Heft 
(1.1.2019) 11
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Wie entstand

eigentlich Sprache?

Wissenschaftler debattieren auf Uni-Tagung über Texte und Konzepte

Sind Menschen, ihren natürlichen Fähigkeiten überlassen, imstande, Sprache zu erfinden und wenn ja, mit welchen Mitteln sind sie dazu gekommen?, so lautet eine Preisfrage, die die Berliner Akademie der Wissenschaften im Jahre 1769 der europäischen Gelehrtenrepublik zur Beantwortung aufgab. Die Frage nach dem Ursprung der Sprache hat von Alters her die Gelehrten umgetrieben, ist sie doch zugleich die Frage nach dem Ursprung des menschlichen Wesens.

erade die Sprachfähigkeit ist es, die den ( Menschen etwa gegenüber dem Tier­

reich abgrenzt und heraushebt. Im 18. Jahrhundert erreicht die Frage nach dem Sprach­ursprung mit den Schriften Johann Gottfried Herders, Jean-Jacques Rousseaus und Bonnot de - Condillacs ihren Höhepunkt. Dass sie jedoch keineswegs als museal einzuordnen ist, zeigt ihre Kontinuität bis hin zur Gegenwart.

Cordula Neis vom Institut für Romanistik der Uni Potsdam hat sich in ihrer Dissertation inten­siv mit der Berliner Preisfrage nach dem Sprach­ursprung beschäftigt. Sie untersuchte 25 Hand­schriften, die an der Berliner Akademie einge­gangen sind, darunter zehn französische, zwölf deutsche und drei lateinische Manuskripte mit Längen bis zu 210 Seiten. Was sie fand, gab Ein­blick in die Vielfalt des sprachtheoretischen Den­kens des 18. Jahrhunderts.Die Beiträge sind gar nicht unaktuell, unterstreicht Neis,einige dar­unter weisen erstaunliche Parallelen zur heuti­gen Diskussion um die natürliche Sprache oder allen Sprachen gemeinsame universelle Merk­male auf.

Im Zeitalter der Aufklärung gestellt, zielte die Frage darauf ab, mit der biblischen Vision eines göttlichen Ursprungs der Sprache zu brechen und dem Menschen selbst die Erschaffung sei­ner Sprache, Kultur und Geschichtlichkeit zu übertragen. Nicht mehr Adam aus dem Garten Eden war von Gott mit der Benennung der Tiere

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Forschung

www.uni-potsdam.de/portal /novo1/forschung.htm

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Cordula Neis faszinieren alte Handschriften. Genau 25 untersuchte sie, um dem sprachwissenschaftlichen Den­ken über den Ursprung von Sprache im 18. Jahrhundert auf die Spur zu kommen.

beauftragt, sondern der sich selbst frei bestim­mende Mensch erfand sich Sprache.

Spekulation und Empirie

Die meisten der eingesandten Schriften, so Neis,stützen sich auf Auffassungen von Con­dillac und Rousseau, die beide davon ausgingen, dass tierische Laute quasi als Modell des Sprach­ursprungs dienten. Beide Autoren vertraten im Gefolge der epikureischen Philosophie die Auf­fassung, dass es die menschlichen Grundbedürf­nisse gewesen seien, die den Menschen zu ersten Lautäußerungen veranlasst hätten.

Bemerkenswert an den Einsendungen auf die Preisfrage ist die grundsätzliche Tendenz, eine spekulative Fragestellung mithilfe von Gedan­kenexperimenten zu beantworten, die aber einen möglichst hohen Grad von Wahrscheinlichkeit aufweisen sollten. Um den historisch uneinhol­baren Punkt des Sprachursprungs irgendwie rekonstruieren zu können, bediente man sich hypothetischerProbandengruppen. Diese Gruppen erschienen allesamt im Vergleich zum sprachlichnormal ausgerüsteten Menschen

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Die a. mit dem".Fossunt quia posse videntur führt ein pessimistisches Menschen­bild im Sinne des Thomas Hobbes vor und versucht, vor diesem Hintergrund die Sprachentstehung zu plausibilisieren.

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