission geförderten Projektes. Dieses komplexe Vorhaben wird vom Institut für Physik der Potsdamer Universität nicht nur wissenschaftlich bedient, sondern von Prof. Dr. Jürgen Kurths sogar international koordiniert. Insgesamt acht Partnerländer beteiligen sich an den Forschungen, die Spitzenniveau darstellen.
Die EU verfolgt mit der Förderung solcher Forschungsprojekte wie dieses über Kontrolle, Steuerung, Synchronisation und Charakterisierung nichtlinearer Systeme das Ziel, Netzwerke zur Ausbildung und Mobilität junger Diplomanden und Doktoranden zu schaffen und damit zum Ausbau des Potenzials an Humanressourcen in der Forschung beizutragen. Auf diese Weise kam Ernest Montbriö aus Spanien auf eine EU-geförderte Doktorandenstelle nach Potsdam. Vorgesehen sind demnächst auch Kurzaufenthalte Potsdamer Wissenschaftler und Doktoranden in Israel. In Montbriös Heimat Spanien und auch in Italien befasst man sich innerhalb des Projektnetzwerkes beispielsweise mit Laserund Strömungsphysik. In Israel untersuchen die Forscher einschlägige chemische Prozesse und in Polen nichtlineare Vorgänge in elektronischen Schaltkreisen. International herausragende Wissenschaftler wie Itamar Procaccia vom israelischen Weizmann-Institut oder Jean-Pierre Eckmann, theoretischer Physiker an der Universität
18
Rosenblum.
Genf, sind ebenfalls in das von Potsdam geführte Projekt eingebunden.
Potsdams Führungsrolle ergab sich nicht zufällig, sondern basiert auf jahrelangen, international geschätzten Forschungsarbeiten besonders zu theoretischen Problemen der Synchronisation von komplexen irregulären Systemen. Solche schwierig zu durchschauenden Synchronisationsprobleme widerspiegeln sich beispielsweise auf biologischem Gebiet im Zusammenspiel von Herzschlag- und Atemrhythmus oder von gekoppelten rhythmischen Schwingungsvorgängen in verschiedenen Gehirnregionen vor und während des Auftretens von Schüttellähmungserscheinungen der Parkinsonschen Krankheit. Dieser Tage erscheint eine Buchpublikation der Potsdamer Physiker Arkady Pikovsky, Michael Rosenblum und Jürgen Kurths, in der sie ihre Erkenntnisse und Erfahrungen mit Synchronisationsprozessen darstellen.
„Auf der Grundlage unserer theoretischen Erkenntnisse wollen wir unter anderem Methoden zu einer medizinisch nützlichen rechnerischen Bearbeitung elektrokardiografisch oder enzephalografisch ermittelter Körpersignale entwickeln“, erläutert Mitautor Michael Rosenblum, der in Moskau Physik studierte und promovierte, durch ein Humboldtstipendium nach Potsdam kam und nun hier als wissenschaftlicher Mitarbeiter wesentlich zur erfolgreichen Bewältigung des EU-Forschungsprojekts über nichtlineare Systeme beiträgt. Armin Klein
Portal o1/01