Woran sich
die Geister scheiden
Das sagen die Parteien
ür die brandenburgische SPD ist LER eine F ambitionierte und bildungspolitische Innovation. Nicht zuletzt mit Blick auf die Akzeptanz bei Eltern und Schülern, die sehr hoch sei. Mehr als um die Schulwirklichkeit ginge es den Gegnern um das sprichwörtliche„Prinzip“, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Das „Reformprojekt LER“ aber gebe eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen eines werteorientierenden, zugleich allgemeinbilden„den Unterrichts. Kein anderes Fach lebe so von der Vielfalt und dem Dialog unterschiedlicher Positionen und Wertvorstellungen, egal, ob von konfessionell oder nicht konfessionell gebundenen Schülerinnen und Schülern. Ein Wahlpflichtbereich ließe diese Erfahrung nicht zu. Deshalb lehnt die SPD dieses ab.
Der integrative Ansatz von LER als Pflichtfach für alle soll dem Problem eines klassischen Wahlpflichtbereiches aus Religion und einem„Ersatzfach“ entgegentreten: Dort nämlich besteht die Gefahr, dass konkurrierende Positionen zu ethischen, philosophischen und religionsbezogenen Fragen durch getrennte, selbstständige Fächer letztlich unvermittelt gegenüberstehen.
Die CDU wehrt sich zum einen gegen die Wertevermittlung von Staatswegen, da sie die Entscheidungsmöglichkeiten von Eltern und Schüler einschränke. Das Elternrecht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen, setze voraus, dass der Staat die Institutionsgarantie dafür erfülle. Statt dessen verletze er seine weltanschauliche Neutralität, wenn er einseitig Partei gegen ihn ergreife. Deshalb plädiert die CDU für einen mit dem LERUnterricht gleichberechtigten Religionsunterricht, über dessen Teilnahme allein die Eltern oder die religionsmündigen Kinder entscheiden.
Zum anderen sind die Christdemokraten der Ansicht, dass Konfessionalität kein Privileg der Kirche sei, sondern im Vorrang elterlicher Erziehung wurzele. Letzterer befinde sich im Gegensatz zum staatlichen Erziehungsmonopol. Die Behauptung, LER sei weltanschaulich neutral und für alle Schüler geeignet, sei fragwürdig. Wie aber könne„weltanschaulich neutral“ über
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Streitobjekt Schüler: Alle wollen wie immer nur sein Bestes, doch ihm ist das ziemlich egal.
Titel
www.uni-potsdam.de/portal/novo1/titel.htm
religiöse Themen, Funktion und Missbrauch von Religionen, über alternative Lebenskonzepte
geredet beziehungsweise unterrichtet werden, wenn Gott ausgespart würde? Für die CDU steht fest: Ein atheistischer Lehrer kann nicht authentisch über Gott reden!
Die PDS hält LER für eine große Errungenschaft und möchte es gerne zielgerichtet ausweiten. Die Stundenzahl an der Schule soll erhöht, die Lehrerausbildung und Weiterqualifizierung vertieft beziehungsweise verbessert werden. Sie erachtet eine gemeinsame Werteerziehung für alle Schüler und die Entwicklung von Dialogfähigkeit und Toleranz in einer pluralistischen Gesellschaft als besonders wichtig. Den vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorgeschlagenen Kompromiss lehnt die PDS aus folgenden Gründen ab:
Durch einen Vergleich bliebe die aufgeworfene Verfassungsfrage ungeklärt. Damit wäre auch die Chance zu einer für die gesamte Bundesrepublik historisch fälligen Klärung des Status von bekenntnisgebundenem Religionsunterricht an„bekenntnisfreien Schulen“ vertan. Der Rechtsfrieden wäre nicht dauerhaft gewährleistet, da der Vergleich lediglich die streitenden Parteien binde. tp
Portal 11/01
Foto: Fritze