Heft 
(1.1.2019) 11
Einzelbild herunterladen

Titel

www.uni-potsdam.de/portal/novo1/titel.htm

Orientierung auf

Berufspraxis oberstes Gebot

Weiterqualifizierung für LER an der Uni Potsdam

Seit dem Sommersemester 2000 können Lehrerinnen und Lehrer des Landes Brandenburg an der Universität Potsdam das Unter­richtsfach Lebensgestaltung-Ethik-Religion(LER) studieren. Insge­samt nehmen momentan circa fünfzig von ihnen das Angebot eines sechssemestrigen berufsbegleitenden Studiums in Anspruch. Die Universität Potsdam tritt damit ein verzwicktes Erbe an, denn die Auseinandersetzung um die Ausrichtung des Faches LER und die Ausbildung der Lehrkräfte hat eine lange Geschichte.

Nes begann 1992/93 im Pädagogischen [A tandesinstinn in dessen Händen auch er Modellversuch lag. Parallel zum Modellversuch wurden die Lehrkräfte qualifi­ziert, ein ungeheurer Kraftakt für alle Beteilig­ten. Es war sicherlich eine enthusiastische Zeit in der nun mehr als zehnjährigen Geschichte von LER, denn mit dem neuen Fach waren ja auch viele bildungspolitische Hoffnungen ver­knüpft. Es wurden neue Konzepte erprobt und die Lehrer waren mit großem Engagement in Ausbildung und eigenem Unterricht tätig.

Als dann LER 1996 im Schulgesetz als ordentliches Schulfach eingeführt wurde, wur­den schnell viele Lehrkräfte gebraucht. So wur­den in den folgenden Jahren imVerein für Weiterqualifizierung brandenburgischer Lehre­rinnen und Lehrer circa sechshundert LER-Leh­rerkräfte qualifiziert. Ziel der dortigen Ausbil­dung war ein wissenschaftlich fundiertes und gleichzeitig auf den späteren Unterricht orien­tiertes Studium. In dieser Zeit der beginnenden flächendeckenden Einführung undVerwissen­schaftlichung von LER wich der Enthusiasmus der ersten Zeit. LER wurde ein normales Schul­fach und sollte einen Beitrag zu einem mehr

Portal 11/01

schülerorientierten Unterricht leisten. Es gewan­nen aber auch andere Motive für ein LER-Stu­dium an Bedeutung: die berufliche Absicherung vieler Lehrer durch ein zusätzliches Fach ver­drängte häufig das starke Engagement für das neue Schulfach LER.

In der Zwischenzeit ist das Augenmerk auf die Universität Potsdam gerichtet, die den Stu­diengang LER berufsbegleitend anbietet und auch die bisherige Geschichte von LER auf­nimmt und weiter schreibt. Die Studienord­nung verbindet Grundlagenwissen besonders in den Bereichen Ethik und Religionswissen­schaft einerseits mit Interdisziplinarität, Pro­jektorientierung und fachdidaktischer Berufs­begleitung andererseits. Im Studiengang LER treffen viele aktuelle Debatten aufeinander. Das macht den Studiengang interessant, aber auch mitunter sehr anstrengend. Es gibt schließlich die Debatte um das Verhältnis zwischen Staat und Kirche und um die Verortung des Reli­gionsunterrichts sowie die Begründung von wertorientiertem Unterricht, die gerade vor dem Bundesverfassungsgericht ausgetragen wird, die bildungspolitische Debatte um Formen neu­en Lernens in der Schule, aber auch die Frage nach neuen Anforderungen an die Universitä­ten. Für die Universität ist ein solch Studien­gang immer noch recht ungewöhnlich, und auch die stärkere Orientierung auf die Berufs­praxis bringt langgehegte Selbstverständlichkei­ten der wissenschaftlichen Abschottung ins Wanken. Die Universität Potsdam hat eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen und didaktischen Grundlegung des Faches. Das ist den beteiligten Disziplinen bewusst.

Eva-Maria Kenngott, Fachdidaktik LER

7