Heft 
(1.1.2019) 11
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blematisch ist, eine Pädagogik der Wertebildung zu entwickeln, die Indifferenz und Indoktrina­tion verbietet. Das Fach LER an unterschiedlichen Schulen mit uneinheitlichen Bedingungen, mit teilweise nicht angemessen ausgebildeten Leh­rern zu etablieren, ist nach Auffassung des Beira­tes ebenso schwierig zu bewältigen.

Nach genauer Analyse und Bewertung liegen jetzt Empfehlungen für die folgende Entwick­lungsphase von LER vor. Und dies unabhängig vom endgültigen Ergebnis der Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zum Streit um die verfassungsrechtliche Stellung des Religions­unterrichts an Brandenburger Schulen. Der Richterspruch berührt nach Meinung des Bei­ratsnicht die Existenz des Fachs, sondern allen­falls den schulischen Kontext, das Konzert der Fächer, in dem LER in Zukunft unterrichtet wird, LER konkurriere nicht mit dem Religions­unterricht.

Der Beirat kommt bei seinen Untersuchun­gen zu dem Ergebnis, dass das neue Fach bisher noch nicht für alle Schüler erreichbar ist. Schlussfolgernd wird festgestellt, dass die Ein­führung des Faches institutionelle Rahmenver­änderungen voraussetzt, wobei unter anderem die größere Selbständigkeit der einzelnen Schu­len genannt wird. Grundvoraussetzung für das Gelingen des Unternehmens sei die Bereitstel­lung hinreichender finanzieller und personeller Ressourcen. Weiter wird angemerkt, dass eine Breitenwirkung des Faches auch von zentralen Vorgaben abhängt, wie beispielsweise ausrei­chende Stundenkontingente und die Sicherung einer befriedigenden Leistuhgsbewertung. Sicherstellung der Fortbildung, Entwicklung von Rahmenplänen und geeigneten Unterrichtsma­terialien sowie die Evaluation schulischer Lern­und Leistungsergebnisse sind weitere Schluss­folgerungen des Beirates.

Der Beirat empfiehlt die Einführung des Faches LER als reguläres eigenständiges Unter­

Beirat

Mitglieder des Beirates für das Schulfach Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde: Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Max-Planck­Institut für Bildungsforschung, Berlin; Prof. Dr. Karl Erich Grözinger, Universität Pots­dam; Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Universität Potsdam; Prof. Dr. Achim Leschinsky, Hum­boldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Jürgen Lott, Universität Bremen; Prof. Dr. Fritz Oser, Universität Freiburg/Schweiz

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Verständnis für behin­derte und alte Menschen aufzubringen, will gelernt sein.

Buchtipp

richtsfach in den Klassenstufen 5 bis 10. Bisher lag die Priorität bei der Sekundarstufe I, also in Klasse 7 bis 10. In den Klassen 5 und 6 der Pri­marstufe, so wird vorgeschlagen, soll LER als reguläres Fach allgemein eingeführt werden. In den Klassen ı bis 4 sollen Elemente des LER­Unterrichts im Rahmen des Sachunterrichts zur Geltung kommen. Der Beirat empfiehlt weiter, LER in der Sekundarstufe II nicht als Fach ein­zuführen, sondern religionswissenschaftlichen und ethikwissenschaftlichen Anteilen im Fach Philosophie Raum zu geben.

Schulen müssten Stätten verständnisintensi­ven Lernens im Dienste der kognitiven und soziomoralischen Entwicklung der Schüler sein, so der Beirat. Wenn das neue Fachnicht Bestandteil einer solchen Vision ist, läuft LER freilich das Risiko, bloß ein weiteres, die Stun­dentafel belastendes Element trägen Schulwis­sens zu werden, das, wie andere gutgemeinte Maßnahmen auch, schließlich Langeweile und Unlust an der Schule verstärkt. be

Tagung

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Wolfgang Edelstein, Karl Erich Grözinger, Sabine Gruehn, Imma Hillerich, Bärbel Kirsch, Achim Leschinsky, Jürgen Lott, Fritz Oser: Lebensgestaltung-Ethik-Religionskun­de. Zur Grundlegung eines neuen. Schul­fachs. Analysen und Empfehlungen.

Beltz Wissenschaft, Deutscher Studien Ver­lag, 2001, 68,00 DM ISBN: 3-407-32001-9

Unter dem TitelLebensgestaltung-Ethik­Religionskunde. Zur Grundlegung eines neuen Schulfaches findet am 14. November um 9.00 Uhr eine Tagung der Studiengänge LER der Universität Potsdam statt. Tagungs­ort ist der Max-Planck-Campus Golm, Zen­tralgebäude, Hörsaal, Am Mühlenberg ı, 14476 Golm. Kontakt: Sibylle Rosenfeld, Tel.: 0331/977-1325, E-Mail: kenngott@rz.uni­potsdam.de

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