Titel
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Orientierung auf
Berufspraxis oberstes Gebot
Weiterqualifizierung für LER an der Uni Potsdam
Seit dem Sommersemester 2000 können Lehrerinnen und Lehrer des Landes Brandenburg an der Universität Potsdam das Unterrichtsfach Lebensgestaltung-Ethik-Religion(LER) studieren. Insgesamt nehmen momentan circa fünfzig von ihnen das Angebot eines sechssemestrigen berufsbegleitenden Studiums in Anspruch. Die Universität Potsdam tritt damit ein verzwicktes Erbe an, denn die Auseinandersetzung um die Ausrichtung des Faches LER und die Ausbildung der Lehrkräfte hat eine lange Geschichte.
Nes begann 1992/93 im Pädagogischen [A tandesinstinn in dessen Händen auch er Modellversuch lag. Parallel zum Modellversuch wurden die Lehrkräfte qualifiziert, ein ungeheurer Kraftakt für alle Beteiligten. Es war sicherlich eine enthusiastische Zeit in der nun mehr als zehnjährigen Geschichte von LER, denn mit dem neuen Fach waren ja auch viele bildungspolitische Hoffnungen verknüpft. Es wurden neue Konzepte erprobt und die Lehrer waren mit großem Engagement in Ausbildung und eigenem Unterricht tätig.
Als dann LER 1996 im Schulgesetz als ordentliches Schulfach eingeführt wurde, wurden schnell viele Lehrkräfte gebraucht. So wurden in den folgenden Jahren im„Verein für Weiterqualifizierung brandenburgischer Lehrerinnen und Lehrer“ circa sechshundert LER-Lehrerkräfte qualifiziert. Ziel der dortigen Ausbildung war ein wissenschaftlich fundiertes und gleichzeitig auf den späteren Unterricht orientiertes Studium. In dieser Zeit der beginnenden flächendeckenden Einführung und„Verwissenschaftlichung“ von LER wich der Enthusiasmus der ersten Zeit. LER wurde ein normales Schulfach und sollte einen Beitrag zu einem mehr
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schülerorientierten Unterricht leisten. Es gewannen aber auch andere Motive für ein LER-Studium an Bedeutung: die berufliche Absicherung vieler Lehrer durch ein zusätzliches Fach verdrängte häufig das starke Engagement für das neue Schulfach LER.
In der Zwischenzeit ist das Augenmerk auf die Universität Potsdam gerichtet, die den Studiengang LER berufsbegleitend anbietet und auch die bisherige Geschichte von LER aufnimmt und weiter schreibt. Die Studienordnung verbindet Grundlagenwissen besonders in den Bereichen Ethik und Religionswissenschaft einerseits mit Interdisziplinarität, Projektorientierung und fachdidaktischer Berufsbegleitung andererseits. Im Studiengang LER treffen viele aktuelle Debatten aufeinander. Das macht den Studiengang interessant, aber auch mitunter sehr anstrengend. Es gibt schließlich die Debatte um das Verhältnis zwischen Staat und Kirche und um die Verortung des Religionsunterrichts sowie die Begründung von wertorientiertem Unterricht, die gerade vor dem Bundesverfassungsgericht ausgetragen wird, die bildungspolitische Debatte um Formen neuen Lernens in der Schule, aber auch die Frage nach neuen Anforderungen an die Universitäten. Für die Universität ist ein solch Studiengang immer noch recht ungewöhnlich, und auch die stärkere Orientierung auf die Berufspraxis bringt langgehegte Selbstverständlichkeiten der wissenschaftlichen Abschottung ins Wanken. Die Universität Potsdam hat eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen und didaktischen Grundlegung des Faches. Das ist den beteiligten Disziplinen bewusst.
Eva-Maria Kenngott, Fachdidaktik LER
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